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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unterschiede, bzw. Merkmale der einzelnen Helmtypen: WK1


SirQuake
10.05.2007, 18:50
Der Stahlhelm M16

Allgemeines:

Der Stahlhelm M16 wurde im Jahr 1915 von Professor Friedrich Schwerd entworfen und erstmals im Februar 1916 an der Front vor Verdun eingesetzt.
Der Stahlhelm M16 wurde wie auch die nachfolgenden Modelle aus sehr hochwertigem Chromnickelstahl gefertigt, sein Gewicht beträgt je nach Helmglockengröße (60 - 68) zwischen 950 und 1200 Gramm.
Charakteristisch für die deutschen und österreichischen Stahlhelme sind die Lüftungsbolzen (Hörnchen), welche dazu dienen Stirnpanzer einzuhängen. Diese Lüftungsbolzen besitzen bei den kleineren Helmglockengrößen 60 - 64 sogenannte „Stege“, welche den Größenunterschied des Helmumfangs ausgleichen (Stirnpanzer wurden nur in einer Größe gefertigt und mussten an allen Helmen passen). Je kleiner der Helm, desto breiter ist dieser Steg.

Merkmale:

Der M16 unterscheidet sich von anderen Modellen des Ersten Weltkriegs leicht erkennbar durch den zwischen 2-3 cm über der Bördelung angenieteten Knopf 91. Dieser ist eine Sturmriemenbefestigung wie sie bis dahin seit Jahrzehnten bei den Pickelhauben üblich war. Der dazugehörige Sturmriemen besitzt an beiden Enden Herzhaken, welche am Knopf 91 eingehängt werden.

Der Stahlhelm M16 besaß zwei Arten von dreilaschigem Innenfutter. Beim ursprünglichen Innenfuttermodell waren die Lederlaschen an einem ledernen Innenfutterring befestigt. Im Jahr 1917 wurde ein Innenfutterring aus Metall eingeführt. Aus diesem Grund werden letztgenannte Stahlhelme deutscher Fabrikation häufig auch als M17 bezeichnet. An den Rückseiten der Laschen waren Taschen für Innenfuttersäckchen angenäht. Diese dienten der Polsterung und zudem als Ausgleich für den Unterschied der Helmglockengröße zur Kopfgröße des Trägers.

Bilder:

1. Stahlhelm Seitenansicht
2. Nietung Knopf 91 Außenansicht
3. Knopf 91 Innenansicht mit Herstellerstempelung / Helmglockengröße (hier B.F.64)
4. Innenfutter 1. Modell
5. Tasche für Innenfuttersäckchen

SirQuake
10.05.2007, 18:54
Ein weiterer Stahlhelmtyp ist der Stahlhelm M17 der österreichischen KuK-Armee.

Merkmale:

Der M17 unterscheidet sich am offensichtlichsten vom M16 durch eine andere Kinnriemenhalterung.
Die Nietung ist wesentlich höher angesetzt und besitzt keinen Knopf 91, sondern eine Art Schlaufenhalterung. Ein für den M17 üblicher Sturmriemen war aus mit Lederteilen verstärktem Stoff.

Das Innenfutter unterscheidet sich vom deutschen 2. Modell durch einen vereinfachten Metallring und meist genieteten Ösen in den Lederlaschen für das Zugband.

Bilder:

1. Stahlhelm Vorderansicht
2. Stahlhelm Seitenansicht
3. Kinnriemenbefestigung

SirQuake
10.05.2007, 18:56
Der Stahlhelm M18

Merkmale:

Der M18 besitzt im Gegensatz zum M16 und M17 überhaupt keine an die Helmglocke genietete Kinnriemenhalterung mehr. Der Kinnriemen wurde ähnlich direkt am entsprechend geänderten Innenfutterring befestigt.

Der Kinnriemen war zweiteilig und wurde mittels Karabinerverschluss geschlossen.

Bilder:

1. Stahlhelm Seitenansicht
2. Innenfutter
3. Herstellerstempelung Kinnriemen

SirQuake
10.05.2007, 19:00
Der Stahlhelm M18 mit Ohrenausschnitt

Merkmale:

Der M18 mit Ohrenausschnitt ist das letzte deutsche Helmmodell des Ersten Weltkriegs. Dieser Stahlhelm unterscheidet sich von seinem Vorgänger durch Ohrenausschnitte von 8cm mal 2cm und wurde nur noch in den letzten Kriegsmonaten hergestellt.
Der Helm wird oft auch heute noch hartnäckig als Kavalleriehelm oder Telegraphenhelm bezeichnet, obwohl es sich eigentlich nur um eine Weiterentwicklung des M18 Stahlhelms für die Infanterie handelt.

Der Ohrenausschnitt dient lediglich der Verbesserung der Hörfähigkeit des Trägers durch Verminderung von z.B. unangenehmen Windgeräuschen.

