Nothardt-Gewehr Mod.1801

  • Um das Thema der historischen Steinschlosswaffen hier mal wieder ein wenig zu beleben möchte ich meinen aktuellen Neuzugang - ein preuss. Nothardtgewehr - vorstellen. Die Waffe wird gemeinhin auch als das letzte altpreußische Steinschlossgewehr bezeichnet, bevor Napoleon bei Jena und Auerstedt 1806 den Stecker zog. Das Nothardt-Gewehr war für seine Zeit sehr modern konzipiert. Es hatte ein sehr "kleines" Kaliber von "nur" 15,5cm, eine echte Zielvorrichtung mit Kimme und Korn und einen abgesenkten Kolben, der ein Zielen überhaupt erst ermöglichte. Demgegenüber hinkte die gesamte Garnitur dem Zeitgeist hinterher.
    Das vorliegende Exemplar wurde im Jahr 1804 hergestellt. Es wurde nach der preuss. Niederlage von den Franzosen an das Herzogtum Baden abgegeben wo es bei der Badischen Leibgrenadiergarde als Waffe Nr.3 in Dienst gestellt wurde. Nach Ausmusterung verm. im Jahr 1813 gelangte es dann verm. nach Bayern in den Raum Wunsiedel, wo es dann ggf. noch einer Bürgerwehr diente. Zumindest deutet der linksseitige Schaftstempel "Schricker-Wunsiedel" darauf hin.
    Nothardt-Gewehre im leidlich unverbastelten Zustand insb. mit original Schaft sind sehr selten anzutreffen. Die Waffen verschwanden seinerzeit recht schnell aus dem aktiven Dienst, weil man mit dem zu kleinen Kaliber wenig anzufangen wusste.
    Übrigens fehlt bei meinem Gewehr die Kimme. Man kann aber noch erkennen, wo sie mal auf dem Schwalbenschwanz verstiftet war.

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    Einmal editiert, zuletzt von ral6014 ()

  • Sehr schöner Beitrag. Manches Waffenmodell wurde rechts überholt und blieb nicht lange im Einsatz.


    Gruss
    Fw190

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  • Das ist wirklich ein sehr schöner Bericht mit einer tollen Waffe dazu. Vielen Dank dafür und bitte gerne mehr davon.


    Mich würde interessieren, wie pflegst du diese Gerätschaft ?


    Gruß Dragoner08

  • Hallo,


    eine sehr interessante Waffe, vielen Dank fürs zeigen.


    Befindet sich die Waffe im damaligen Auslieferungszustand (ausgenommen der fehlenden Kimme) oder sind die Zierungen im Holz und auf der Platte nachträglich hinzu gekommen ?


    Viele Grüße

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  • Also ich gehe mal schon davon aus, dass es sich um den "Auslieferungszustand" handelt - von altersbedingten Instandsetzungs- bzw. Reparaturarbeiten am Schloss mal abgesehen.
    Ich hätte noch erwähnen sollen, dass ein wesentlicher, sofort erkennbarer Unterschied zu den preuss. Vorgängermodellen darin bestand, dass das sog. "Daumenblech" auf der Oberseite des Kolbenhalses nun wegfiel. Stattdessen wurden die Herrscherinitialen (FWR) auf die deutlich verbreiterte Schlossgegenplatte eingraviert.
    Die "Verzierungen" sind ebenfalls ab Werk drangekommen. Die waren beim Nothardt Gewehr sogar stark abgespeckt worden. Die preuss. Kuhfußbüchse hatte noch viel barockere Schaftverschneidungen.

  • ......
    Mich würde interessieren, wie pflegst du diese Gerätschaft ?


    Gruß Dragoner08


    Die Pflege beschränkt sich auf gelegentliches Abwischen mit einem leicht öligen Lappen. Ansonsten bleiben die meisten meiner Musketen wie sie sind - sofern kein offensichtlicher Rost oder Dreck vorhanden ist. Die Schloßmechanik samt Funkenschlag ist übrigens top:D.

  • Als Aktiver der "Schwarzen Zunft" bin ich von der Vorstellung dieses sehr raren Gewehres begeistert.
    Da ich bislang nur sehr stark mitgenommene und bis zur Unkenntlichkeit "aptierte" bzw. verbastelte Exemplare gesehen habe, kann ich zu diesem Stück nur gratulieren.
    Da ein Sammlerkollege zurzeit ganz dringend eine entsprechende Schlosshauptfeder benötigt, wäre ich über ein Foto der Schlossinnenseite sehr dankbar ( bitte auch im gespannten Zustand ).


    Mit Pulver und Blei


    armandvis

  • kann mich da nur anschließen, schönes Stück!


    so wie ich es sehr, sind auch noch Reste des schwarzen Firnis vorhanden?


    Grüße


    Peter


  • Stimmt, das Gewehr war mal bzw. ist immer noch schwarz gebeizt. Denke daher kann man davon ausgehen, dass es auch bereits bei der - preuss. - Truppe ausgegeben war. Die schwarze Firnis war m.W. ja nicht "ab Werk" drauf.

