FAn Paß Lueg

  • Anfang Oktober 2009 hab´ ich an einer Führung durch die Kasematten der FAn, ("Feste Anlage"), des Österreichischen Bundesheeres am Paß Lueg in Golling bei Salzburg teilgenommen.


    Diese Anlage sicherte zu Zeiten des "Kalten Krieges", (als auch noch einige Jahre danach), den strategisch wichtigen Paß als Teil des Raumverteidigungskonzeptes, ("Spanocchi-Doktrin").


    Der Paß Lueg war aber schon zu Zeiten der Franzosenkriege heiß und hart umkämpft !



    Abmarsch war am "Struber Denkmal", dann ging´s auf einem schmalen Pfad unter Felswänden, (an denen sich diverse "Graffitis" erkennen lassen), weiter zum
    historischen, "Oberen Blockhaus" aus den Franzosenkriegen, und im Anschluß hinein in den Berg ...


    Ich laß´ hier einfach mal die Bilder für sich sprechen und ein jeder von Euch kann sich sicher vorstellen daß der Dienst in den Kasematten, (besonders im Winter !), kein Zuckerschlecken gewesen sein dürfte ! ...


    Die, (schwere) Bewaffnung der Anlage bestand aus zwei russischen Kanonen, ("Ratsch-Bumm"), welche die Besatzer dem ÖBH hinterlassen haben.


    Meine Uralt-Digi hat leider keine besseren Photo´s hergegeben trotzdem kann man sich bestimmt Bilder vom Dienst in der Anlage machen.


    Heute hausen dort nur mehr Höhlenspinnen und ein verendeter Marder moderte in einem unteren Stockwerk vor sich hin ...

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  • Die nächste Bilder-Serie beginne ich mit dem "Schlaf-Saal" ...

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  • Weiter runter ging´s dann zu den Kanonen ...

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  • Selbstverständlich war der Bunker auch durch Maschinengewehre gesichert.
    Eingangs Bilder einer der vielen Schießscharten.


    Die Wallmeister und Planer der Anlage haben den Bunker so ausgelegt und gebaut, daß durch "Kreuzfeuer" sämtliche, möglichen, Zugänge während eines eventuellen Angriffes flächendeckend abgestreut werden können.


    Daß dies in der Praxis, (im Ernstfall), anders ausgesehen hätte, haben Einheiten des Bundesheeres später selbst im zuge eines simulierten Angriffes von Infanteristen und Pionieren eingehend demonstriert, so jedenfalls die Aussage eines Unteroffizieres, der damals an diesem "Gefecht" teilgenommen hat.


    Abschließend noch schnell einige Bilder vom Äußeren der Anlage, viele sind´s leider nicht, da die Akkus den Dienst verwehrt haben ...

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  • Hier ein wenig zur Geschichte der Anlage:


    Vom BMfLV wurden in den Jahren 1960-61 die Befestigungsanlage Pass Lueg (Lu 1) und die Befestigungsanlage Kroatenhöhle (Lu 2) ausgebaut. Der Erbauer seitens des BMfLV war Oberst Winter, unterstützt durch die Firma Winterbergen.



    Als Truppe für die Feste Anlage LUEG war eine Sperrkompanie vorgesehen (1 Zug in der Anlage; 2 Züge zur Außenverteidigung).


    Bestückung der FAN LU 1: zwei Geschütze 7,5 cm russischer Bauart ("Ratschbumm") mit Schussrichtung auf die Passhöhe, weiters je zwei MG 42 innerhalb der Anlage, um die Eingänge zu sichern (Nahsicherung). In der Anlage befand sich ein Stromaggregat, welches nicht nur Strom erzeugte, sondern mit dem Kühlwasser auch für die Heizung sorgte. 40 Stockbetten waren für die Unterbringung vorhanden, ebenso eine WC-Anlage und Duschen. Das Wasser wurde mittels eigener Brunnen besorgt. Zusätzlich war ein Sanitätsraum und ein Raum für den Zugskommandanten vorhanden, ebenso ein Raum für die Vermittlung, Mit einem Grubentelefon, welches an das Ost-West-Fernmeldenetz angeschlossen war, war es möglich, in das militärische Fernmeldenetz zu gelangen. In der Anlage war selbstverständlich die gesamte Munition gelagert. Große, starke Eisentüren versperrten die Eingänge, zusätzlich war die Anlage durch einen Drahtzaun gesichert. Es ist zu erwähnen, dass innerhalb der zwölf Jahre es niemals irgendwelche Einbrüche oder Beschädigungen gegeben hat.


