Preußen Jäger ?

  • Moin
    Wie nennt mann so etwas ? Gehört wohl zu einer Art Schärpe .
    Gleiche Auflage wie beim Koppelschloss

  • Genau.


    Zitat aus der A. K. O. vom 12.11.1831: „Die oberen Forstbeamten vom Forstinspektor einschließlich aufwärts tragen den Hirschfänger an einer Koppel, welche aus einer goldenen Tresse besteht, und auf der Brustseite mit einem goldenen Schilde mit Adler und Krone versehen ist, über die (rechte) Schulter.“


    Nach dem (endgültigen) Uniform-Reglement f. d. Kgl. Preuß. Forstbeamten vom 29. 12. 1868 tragen (nur) die Regierungs- und Forsträte (und auch nur zur Staats-Uniform „Hirschfänger (…) an einem 5 cm breiten goldenen Bandelier, auf grünem Sammet über die Schulter. Auf dem Bandelier vorn auf der Brust ein ovales goldenes Schild mit silbernem Adler und Krone.“ Ab Oberforstmeister aufwärts wird der Hirschfänger bei großer Gala getragen „an einem 1 1/2 Centimeter breiten goldenen Bandelier auf grünem Sammet, welches mit silbernen den Königlichen Namenszug enthaltenen Platten und Schnallen besetzt ist.“

  • Dann wurden die ja über einen langen Zeitraum hergestellt und es wird wohl Varianten geben .


    Ich finde die künstlerisch sehr gelungen .


    Gruß Koppel71

  • Vielen Dank an Koppel 71 und planet für’s Zeigen dieser wunderschönen Koppelschlösser. Die preußischen Försterschlösser sind, wie ich finde, mit die schönsten von allen! Thomas, würdest Du auch noch die Rückseiten von Deinen Schlössern zeigen?


    Vielleicht interessiert ja ein kurzer Abriss über die preußischen Forstbeamten-Schlösser. Es sind nur Schlaglichter, ich habe längst nicht alle Vorschriften, aber sie zeigen eine Entwicklung auf. Die endgültig mit dem Reglement vom 29.12.1868 festgelegten und danach bis zum Ende der Monarchie nur noch in Details veränderte preußische Forstbekleidung hatte jedenfalls ihren Ursprung in einer 1786 eingeführten einheitlichen Bekleidung. In der zeitgenössischen Literatur wird sie als einfach und zweckmäßig beschrieben, aus heutiger Sicht erscheint sie überaus repräsentativ bzw. sogar überladen. Wie mag bloß die Bekleidung vorher ausgesehen haben?


    Über die Zeit ergaben sich immer wieder Veränderungen, die ich chronologisch nicht exakt festmachen kann. Ursprünglich jedenfalls trugen höhere Chargen ein goldenes Koppel mit einem goldenen Schloss mit silbernem Kgl. Adler und Verzierungen, die in der Hierarchie von oben nach unten in ihrer Reichhaltigkeit abnahmen. Das Unterpersonal trug schwarze Lederleibriemen (zumindest zeitweise je nach Rang auch goldene Koppel) mit einem gelben Schloss mit dem Kgl. Namenszug FW. Verdienten Unterförstern konnte nach langer Dienstzeit stattdessen als „Ehrenkoppel“ das Adlerschloss an einem grünen Lederleibriemen verliehen werden. Die letzte Erwähnung dieses Systems, die ich kenne, ist von 1817. Später – wann genau weiß ich nicht, fielen die FW-Schlösser weg. Für die Unterbeamten gab es dann gar kein Koppel mehr. Sie trugen den Hirschfänger an einem beliebigen Leibriemen unter der Jacke „durchgesteckt“, sodass von außen nur der Griff sichtbar war. Das Ehrenkoppel für Unterförster fiel 1869 weg und wurde durch eine „Ehrentroddel“ ersetzt. Wann genau für die „Oberbeamten“ das Hirschfänger-Bandelier, über die Schulter zu tragen, eingeführt wurde, weiß ich auch nicht. Die erste Erwähnung, die ich habe, ist von 1818. Das goldene Koppel mit Adlerschloss wurde sodann nur noch von wenigen Ranggruppen getragen (unterer Rand der höheren Beamten, Referendare, Assessoren, Oberförster, Forstmeister; die Bezeichnungen ändern sich über die Zeit).


    Über die lange Zeit kann es gar nicht anders sein, als dass sich Varianten ergeben. In dem Reglement von 1868 werden zwar für die wichtigsten Stücke Bezugsquellen angegeben (ja, da steht tatsächlich, bei welcher Firma man Koppel und Koppelschlösser kaufen konnte/musste), aber das wird bis 1918 auch kaum unverändert geblieben sein.

  • Hallo Karl,
    dann starte ich mal mit dem m. E. ältesten preussischen Forstschloss in meiner Sammlung:


    Maße 16 x 6 cm, Adler aus Silber gebläut

  • Auch wenn es kein Preusse ist und nicht ganz hier rein passt - als Kuriosum hier mal das größte Schloss in meiner Sammlung. Ich würde es dem Forstdienst des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha und dem 18. Jhd. zuordnen.
    Maße: gewaltige 11,5 x 9(!) cm.
    Material: Kasten aus Eisen, Auflage wohl Tombak versilbert

  • So Karl - und nun bist Du wieder dran: Ordne mal schön die Preussen zeitlich und dem Trägerkreis nach zu. ;)
    Schöne Grüße, Thomas

  • Hallo Thomas,


    ganz herzlichen Dank für die Bilder. Eine Augenweide!