  • Feines Stück Waffengeschichte, noch in seiner ursprünglichen Form.
    Danke für die Ausführiche Darstellung.
    Viele der Steinschlossmusketen wurden dann auf Perkussion aptiert.
    Mag vielleicht der Umstand gewesen sein, dass dieses Gewehr bei der Bürgerwehr gelandet ist, was ihm den Umbau erspart hat.
    Schön ist, dass man bei den alten Waffen noch anhand der Stempelung den Weg nachverfolgen kann.
    Der schwarzen Zunft habe ich auch lange Jahre angehört.


    Gruß Andreas

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  • Als Aktiver der "Schwarzen Zunft" bin ich von der Vorstellung dieses sehr raren Gewehres begeistert.
    Da ich bislang nur sehr stark mitgenommene und bis zur Unkenntlichkeit "aptierte" bzw. verbastelte Exemplare gesehen habe, kann ich zu diesem Stück nur gratulieren.
    Da ein Sammlerkollege zurzeit ganz dringend eine entsprechende Schlosshauptfeder benötigt, wäre ich über ein Foto der Schlossinnenseite sehr dankbar ( bitte auch im gespannten Zustand ).


    Mit Pulver und Blei


    armandvis


    Habe Deine Anfrage ganz überlesen. Hier mal auf die Schnelle eine Innenansicht, leider nur im entspannten Zustand:

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  • Um das Thema der historischen Steinschlosswaffen hier mal wieder ein wenig zu beleben möchte ich meinen aktuellen Neuzugang - ein preuss. Nothardtgewehr - vorstellen. Die Waffe wird gemeinhin auch als das letzte altpreußische Steinschlossgewehr bezeichnet, bevor Napoleon bei Jena und Auerstedt 1806 den Stecker zog. Das Nothardt-Gewehr war für seine Zeit sehr modern konzipiert. Es hatte ein sehr "kleines" Kaliber von "nur" 15,5cm, eine echte Zielvorrichtung mit Kimme und Korn und einen abgesenkten Kolben, der ein Zielen überhaupt erst ermöglichte. Demgegenüber hinkte die gesamte Garnitur dem Zeitgeist hinterher.
    Das vorliegende Exemplar wurde im Jahr 1804 hergestellt. Es wurde nach der preuss. Niederlage von den Franzosen an das Herzogtum Baden abgegeben wo es bei der Badischen Leibgrenadiergarde als Waffe Nr.3 in Dienst gestellt wurde. Nach Ausmusterung verm. im Jahr 1813 gelangte es dann verm. nach Bayern in den Raum Wunsiedel, wo es dann ggf. noch einer Bürgerwehr diente. Zumindest deutet der linksseitige Schaftstempel "Schricker-Wunsiedel" darauf hin.
    Nothardt-Gewehre im leidlich unverbastelten Zustand insb. mit original Schaft sind sehr selten anzutreffen. Die Waffen verschwanden seinerzeit recht schnell aus dem aktiven Dienst, weil man mit dem zu kleinen Kaliber wenig anzufangen wusste.
    Übrigens fehlt bei meinem Gewehr die Kimme. Man kann aber noch erkennen, wo sie mal auf dem Schwalbenschwanz verstiftet war.

    Hallo,


    ich möchte dieses Thema wieder aufgreifen und mein gerade erworbenes Nothardt-Gewehr hier vorstellen.

    Es befindet sich ebenfalls im Original- und unverbastelten Zustand.

    Um den letzten im Zitat erwähnten Satz aufzugreifen, bei meinem Gewehr ist die Kimme noch vorhanden.

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  • Traumhafter Zustand. Konntest Du die Beschriftung am Schaft deuten?

    Ja - konnte ich mit Hilfe eines Experten:

    Die Buchstaben "IGS" zusätzlich mit einem Kleeblatt eingekreist deuten auf die Intialen von Johann Georg Spangenberg aus Suhl hin.

    Der stammt aus einer Büchsenmacher Dynastie, vermutlich wurde von ihm eine Reparatur durchgeführt!


    Das Gewehr ist noch mit allerhand Stempel auf den Metallteilen versehen:


    Großes "Z" für die Meister Abnahme.

    Adlerstempel auf der Unterseite der Schwanzschraube.


    Außerdem sind Strichmarken auf den Einzelteilen, um die Zuhöhrigkeit zu dieser Waffe zu markieren - so eine Art Seriennummer!


    mfG

    Joe

  • Interessant. Das Z auf meinem Gewehr hat eine etwas andere Form, dürfte dann aber wohl die gleiche Bedeutung haben.

  • Interessant. Das Z auf meinem Gewehr hat eine etwas andere Form, dürfte dann aber wohl die gleiche Bedeutung haben.

    Also das Z auf dem Foto ist nicht das, welches ich meine!

    Auf dem Foto, das Quer fotografiert wurde, steht ein "N" für Nothardt.

  • Hier ein Foto von der Innenseite des Schlosses. Im vorderen Bereich erkenn man das Z.

    Auch auf Foto 13 u. 8 erkennbar!

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