Das Kochgeschirr 31 und 42, Varianten aus den Jahren 43 und 44

  • Das Kochgeschirr 31 durchlief, wie so viele andere Ausrüstungsstücke der Wehrmacht, im Laufe des Krieges eine ständige Weiterentwicklung.

    Wir alle kennen das Kochgeschirr aus Aluminum wie es bis zum Jahr 1941 standardmäßig gefertigt wurde.

    Da vielen Sammlern die Entwicklung in den Folgejahren unklar zu sein scheint, möchte ich jedoch nochmal explizit auf die Hauptvarianten aus den Jahren 1942 - 1945 eingehen.


    militaria-fundforum.de/index.php?attachment/4690440/


    Wegen Aluminiummangel führte man im Jahr 1942 eine vereinfachte Variante unter dem Namen "Kochgeschirr M 42" ein.

    An der eigentlichen Form änderte sich nichts, es wurde lediglich statt aus Aluminium komplett aus lackiertem Eisenblech gefertigt.

    Die eingeprägten Messstriche entfielen und die seitliche Halterung für den Henkel war nur noch ein aufgeschweißtes flaches gebogenes Blechstück. Ebenso wurde der Griff nicht mehr am Griff angenietet sondern verschweißt.

    Typisch für diese Variante ist der rote eingebrannte Kunstharzlack welcher auf der Innenseite der Kochgeschirre zu sehen ist.

    Wie in meinem Bildbeispiel zu sehen, wurde von manchen Herstellern auch grüner Lack verwendet.

    Im Jahr 1942 eingeführt, hatte diese Variante im Jahr 1943 ihre Hochphase und verdrängte das Kochgeschirr aus Aluminum fast vollständig.



    KG_DMN43_Front.jpgKG_DMN43_Seite.jpg


    KG_CFL43_Front.jpgKG_CFL43_Seite.jpg


    KG_innen43.jpg


    Jedoch war diese Art Kochgeschirr bei der Truppe äußerst unbeliebt.

    Da der Lack organische Bestandteile enthielt reagierte er sehr auf starke Hitze. Somit waren sie im Gegensatz zu den Kochgeschirren aus Aluminium, zum Kochen und Braten auf offener Flamme oder Herdplatte ungeeignet. Sie sollten lediglich zum aufwärmen von Speisen unter indirekter Hitze (wenn möglich Wasserbad) bis max 100°C genutzt werden.

    Zum Umrühren sollte auf metallene Gegenstände verzichtet werden um die Lackierung nicht zu zerkratzen.

    Ebenso war sicherzustellen das immer genügend Flüssigkeit im Kochgeschirr enthalten ist, damit der Lack keine Blasen wirft.

    Die Reinigung sollte mit Wasser ohne zu Hilfenahme von Scheuermitteln erfolgen.


    Das eine sachgemäße und pflegliche Behandlung der Kochgeschirre im Feld mehr als unpraktikabel war dürfte auch dem OKW klar gewesen sein und verwies darauf, das die Industrie und alle beteiligten Wehrmachtsteile an einer Verbesserung der Lackierung arbeiten um in Zukunft einwandfreie Kochgeschirre liefern zu können.

    Trotzdem gab das OKW auch bekannt, dass weitere Beanstandungen der Truppe zwecklos und daher nicht vorzulegen seien.

    Siehe zu dieser Thematik: BArch RH53-9-89 und CAMO Bestand 500 Findbuch 12472 Akte 85


    Ab dem Jahr 1944 sind deutlich weniger Kochgeschirre aus Eisenblech zu finden und es treten wieder vermehrt welche aus Aluminium auf, außerdem ist zu beobachten dass manche Hersteller zur Produktion von Kochgeschirren aus Emailliertem Eisenblech umschwenkten.

    Vermutlich war man sich beim OKW der Situation bewusst und setzte alles daran Material zu produzieren welches auch feldtauglich war.

    Ob ab dem Jahr 1944 wieder vermehrt Aluminium zur Verfügung stand oder einfach ein erhöhter Bedarf zur Produktion von Kochgeschirren in Kauf genommen wurde, ist unklar.

    Jedoch wurden die Kochgeschirre wieder in größeren Stückzahlen produziert, wobei meist nur der Topf und Deckel aus Aluminium gefertigt wurden. Der Griff und die seitlichen Halterungen waren meist weiterhin aus Blech (wobei gerade bei der seitlichen Halterung einige Hersteller auch wieder vermehrt zur alten Form zurückkehrten).


    KG_kvu44_Front.jpgKG_kvu44_Seite.jpg



    Die Variante aus emailliertem Eisenblech sehe ich als Kompromisslösung an, bei der weiterhin das wesentlich einfacher zu beschaffende Eisenblech verarbeitet wurde, jedoch durch die Veredelung mit Emaille statt Kunstharzlack, viele der Unzulänglichkeiten beseitigt werden konnten. Das Problem der Feuerfestigkeit dürfte dadurch gelöst worden sein, ebenso das Reinigungsproblem. Allerdings dürfte das stark gestiegene Gewicht und die Anfälligkeit gegen Stöße auch diese Art von Kochgeschirr bei der Truppe gemischte Gefühle verursacht haben.

    Auffällig ist auch, dass nur eine geringe Anzahl von Firmen diese Variante fertigte, was mich darauf schließen lässt, dass nur spezialisierte Betriebe in der Lage waren die Produktion ohne größeren Aufwand umzustellen.