    Wenn ich geschrieben habe, dass sich die Adlerschlösser je nach Reichhaltigkeit des Zierrats einzelnen Ranggruppen zuordnen lassen, so habe ich mich auf „Zeichnungen von der Königlich Preußischen Forst-Uniform nach der Beschreibung der eingeführten jetzigen Forst-Uniform vom Jahr 1802, der Vorschrift gemäß gezeichnet im Jahr 1802 durch Ritter“ (Original im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg) bezogen. Dort werden fünf verschiedene Koppelschlösser abgebildet. Ob die Systematik von 1802 durchgängig von 1786 bis zur Einführung des Schulter-Bandeliers für die höchsten Ränge (1818?) gleich geblieben ist, kann ich leider nicht sagen. Die Grundbestimmung ist die Circular-Verordnung vom 01.02.1786 "wegen Einführung einer einförmigen Kleidertracht für sämmtliche königl. Forstbediente". Diese liegt mir im Volltext vor, die Koppelschlösser werden dort aber leider nur erwähnt und nicht genauer beschrieben. Kurz darauf ergingen am 09.02. und 31.03.1786 zwei weitere Circular-Verordnungen „wegen der Hirschfänger und Koppelschlösser“. Dort werden sie wohl detailliert beschrieben, aber diese beiden habe ich frustrierender Weise bisher nicht finden können. Auch in den späteren gedruckten Bestimmungen, soweit sie mir vorliegen, werden die Koppelschlösser (Adlerschloss bzw. FW-Schloss) nur erwähnt, aber nicht im Detail beschrieben. Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass es nach Einführung des Schulterbandeliers nur noch eine Ausführung des Adlerschlosses für die verbleibenden Ränge gab, die weiterhin den goldenen Leibriemen trugen, und zwar die Ausführung von Koppel71 in Post # 5 (Eichenlaubrand, Adler mit Hirschfänger, aber ohne Jagdhorn). Wenn man mal preußische Försterschlösser zu sehen bekommt, ist es meist dieser Typ. Das muss aber nicht so sein, möglicherweise gab es auch danach noch Abstufungen (die sich wiederum über die Zeit geändert haben können).


    Dein Schloss aus Post # 10 entspricht exakt demjenigen für „Oberjäger, Landjäger, Oberförster und Hegemeister“ aus der Zeichnung von 1802. Das waren damals die niedrigsten Chargen, die das Adlerschloss tragen durften. Du wirst also recht haben, wenn Du es als das älteste bezeichnest.


    Das Schloss aus Post # 11 kommt demjenigen für „Oberforstmeister“ von 1802 nahe, entspricht ihm aber nicht exakt: Der Adler hat dort zwar auch ein Jagdhorn in den Fängen, aber keinen Hirschfänger. Einen Hirschfänger hat dort nur das Schloss für Oberjäger etc. Außerdem besteht die Verzierung um den Kastenrand aus Girlanden, nicht aus Eichenlaub wie bei Deinem Stück.


    Das Schloss aus Post # 12 entspricht fast genau dem für Unterförster von 1802, nur ist dort der Schlosskasten ganz ohne Verzierung (es fehlt also die Eichenlaub-Ornamentik). In meinem Material wird das FW-Schloss für die unteren Ränge 1831 zum letzten Mal erwähnt. Wann genau es fortgefallen ist, weiß ich aber nicht, zum Uniform-Reglement von 1868 gehörte es jedenfalls nicht mehr. Dazwischen gab es ein scheinbar grundlegend neues Uniform-Reglement von 1847, das ich aber nicht auffinden konnte. Es wurde wohl nicht gedruckt. Schon in der zeitgenössischen juristischen Literatur wird bemängelt, dass es nicht zugänglich ist.


    Dein Schloss Post # 13 will in die preußische Systematik nicht richtig hereinpassen. Dazu muss ich passen, ebenso wie zu dem Riesenschloss mit „E“ und Fürstenhut.

  • Hallo Karl,
    ganz große Klasse, was Du da zu Tage förderst!! Bei dem Schloss in Post #12, das lt. Reglement für untere Ränge sein soll, wundert mich nur die doch sehr aufwendige Fertigung. Statt aus Messing ist der Kasten hier aus Echtsilber vergoldet und die Initialen aus Silber. Für untere Ränge würde ich das nicht vermuten.
    Vom Schloss in Post #10 habe ich auch schon eins gesehen, das mindestens 20cm oder sogar noch etwas länger war. Das hat dann wohl die ganze Vorderseite des Mannes abgedeckt. Steht zur Länge der Schlösser auch etwas in der Vorschrift?
    Gruß, Thomas

  • Hallo Thomas,


    nur ganz schnell: zu Größen steht leider nichts geschrieben. Die FW-Schlösser waren für Unterbeamte, nicht für einfache Waldarbeiter etc. Letztere hatten "wegen ihrer geringen Bezüge" gar keine Uniform zugebilligt bekommen. Die Uniformen mussten selbst beschafft werden, je nach privaten Verhältnissen könnte also auch ein Unterförster ein vergleichbar kostbares Stück angeschafft haben.


    Frohes Fest
    Karl

  • Hallo
    Noch 3 von mir ich kann nur mit Fotos dienen . Vielen Dank für die Beurteilung , Fachwissen .
    Gruß Koppel71