Dieser modifizierte Stahlhelm wurde ausschließlich im Werk Thale mit der Helmglockengröße 64 in einer relativ geringen Stückzahl von ca. 50.000 Exemplaren hergestellt.

Bilder:

1. Stahlhelm Vorderansicht
2. Stahlhelm Seitenansicht
3. Detailansicht Ohrenausschnitt

SirQuake
10.05.2007, 19:01
Der Stahlhelm M18 türkische Variante

Merkmale:

Für die verbündeten türkischen Streitkräfte wurde eine Form entworfen, bei der der Vorderschirm fehlte. Welchen Zweck dies hatte, bleibt wohl fraglich. Eine sehr abenteuerliche Theorie besagt, daß der fehlende Vorderschirm die moslemischen Türken beim Beten nicht behindern sollte. Etwa 5.400 Stück sind offenbar seit 1918 produziert worden, wurden aber wohl nicht mehr in die Türkei geliefert. Auf einigen Bildern sind diese Helme bei deutschen Freikorpsverbänden in der Nachkriegszeit zu sehen.

Leider liegen mir keine Bilder eines verlässlichen Originals vor.

SirQuake
10.05.2007, 19:06
Der Stahlhelm M18 der österreichisch-ungarischen Armee.

Merkmale:

Der ursprünglich erdbraun lackierte k.u.k.- Stahlhelm M18 Berndorfer Modell unterscheidet sich sehr auffällig von anderen WK1 Stahlhelmen durch fehlende Löcher für die beiden vorderen Innenfutter-Splinte.
Die Innenfutterbefestigung gestaltet sich bei diesem Helm mit zwei rückwärtig der Lüftungsbolzen fest montierten Nieten, an denen der Metall- Innenfutterring samt Kinnriemenhalterung eingehängt wurde.
Rückseitig wurde der Innenfutterring noch mit einem Helmsplint fixiert. Das Loch für den hinteren Innenfutter-Splint ist schlitzförmig.
Der Sturmriemen war aus mit Lederteilen verstärktem Stoff gefertigt.

Bilder:

1. Stahlhelm Vorderansicht
2. Stahlhelm Seitenansicht
3. Stahlhelm Rückansicht
4. Stahlhelm Innenansicht
5. Befestigung Innenfutter

SirQuake
28.07.2007, 00:36
Schutzhelm der Armee-Abteilung Gaede 1915

Merkmale:

Ein extrem seltener Helm. Insgesamt wurden nur etwa 1500 Stück auf Auftrag der Armeeabteilung Gaede in den Artilleriewerkstätten Mühlhausen gefertigt. Nach Einführung des offiziellen Stahlhelms wurden die meisten davon wieder eingeschmolzen.

Es handelt sich um einen improvisierten Kopfschutz, der der hohen Anzahl der Kopfverletzungen des Vogesenkampfes Rechnung tragen sollte.

Dieser Schutzhelm besitzt eine 6mm dicke Kalotte mit einem Naseneisen, welches auf einem Lederkorpus befestigt ist, der mittels Schnallriemen der Kopfgröße angepasst werden kann.

Mir persönlich sind zwei verschiedene Modelle der Stahlkalotte bekannt. Sie unterscheiden sich am auffälligsten in Form und Breite des Naseneisens.

Leider liegen mir keine Bilder eines verlässlichen Originals vor.

SirQuake
28.07.2007, 00:39
Der Berndorfer Helm

Merkmale:

Dieser Stahlhelm wurde von der Firma Berndorfer Metallwarenfabrik in Österreich gefertigt. Ein sehr seltener Helm mit außergewöhnlicher Form. Auf dem Helmglockendach befindet sich die sogenannte "Entlüftungskappe", welche die Funktion der bei diesem Helm fehlenden Lüftungsbolzen besitzt. Es gibt verschiedene Fertigungsvarianten dieses Helms. Bei einer Variante weist der Augenschirm einen regelrecht scharfkantigen Knick auf, bei einer anderen liegt der Augenschirm tiefer und der Übergang ist ähnlich wie beim M17 weicher.

Auch für diesen Helm gab es Stirnpanzer, allerdings in einer anderen Form und Aufhängung als bei den Modellen M16 - M18. Der Stirnpanzer war mit einer Spange gelenkig verbunden, deren Ende eine Öffnung besaß welche an der Lüftungskappe eingehängt wurde. Die unteren Seiten des Stirnpanzers waren mit Knöpfen versehen, welche als Halterung für eine Vorrichtung dienten an der Riemen zur rückwärtigen Befestigung angebracht waren.

1. Stahlhelm Vorderansicht
2. Stahlhelm Seitenansicht
3. Stahlhelm Rückansicht
4. Lüftungskappe
5. Stirnpanzer