    Die LU 2 (Kroatenhöhle) Der Name stammt von durchziehenden marodierenden Truppen (1742, Österreichischer Erbfolgekrieg), welche sie wegen einer ähnlichen Höhle in Kroatien so benannten. In der Höhle ist heute noch an einer Felswand ein kroatisches Hoheitsabzeichen vorhanden. Nach einer anderen Version sei diese Höhle unter dem Namen "Unsinnige Kirche" von Sektierern benannt worden, welche hier ihre geheimen Treffen abhielten .Das dort noch heute vorhandene lebensgroße Kruzifix stammt aus dem Jahr 1832/33 und war früher ein Wegekreuz. Es gab Unterbringung für 40 Mann, nebst Holzpritschen einen Raum für den Zugskommandanten und einen Anschluss mittels Grubentelefon in das Ost-West- Fernmeldenetz.


    Lu 3 (Lueg 3) hieß auch Katschstollen und war der erste Unterstand, der von uns in den Felsen gesprengt wurde. Er bestand aus einem Raum zur Unterbringung einer Gruppe sowie aus einem nicht eingedeckten PAR-Stand mit Schussrichtung auf die B 159. Alle Eingänge der Unterstände wurden mit einem Drahtkorb gesichert.



    LU 4 (Lueg 4) war ein weiterer Unterstand auf der gegenüberliegenden Seite des Lu 3 zur Aufnahme einer Gruppe und zur Sicherung der B 159. Alle Unterstände waren mit Holzpritschen ausgerüstet.


    LU 4 (Lueg 5) war ein Unterstand, welcher von der Truppe erbaut wurde.Er bestand aus einem Aufenthaltsraum und einem mit Holzpritschen ausgestatteten Schlafraum. Er sollte den Zug aufnehmen, der zu Nahsicherung der LU 1 vorgesehen war. Er war durch eine 2 Meter hohe Erdschicht von oben gesichert sowie seitlich mittels Krainerwand geschützt.

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  • sehr interessant, danke für die schöne Bilder und die Infos. :)


    gruessle


    ivica

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  • Servus !


    Der Beitrag scheint, (leider), wohl eher auf wenig Interesse zu stoßen, dennoch möchte ich diesen, hiermit, weiter ergänzen.


    War heute, (wieder im Rahmen einer Führung), in den, ansonsten abgesperrten, und für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen, Anlagen.
    Diesmal gab´s aber leider keinen elektrischen Strom mehr und wir waren auf mitgebrachte Taschenlampen, dem Blitzlicht unserer Handy´s und Digicam´s, und, einiger, weniger, militärische, "Gruben-Lampen" angewiesen ...


    Ein Oberst des Österreichischen Bundesheeres hatte uns im Vorfeld viele, interessante, Informationen über die Anlagen, (angefangen von den Franzosenkriegen, weiter über den Zwoten Weltkrieg, bis hin zum Ausbau durch das Österreichische Bundesheer), vermittelt.


    Zum Ende des Zwoten Weltkrieges sollte der Paß noch durch Einheiten des Volkssturmes und der Hitler-Jugend verteidigt werden.
    Die Offiziere schickten aber die Alten und Pimpfe nach Hause, (der vorgegebene Grund: "Mangelnde Verpflegungslage").


    Einheiten der, (in Hallein stationierten), Waffen-SS, (Angehörige eines Außenlager´s des Konzentrations-Lagers Mauthausen), wollten den Paß noch verteidigen, das Kriegsende kam ihnen aber zuvor ! ...


    Im "Kalten Krieg" wurde die Anlage "großzügig" geplant, (Ausbau mehrerer Stockwerke über, und, unter der Erde), doch reichte damals das "schmale" Verteidigungsbudget der Republik Österreich bei Weitem nicht aus ! ...


    Die damalige Belegung bestand aus 82 Mann.
    Die Wände in der "FAn" waren weiß getüncht um das Innere "heller" erscheinen zu lassen und, um dem gefürchtetem "Lagerkoller" entgegen zu wirken.


    Im Bunker sind überall fluoreszierende Wegweiser und Schilder angebracht, damit die Soldaten unter Gefechtbedingungen, ("Gefechtsbeleuchtung Rot"), die jeweiligen Wege finden konnten.


    Oberhalb der Anlage waren damals auch noch getarnte Flakstellungen verbaut, vorrangig, um angreifende Kampfhubschrauber zu bekämpfen.


    Auch auf der gegenüberliegenden Seite der Salzach waren umfangreiche Stellungen mit Artillerie geplant gewesen, doch war auch dafür das Verteidigunsbüdget zu "schmal" ...
    Lediglich Stellungen für überschwere Maschinengewehre und weit ausgelegte Kampfstellungen wurden angelegt.


