Vom Sandbar Fight zum Kaufhausartikel – Das berühmte Bowie Knife

  • James „Jim“ Bowie (* 10. April 1796 in Kentucky; † 6. März 1836 in Fort Alamo, San Antonio, Republik Texas) war ein US-amerikanischer Pionier und Soldat im 19. Jahrhundert. Bekannt wurde er durch seine Teilnahme am Texanischen Unabhängigkeitskrieg, in dessen Verlauf er während der Belagerung der Alamo-Mission in der Schlacht von Alamo fiel.


    Im September 1827 erlangte Bowie Aufmerksamkeit, als er mit seinem Messer in einen Kampf auf einer Sandbank nahe Natchez, Mississippi verwickelt wurde, der als „Sandbar fight“ bekannt wurde. Dabei verloren mehrere Personen ihr Leben, und auch Bowie wurde dabei verletzt. Die Auseinandersetzung hatte ihren Ursprung in einem unentschiedenen Duell zwischen Samuel Levi Wells III und Dr. Thomas Maddox, deren Schüsse nicht getroffen hatten. Ein Zuschauer des Duells schoss daraufhin und traf einen anderen Zuschauer. Im Anschluss schoss Bowie auf den Schützen, verfehlte ihn aber. Der ebenfalls anwesende Norris Wright schoss zur Begleichung alter Rechnungen auf Bowie und traf ihn diesmal im Bauchbereich. Trotz seiner Verletzung griff Bowie Wright mit seinem Messer an, das der Legende zufolge sein Bruder für ihn gefertigt hatte. Mehrere andere Anwesende kamen Wright mit ihren Messern zu Hilfe, und es kam zu einem Messerkampf, der in die Geschichte eingehen sollte. Bowie verletzte und tötete hierbei einige seiner Gegner.

    Dieser Kampf verfestigte im Süden Bowies Ruf als hervorragender Messerkämpfer, und bald wollten viele Männer beim Schmied ein Messer im Stil des Bowie-Messers angefertigt haben.


    In den darauf folgenden Jahrzehnten wurden die ersten Messer mit der klassischen Klingenform von lokalen Schmieden gefertigt. Mit einsetzender Industrialisierung gab es Messer mit dieser Klingenform auch gewissermaßen im Versandhandel.


    Geführt wurde es in der Tat bei der Eroberung des amerikanischen Westens, insofern ist seine Bekanntheit verdient. Bereits in den 1830er Jahren erkannten Hersteller aus England die starke Nachfrage nach diesen Messern und begannen sie in Sheffield zu produzieren. Gleiches gilt auch für deutsche Firmen, selbst Weyersberg stellte für den amerikanischen Markt Messer mit dieser typischen Klingenform her, die ja vielleicht von deutschen Auswanderern nachgefragt wurden. Da ab 1890 (Mc Kinley Tariff Act) viele im Ausland gefertigten Produkte eine entsprechende Kennzeichnung vorgeschrieben bekamen kann man davon ausgehen, dass Messer aus dem Ausland die nicht entsprechend gekennzeichnet sind, früher produziert wurden oder eben aus den USA stammen.


    Interessanterweise ist die Klinge für ein Kampfmesser nicht unbedingt geeignet, da sie aufgrund ihrer Form eher als jagdliches Aufbruchswerkzeug oder als Schneidmesser geeignet ist. Vielleicht ist aber auch gerade diese vielfältige Nutzbarkeit die Ursache ihres weltweiten Erfolges.


    Aufgrund der Populärliteratur sowie diverser Hollywood Movies sind die Messer in der öffentlichen Wahrnehmung immer übergroß, entsprechend aberwitzig werden sie heute noch in Anlehnung an die Form des Originales hergestellt. Hier ist insbesondere der 1986 entstandene Streifen „Crocodile Dundee“ zu nennen. In diesem Film läuft der Hauptakteur in der Innenstadt mit seinem Riesenmesser herum und wehrt (politisch völlig inkorrekt ;) einen Angreifer ab, der ihn, auch 1986 schon nahezu selten, mit seinem Messerchen überfällt.

    In Wahrheit waren Bowie Knifes in erster Linie in recht handlicher Größe zu finden, eigentlich logisch bei einem täglichen zu tragenden Werkzeug.


    Das Messer kam nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wieder in Mode, insbesondere bei den Einheiten der Marineinfanterie, die im Pazifikraum kämpften. Sie folgten damit der milit. Nutzung dieser Messerform wie z.B. beim 1894 Ames Riflemen Knife, 1880 Army hunting knife, dem 1887 Hospital Corps knife oder dem 1900 Krag Bowie.

