Der K98k in norwegischen Diensten

  • Da ich mal wieder einen Norweger gezeigt habe, hier eine kurze Abhandlung über den Karabiner 98k in norwegischen Diensten. Eventuell möchte jemand etwas dazu beitragen und Bilder seiner Waffe(n) zeigen.


    Am 9. April 1940 begann die die Besetzung Norwegens durch die deutsche Wehrmacht mit dem "Unternehmen Weserübung" und endete am 8. Mai 1945, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation.


    Die deutschen Soldaten wurden entwaffnet und die Waffen, wie zum Beispiel die Karabiner 98k, wurden in Depots eingelagert. Da die Norweger Waffen für ihre Streikräfte benötigten, wurde entschieden, den Karabiner 98k als Standardbewaffnung einzuführen und in folgenden Truppengattungen verwendet:


    Hæren (Heer) Stempelung: HÆR


    Kistartilleriet (Küstenartillerie) Stempelung: K.ART


    Flyvåpenet (Luftwaffe) Stempelung: FLY


    Kongelige Norske Marine (Marine) Stempelung: KNM



    Die Norweger haben aber nicht nur den Karabiner 98k verwendet, sondern zum Beispiel auch Waffen wie das G.29/40, VZ.24 und den Gebirgsjägerkarabiner G.33/40, wobei der G.33/40 nur bei der norwegischen Polizei Verwendung fand. Die Waffen bekamen folgende Bezeichnung:


    - Karabin M/98k .....................(K98k in originaler Ausführung)
    - Karabin M/98k F1 .................(K98k modifiziert F1)
    - Karabin M/98k F1 Z.F. 41 ......(K98k mit Zf.41 modifiziert F1)
    - Karabin G33/40 ....................(G.33/40 in originaler Ausführung)



    Karabin M/98k
    Bei der Königlich Norwegischen Marine wurde ausschließlich der Karabin M/98k verwendet, bei diesen Waffen wurde das originale Kaliber 7,92x57 beibehalten und keine weiteren technischen Änderungen vorgenommen. Bei etwas mehr als der Hälfte der K.N.M. gemarkten Karabinern wurde der Hülsenkopf oberhalb der deutschen Seriennummer plangeschliffen, um dort die neue norwegische Seriennummer einzuschlagen.
    Auch bei der Küstenartillerie wurden einige Karabin M/98k verwendet, aber nur in sehr geringer Stückzahl, die Mehrzahl waren Karabin M/98k F1.


    Karabin M98k F1
    Das norwegische Heer und die Luftwaffe wurden mit dem Karabin M98k F1 ausgerüstet, sie verwendeten ausschließlich diese Ausführung. Die norwegische Küstenartillerie hatte zwar einige Karabin M/98k im Bestand, aber zu über 95% verwendeten sie den Karabin M98k F1.
    Das "F1" in der Bezeichnung bedeutet "Forandring 1", was man mit "Modifikation 1" übersetzen kann.


    Die Norweger hatten entschieden, das die Mehrzahl der Waffen auf das Kaliber .30-06 Springfield (7.62x63mm) umgerüstet werden sollte und dieser Auftrag wurde an die Kongsberg Våpenfabrikk vergeben, wo die Abänderungen wahrscheinlich zwischen 1954 und 1958 bei über 130.000 Waffen durchgeführt worden sind.


    Die Kongsberg Våpenfabrikk ersetzte die originalen Läufe mit kaltgehämmerten Läufen im Kaliber .30-06 Springfield aus eigener Produktion, diese bekamen den Stempel "KAL 7.62" auf der linken Seite vom Lauf.
    Da die .30-06 Springfield länger ist als die deutsche 7,92x57, musste der Magazinkasten verlängert werden und damit der Kasten wieder in den Schaft passt, wurde auch der Schaft nachgearbeitet. Außerdem wurde an der Oberseite des Hülsenkopfes ein ovaler Ausschnitt gefräst, um weiterhin die Waffe mit Ladestreifen laden zu können.


