Schweizer Revolver Modell 1878

  • Bei er vorliegenden Waffe handelt es sich um einen Schweizer Revolver Modell 1878, Kaliber 10,4mm ZF, SN 3875. Die Waffe wurde im Jahr 1879 von der Eidgenössischen Waffenfabrik in Bern (W+F) hergestellt.


    Der 1878er Revolver war das Nachfolgemodell des Revolvers 1872. Beim Revolver Modell 1872 handelt es sich ebenfalls um einen recht schweren Revolver (1000g) mit Spannabzug im Kaliber 10,4mm Randfeuer. Die ersten 800 Waffen wurden von Herstellerfirma Pirlot Frères in Liège fertig montiert geliefert. Eine weitere Serie von 100 Stück stellte wohl die Waffenfabrik Bern im Jahre 1877 her (oder montierte sie zumindest).


    Der Revolver Modell 1872 gab immer wieder zu Beanstandungen Anlass. Probleme verursachte unter anderem die verwendete Randfeuerpatrone. Die zuständigen Stellen führten deshalb schon kurz nach der Einführung Versuche mit neuen Revolvermodellen durch. Rudolf Schmidt, der Direktor der W+F, der nach wie vor von der Qualität des Revolvers 1872 überzeugt war, wurde für die Versuche nicht beigezogen. In den folgenden Jahren entwickelte sich eine heftige Kontroverse zwischen Schmidt und führenden Vertretern von Militärverwaltung und Armee um einen möglichen Ersatz des Revolvers Modell 1872. Dieser als „Revolverkrieg“ bezeichnete Streit wurde zum Teil auch in der Öffentlichkeit und in der Fachpresse ausgetragen. Neben sachlichen Argumenten ging es zunehmend um persönliche Befindlichkeiten. Bei den entscheidenden Versuchen im Jahr 1877 konnte sich schliesslich ein Revolver des belgischen Konstrukteurs Warnant durchsetzen. Dieser war dem Revolver Modell 1872 in vielen Punkten ähnlich, brachte aber auch erhebliche Neuerungen und Vorteile. Im Herbst 1878 beschloss der Bundesrat die Konstruktion von Warnant im Kaliber 10,4mm ZF als Revolver Modell 1878 einzuführen. Gleichzeitig erging die Weisung, den Revolver Modell 1872 an die neue Zentralfeuerpatrone anzupassen; die entsprechend adaptierten Waffen erhielten die Bezeichnung Revolver Modell 1872/78.


    Im Gegensatz zu seinem Vorgänger wurde der Revolver Modell 1878 ausschliesslich durch die Waffenfabrik Bern hergestellt. Rudolf Schmidt als deren Direktor machte vor Produktionsbeginn noch verschiedene Änderungsvorschläge, von denen einige berücksichtigt wurden und eine entsprechende Anpassung der Ordonnanz durch den Bundesrat zur Folge hatte. Insgesamt stellte die W+F 4601 Revolver Modell 1878 für die Schweizer Armee her. Die Nummerierung beginnt vermutlich im Anschluss an jene des Revolvers 1872 bei etwas über 900 (die genaue Nummer des ersten Revolvers 1878 ist nicht bekannt). Zudem produzierte die W+F noch eine Anzahl von vermutlich etwas über 100 Revolvern für den kommerziellen Markt. Diese sogenannten Privatwaffen sind an daran erkennbar, dass die SN mit einem P beginnt (P1 bis mindestens P105).


    Stucki

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  • Ein fantastischer Bericht mit bombastischen Bildern ! Absolut klasse, vielen Dank dafür.


    Gruß Dragoner08


    Dem möchte ich mich anschließen.
    Danke für den tollen Beitrag.
    Gruß Andreas

    Suche bayerische Auszeichnungen bis 1918
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    und zur Sturmgeschützabteilung 226

  • Hallo Stucki,



    auch von mir Dank und Anerkennung für die schöne und kenntnisreiche Präsentation. Sag mal: dieser Rudolf Schmidt - hat der nur den Revolver konstruiert, oder auch Zubehör dazu? ;)



    Gruß



    sauerfan

  • Schmidt modifizierte den Revolver 1878, der im Wesentlichen eine Konstruktion von Warnant war. Schmids erfolgreichere Revolverkonstruktion war jedoch das Modell 1882, bei dem er Konstruktionselemnte von Warnant und Abadie kombinierte. Sein grösster Wurf war aber wohl das Gewehr 1889, der Urvater der Schweizer Gradzugrepetierer.


    Stucki

  • Danke für die Lorbeeren!


    @ Mauser: sehr interessante Packung. Hast Du ev. noch andere Patronen und Packungen der Munitionsfabrik Jakob Stahel, die Du uns zeigen könntest?


    Normal mache ich so was nicht.
    Es verwässert deinen hervorragenden Beitrag


    So, nur auf deinen Wunsch. :)

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  • 6. Februar 2019

    Kleiner Glücksfall: ich konnte letzthin eine originale Ordonnanz zum Revolver Modell 1878

    erwerben - es gibt dazu auch einen qualitativ guten Reprint, der aber vom Format her etwas verkleinert wurde (Fälschungsprävention?)


    Die Ordonnaz ist zweisprachig und enthält farbige Konstruktionszeichnungen in Originalgrösse sowie eine Anleitung zum Gebrauch der Waffe.

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    Einmal editiert, zuletzt von Stucki ()

  • Gratuliere! Derlei Funde sind das Salz in der Suppe! Derlei "Papierkram" schätze ich über alles und machen eine Sammlung rest richtig rund.


    Unwissende Frage: Gibt es zu diesem Revolver auch eine passende Schachtel?


    Gruß


    sauerfan

  • Habe heute noch ein paar Bilder gemacht: Holster, Ordonnanz 1874 (ungestempelt) und Putzstock. Bei letzterem findet sich die Abnahme auf jedem einzelnen Bestandteil

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  • ...und hier noch die passende Munition. Neben der Packung der Munitionsfabrik Thun konnte ich letzthin auch die wesentlich seltenere von Stahel erwerben - bis auf das Datum dieselbe, die bereits Mauser hier beigesteuert hat.


    Zu den Patronen, v.l.n.r.: Revolverpatrone 1878 (M+F Thun), Revolverpatrone 1878/19 (M+F Thun), Revolverpatrone 1878 (Stahel Zürich)

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  • Nicht nur beim Hülsenausstossen, sondern generell beim Laden und Entladen - die Trommel musst dabei immer manuell gedreht werden. Eine Ladeklappe System Abadie, die bei geöffneter Stellung den Transport der Trommel über den Abzug ohne Betätigung des Hahns ermöglicht hätte, wurde damals als zu kompliziert erachtet und verworfen. Dieses System wurde erst beim Nachfolgemodell 1882 realisiert.