    Der Austausch und die "Modernisierung" der Bewaffnung in dieser "Festen Anlage(n)" war bereits geplant, doch die politischen Veränderungen erklärten diese Maßnahmen als für obsolet !


    Heute, während der Begehung, war´s relativ warm, (Bunker-Temperatur: Plus 6° Celsius ! ;) ).


    Mir ist auch heute wieder aufgefallen daß es, (z.B.), durch die Tür des WC´s, unmittelbar wieder zu den Kampfstellungen, nur durch rel. niedrige Verbindungstüren ging !



    Mir hätte es damals nicht wirklich gefallen, in einer solchen "FAn" Dienst tun zu müssen.
    In ganz Österreich gab es übrigends noch Viele mehr davon ! ;)


    Lustig am Rande:
    Auf dem, (etwa zwanzigminütigem), Marsch durch steil abfallendes Gelände wurde uns geraten, die alten Sicherungsseile nicht als "Hilfe" zu gebrauchen ! ;)


    Wenn man sich selber in diesem Gelände befindet kann man erst erahnen wie schwierig es im Ernstfalle für angreifende Infanterie und Sturmpioniere gewesen sein mußte, eine solche "FAn" zu erobern !
    Selbstverständlich waren diese, "Feste Anlagen", auch weitläufig durch ausgeklügelt positionierte Stellungen gesichert und auch das Gelände, durch welches das zu sichernde Gebiet event. zu umgehen gewesen wäre, entsprechend geschützt !


    Laßt einfach mal die Bilder für sich sprechen.


    Gruß,


    R.

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  • Hallo,


    finde ich sehr interessant! Gibt es auch eine Art Grundriss bzw. Skizze von der Anlage?
    Danke für die aktuellen Bilder!


    Gruss Marc


    Ps. Ob unsere damaligen Fallschirmjäger die Anlage geknackt hätten???

    Bei allen meinen Beiträgen findet eine strikte Beachtung der §§ 86 und 86a StGB statt! Bild-Beiträge (ggf. mit verfassungsfeindlichen Kennzeichen) erfolgen nur unter dem Gesichtspunkt der staatsbürgerlichen Aufklärung.



    Ps. Neuestes Update von meiner Sammlung "Mein Kampf" im WAF zu sehen!!:D

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  • ......


    P.S.:
    Zu den Abkürzungen der Sperren:
    Panzer-Igel,
    Steck-Sperre,
    Spreng-Sperre

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  • ... Ps. Ob unsere damaligen Fallschirmjäger die Anlage geknackt hätten???


    Eine jede Anlage ist zu knacken ! ;)


    Verteilt in ganz Österreich waren, (wären), aber damals diese, "Feste Anlagen" ganz bestimmt ein sehr ernstzunehmendes Hindernis für durchbrechende Einheiten des Warschauer Paktes, als auch, für durchbrechende Einheiten des "Westen´s" gewesen !


    Das Österreichische Bundesheer hätte seine Souverinität und seine Neuträlität auch gegen Einheiten des "Westen´s" hunderprozentig verteidigt !

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  • Intressante Anlage..
    Ich kenn derartige Systeme zur genüge aus meiner Militärzeit..
    Effizient sind dieses Anlagen allemal.


    Danke fürs zeigen

  • reibert !


    Danke für deine Doku-Arbeit. Da ich aus OÖ bin, werde ich mir mal die Anlage ansehen und vielleicht komme ich ja in den Genuss einer Führung!


    LG


    Walter

  • Habe den thread in die Rubrik Militärmuseen/Österreich verschoben
    Das ist bie beste Ecke, um so wichtige museale threads zu präsentieren


    Danke dir Reibert für diesen wichtigen thread


    Schöne Grüsse
    Roland

  • Freut mich, daß Euch der Beitrag gefällt ! :)


    Gruß,


    R.

    Suche Grabendolche u. Kampfmesser aus beiden Weltkriegen, als auch "moderne", militärische, Einsatzmesser, (z.B.: Kampfmesser der NVA)

  • Servus !


    Der Beitrag scheint, (leider), wohl eher auf wenig Interesse zu stoßen,


    Serwas.


    Ganz im Gegenteil. Danke für die interessante, detaillierte Beschreibung.
    Feste Anlagen gibt es auch vor meiner "Haustüre" in Form eines Museum zu besichtigen


    Gruß aus Kärnten
    Christian

    SUCHE:
    Gebirgs-Artillerie-Regimenter 111, 112

    Gebirgs-Jäger-Regimenter 136, 137, 138, 139


  • Das war mal ein Schöner Bericht Danke!!
    Wicki.

    Mein Hund ist mir im Sturme Treu,.....der Mensch nicht mal im Winde.