    Bei allen Karabin M98k F1 wurde der Hülsenkopf oberhalb der deutschen Seriennummer plangeschliffen, um dort die neue norwegische Seriennummer einzuschlagen und die deutschen Seriennummern wurden mit einem Stempel gestrichen. Zusätzlich wurde die neue norwegische Seriennummer auf die Kolbenkappe gestempelt, die deutsche Nummer gestrichen. Beim Kammerstengel wurde die deutsche Seriennummer durch schleifen entfernt und die letzten drei Nummern der norwegischen Seriennummer eingeschlagen.
    Die abgeänderten Karabin M/98k F1 haben auf der rechten Seite vom Hülsenkopf einen Stempel, ein "A" in einem Kreis, das ist die Abnahme von Hardy Algren, eines Inspektionsoffiziers der Kongsberg Våpenfabrikk. Dieses "A" hat nichts mit Ausschussteilen oder "Circle A" Waffen der Berlin-Lübecker Maschinenfabrik zu tun, die in dem Fachbuch "Karabiner 98k Volume II" von Bruce Karem und Mike Steves behandelt werden.


    Am seltensten ist der Karabin M/98k F1 Z.F. 41 zu finden, es sollen über 400 dieser Waffen bei den norwegischen Streikräften verwendet worden sein, mir persönlich sind aber nur 233 Waffen bekannt und alle haben die Markierung "HÆR" auf dem Hülsenkopf.
    Die norwegischen Marine hatte weit über 13.000 Karabin M/98k im Bestand.
    Beim Heer gab es knapp 98.000 Karabin M/98k F1, die Küstenartillerie hatte über 22.000 Waffen und die Luftwaffe über 15.000 Waffen in ihren Beständen.



    Ich habe drei Diagramme erstellt, diese befinden sich im Anhang.
    Das erste Diagramm zeigt die Stückzahl der M/98k und M/98k F1 in den jeweiligen norwegischen Truppengattungen.


    Das zweite Diagramm zeigt die Häufigkeit der diversen Fertigungsjahre, die bei den Norwegern zu finden find.


    Beim dritten Diagramm ist mit dem blauen Balken der prozentuale Anteil der Gesamtproduktion des K98k aller Hersteller ersichtlich und zum Beispiel BSW ist mit den kleinsten Stückzahlen ganz unten zu finden.
    Der rote Balken zeigt den prozentualen Anteil der diversen deutschen Hersteller des K98k, die bei den Norwegern verwendet worden sind.
    Es fällt auf, das vermehrt K98k der Hersteller "Mauser Berlin-Borsigwalde", "Berlin-Lübecker Maschinenfabrik" und "Steyr-Daimler-Puch" auf dem norwegischen Kriegsschauplatz anzutreffen waren. Die K98k der Hersteller "Waffenwerke Brünn Werk I (Brünn)" und "Waffenwerke Brünn Werk II (Waag Bystritz)" waren nur in äußerst geringer Stückzahl vertreten.

    Dateien

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  • Top,intressanter Bericht und gut beschrieben .Wieder was dazu gelernt.
    gruss Michel

    Suche immer ZF Dialytan,egal ob Stahl oder Dural-Dialytan.

  • Toller Bericht, sehr interessant! :)

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  • Am seltensten ist der Karabin M/98k F1 Z.F. 41 zu finden, es sollen über 400 dieser Waffen bei den norwegischen Streikräften verwendet worden sein, mir persönlich sind aber nur 233 Waffen bekannt und alle haben die Markierung "HÆR" auf dem Hülsenkopf.


    Sowas hab ich auch, vollständig nummerngleich (original deutsch sogar, ausgenommen Verschluss der passend zur norwegischen Nummer am System abgeschliffen und neu nummeriert wurde), inklusive ZF41. Kurios, dass das DUV41 System sogar noch die originale ZF41 Hülse mit Flat Roller drauf hat.

  • Freut mich, das euch mein kleiner Bericht gefallen hat.


    Promo
    Vielen Dank für Deinen Beitrag und die erstklassigen Bilder von dem schönen Stück!


    Sehe ich richtig, l-Block mit der Seriennummer 2696l ? Die meisten Karabin M/98k F1 Z.F. 41 die mir bekannt sind, sind duv 41 zwischen dem i- und m-Block.


    Hat Deine Waffe auch die Abnahme von Hardy Algren auf der rechten Seite vom Hülsenkopf? Falls Du die Kolbenkappe schonmal abgenommen hast, hast Du zufällig ein Foto von dem Code auf dem Schaft? Das Schaftdatum müsste im Bereich September/Oktober 1941 liegen.