    KG_AEMA44_Front.jpgKG_AEMA44_Seite.jpg


    KG_innen44.jpg


    Ich hoffe mit meinen Ausführungen manche Unklarheit beseitigt zu haben und bin gespannt auf eure Meinungen zu dem Thema.

    Es würde mich freuen eure Sichtweise auf das Thema zu erfahren und es wäre schön mehr Anschauungsmaterial zu sehen.


    Gruß,

    Marco

  • Hallo Marco,


    vielen Dank für Deine sehr interessanten Ausführungen. Da muss ich mal meine 20-30 Kochgeschirre rauskramen und nach den Merkmalen sortieren. Leider sind die meisten Deckel nicht vom gleichen Hersteller und Datum wie der Kessel. Ich denke diese scheiden von einer Betrachtung aus.

    Da sind wohl sehr viele vertauscht worden obwohl der Eigentümer auf beiden seine Initialen gekratzt hat.


    Bin gespannt auf weitere Meinungen und Details


    CdT


    Hier ein Beispiel: AJ und auch K.H. auf Kessel und Deckel, jedoch ist der Deckel SMM 41 und der Kessel SMM 38 gestempelt.

    Für mich ist historisch gesehen eigentlich das gemeinsam markierte Stück eines Trägers zusammengehörig, habe jedoch heute gelernt dass es sich lohnt, Referenzstücke original hergestellter Typen zu betrachten (militärwissenschaftlich).


    Toller Beitrag der zum Querdenken anregt


    .KoGe.jpg

    Wir Sterbliche sind nur Staub und Schatten (Proximus)

  • Hallo,

    danke für deinen Kommentar.

    Zum vertauschen der Teile gab es mehr als genug Gelegenheit.

    Es können schon aus der Fabrik Kochgeschirre kommen die aus Teilen aus unterschiedlichen Jahren zusammengebaut wurden. Als gutes Beispiel dafür besitze ich ein Kochgeschirr bei dem beide seitliche Halterungen für den Henkel unterschiedliche Jahreszahlen (42 und 43) aufweisen.

    Auch in den Heeresbekleidungsämtern ist sicher mal etwas durcheinander geraten bevor die Ausrüstung an die Truppe ausgegeben wurde.

    Bei der Truppe selbst war dann natürlich die Wahrscheinlichkeit am größten dass etwas vertauscht wurde. Z.B. beim Essen holen oder beim Abwasch. Deshalb auch die so häufige Beschriftung mit dem Namen.

    Zu guter letzt wurden auch defekte Kochgeschirre durch Austausch der noch brauchbaren Teile wieder verwendbar gemacht.


    Gruß,

    Marco

  • Tolle Erklärung.

    Danke.

    SUCHE : LW Schützenschnur ; Papiere mit Bezug (Fhj)GrenRgt.1235 & 1242 Einsatz Ostdeutschland 1945 ; SG84/98 Hersteller"ab" ; Dienstglas in"sandgelb" EFE43 + rotbraunen Köcher ; Klappspatentasche

    Meine Bewertungen: sven79

  • Beim erneuten durchlesen meines ersten Beitrags ist mir aufgefallen dass ich das Wegfallen der Messstriche mehr als unglücklich formuliert habe.

    Der Wegfall steht nicht in direkter Verbindung zur Variante aus Eisenblech, sondern die Striche wurden erst etwas später auch bei Aluminium Kochgeschirren entfernt.

    Hier auf einem Kochgeschirr aus rot lackiertem Eisenblech von 1942 sind die Striche noch vorhanden.


    Gruß,

    Marco


    KG_AEMA42_Front.jpg KG_AEMA42_offen.jpg


    KG_AEMA42_Seite.jpg

  • Super Beitrag Marco vielen dank dafür!


    Gruß

    Jan

    Lügen können Kriege in Bewegung setzen, Wahrheiten hingegen können ganze Armeen aufhalten.
    Otto von Bismarck (1815-1898)
    Sondlerteam Eisenschweine West

  • Hallo

    Sehr interessanter Beitrag,macht Spass den zu lesen.

    Muss auch mal meine wieder vor holen, wobei ich eher von den früheren hab.

    Danke für deine Mühe


    Gruß

    ______________

  • Wurde das auch bei der WH unter Kochgeschirr m42 geführt, oder kommt die Bezeichnung von den Sammlern?

    Lügen können Kriege in Bewegung setzen, Wahrheiten hingegen können ganze Armeen aufhalten.
    Otto von Bismarck (1815-1898)
    Sondlerteam Eisenschweine West

  • Die Bezeichnung Kochgeschirr M 42 stammt aus den Monatliche Angaben des Reichsministeriums für  Rüstung und Kriegsproduktion über die Produktion der wichtigen Zweige von Schwarz – und Buntmetallurgie, metallverarbeitenden Industrie, sowie der kriegsgebundenen Produktion für die Jahre 1943 – 1944.


    Siehe: CAMO Bestand 500 Findbuch 12450 Akte 170


    Aufgeführt sind dort die Kochgeschirre M 31 (Alum.) und die Kochgeschirre M 42 (Eis.).


    Gruß,

    Marco

  • Ah ok alles klar!

    Lügen können Kriege in Bewegung setzen, Wahrheiten hingegen können ganze Armeen aufhalten.
    Otto von Bismarck (1815-1898)
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