    Gruß Stephan

  • Hi Stephan,


    sollte ein l-Block sein, wie du richtig identifiziert hast. Vielleicht hast du auch gemerkt, dass die Ausnehmung am Schaft nicht richtig ist. Könnte daher sein, dass dieser bei den Norwegern im Zuge des Umbaus vertauscht wurde, bin mir nicht mehr sicher weil ich nicht mehr jedes Schaftinnenleben bildlich im Kopf habe. Jedenfalls ist die Kolbenkappe auch norwegisch nummeriert zu dem System und dem Verschluss nummerngleich. Visierleiter ist nicht nummerngleich, die haben die Norweger wohl im Zuge der Kimmenabänderung auch vertauscht. Fand es hauptsächlich kurios, dass die die originale Flat Roller ZF41 Base der Originalwaffe für den .30-06 Lauf übernommen hatten.


    Jedenfalls, mein Gewehr ist auch das Exemplar was im Buch von Hanevik abgebildet ist. Nehme an, daher hast du auch die Produktionsmenge von den 400 Stück davon, weil ja Hanevik von dieser Zahl ausgeht.

  • Hallo Promo,


    Du könntest recht haben und der Schaft wurde während des Umbaus vertauscht, was aber eher ungewöhnlich ist. Die Visierklappe ist in der Regel bei allen M/98k F1 vertauscht, und diese Frage wollte ich Dir auch stellen, jetzt hast Du sie bereits beantwortet. Das die originale Flat Roller Base erhalten ist macht es in der Tat umso kurioser.


    Das Buch von Hanevik habe ich leider nicht, die Anzahl hatte ich mehrmals von Sammlern aus Norwegen genannt bekommen und dann stammt die Angabe wahrscheinlich von diesem Autor. Du hast eine schöne und sehr seltene Waffe in der Sammlung und das sie in dem Fachbuch abgebildet ist, ist natürlich auch klasse.
    Überhaupt hast Du eine beeindruckende Sammlung, Du hast sie mir einmal gezeigt, als wir vor längerer Zeit über einen Deiner Schäfte, von Sauer & Sohn, gesprochen hatten.


    Gruß Stephan

  • Hi Stephan, kurios ist bei dem Ding auch dass der original nummerierte Magazinkasten und die original nummerngleichen Magazinkastenschrauben noch erhalten sind. Passt irgendwie nicht so ganz zu einem Schaft der eventuell nicht nummerngleich wäre, oder? Andererseits, wieso hätten die dann eine Flat Roller Base die zum Gewehr nummeriert ist, verbaut - und das obwohl der Schaft nicht für das ZF41 "deutsch" ausgenommen ist? Ich werde nochmal den Schraubenzieher hervor holen und nachsehen müssen ;). Vielleicht wurde der auch einfach später mal getauscht, hatte ein paar Kratzer oder wurde irgendwie beschädigt, wer weiß.. und wir zerbrechen uns hier die Köpfe.

  • Zitat

    Hallo zusammen ich habe ein K98 S243/1938 mit der Bezeichnung HAER was das bedeutet habe ich schon mal rausbekommen, doch jetzt lese ich grad das es nur 233 zur Umrüstung gab. Kann mir da vieleicht jemand weiterhelfen

  • Zitat

    Hallo zusammen ich habe ein K98 S243/1938 mit der Bezeichnung HAER was das bedeutet habe ich schon mal rausbekommen, doch jetzt lese ich grad das es nur 233 zur Umrüstung gab. Kann mir da vieleicht jemand weiterhelfen


    Hallo,


    das "S/243 1938" ist keine Seriennummer, sondern der Herstellercode des K98k.


    Ganz oben in meinem ersten Beitrag steht folgendendes geschrieben:

    "Am seltensten ist der Karabin M/98k F1 Z.F. 41 zu finden, es sollen über 400 dieser Waffen bei den norwegischen Streikräften verwendet worden sein, mir persönlich sind aber nur 233 Waffen bekannt und alle haben die Markierung "HÆR" auf dem Hülsenkopf.

    Die norwegischen Marine hatte weit über 13.000 Karabin M/98k im Bestand.

    Beim Heer gab es knapp 98.000 Karabin M/98k F1, die Küstenartillerie hatte über 22.000 Waffen und die Luftwaffe über 15.000 Waffen in ihren Beständen."


    Es gab nicht nur 233 Waffen zur Umrüstung, mir persönlich sind nur 233 Waffen bekannt und außerdem bezieht sich meine Aussage auf den Karabin M/98k F1 Z.F. 41 und nicht auf alle Waffen die beim HÆR (Heer) gedient haben. Wie im ersten Beitrag geschrieben, es wurden über 130.000 Karabiner umgebaut, davon entfallen etwa 98.000 auf das Heer.