    Kurz nach dem 2.Weltkrieg kam das Office of the Chief of Ordnance in einer Studie zu dem Ergebnis, das Messer im Truppengebrauch nicht nur technisch sinnvoll waren, sondern auch moralgebend. Es wurde die Nützlichkeit im Nahkampf aufgrund diverser Kriegsberichte nachgewiesen, auch daher sind Messer bis zum heutigen Tage im Truppengebrauch der Vereinigten Staaten und vieler anderer Armeen.



    Bei dem hier vorgestellten Stück handelt es sich um ein Original aus amerikanischer Produktion. Die Firma B.G.I. Bridgeport Gun Implement Company stellte ab den 1880er Jahren eine breite Palette von Artikeln her. Vom Golfschläger, Nachladetools, Schusswaffen bis hin zum Bowie Knife konnte man – per Postversand – nahezu alles bestellen, was Bedarf und Geldbeutel hergaben. Es gab Kataloge, die landesweit auch im Westen in entsprechenden Geschäften eingesehen werden konnten, der Versand erfolgte mit Bahn und Kutsche. Insofern ist die „Erfindung“ Jeff Bezos vielleicht wohl doch nicht ganz neu.


    Die Klinge besteht aus gehärtetem und geschmiedeten Werkzeugstahl, es ist keine ausgestanzte Klinge wie man sie heute oft findet.


    Der vernietete Griff aus Guttapercha, ein gummiartiger, kautschukähnlicher Stoff aus dem eingetrockneten, koagulierten Milchsaft von verschiedenen Sapotengewächsen. Der Name selbst stammt aus dem malaiischen, get(t)ah = Gummi (Harz), Saft und pertja, percha = Name des Abstammungsbaums oder auch als Name für die Insel Sumatra; also Gummi des Perchabaums oder Sumatra-Gummi. Wegen seiner guten Isoliereigenschaften wurde das Material ab Mitte des 19. Jahrhunderts zur Umhüllung von elektrischen Kabeln verwendet. Materialversuche im Jahre 1846 und die Erfindung der Extrusionspresse durch Werner Siemens führten 1847 zur Gründung der Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske. Durch solche Kabel wurde insbesondere die interkontinentale Telegrafie durch Verlegung der Seekabel ermöglicht.


    Originale Bowie Knifes kann man hin und wieder in Onlineauktionshäusern finden, teilweise auch zu günstigen Preisen. Es lohnt sich hier genau hinzusehen, oft wissen die Anbieter gar nicht, was sie da wirklich haben. Man sollte jedoch sein Interesse eher nicht auf die vielen billigen Nachbauten richten, die, in psychologisch fragwürdiger Größe, aus minderwertigem Stahl verkauft werden. Viele davon erfüllen noch nicht einmal die Anforderungen an ein Gebrauchswerkzeug.



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  • Hy Fliegender,


    danke - anschaulich und interessant geschrieben !


    Wieder was gelernt :)


    Vg Lurchi

    Hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, flink wie ein Windhund - Doarscht wie a Kamel !!!:D

    Suche Sachen aus dem Bruderkrieg von 1866 ! PN gewünscht .

  • Perfekt! Danke für die ausführliche Beschreibung. Ich finde es immer wieder gut, wenn wir über den Tellerrand blicken und nicht immer nur uns auf´s deutsche beschränken!

    Rasch mit dem Pferde, hart mit dem Schwerte,
    im Sattel feste, beim Becher der Beste,
    den Frauen hold, treu wie Gold,
    Mut in Gefahr, das ist ein Husar


    SUUM CUIQUE das Motto der Leib Garde Husaren (jedem das Seine)
    Experte für Uniformierung vor 1914 speziell die Deutsche Kavallerie
    Für Fragen über mein Spezialgebiet stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung!

  • Danke für die ausführliche Vorstellung! Wollte in jüngeren Jahren, als großer Karl May Fan, auch immer eines haben^^ Finde das Griffmaterial sehr interessant, war der Gebrauch damals üblich oder findet man eher Stücke mit Holz- oder Horngriffen?


    Gruß Jakob

    Suche laufend österreichische Säbel mit Doppeladler-, Georgs-, oder Barbarakorb, Säbel mit Ausmusterungs-, Geschenk-, oder Damastklingen, schöne Mannschaftssäbel, Säbel der Landwehr-Gebirgstruppe, höhere Orden und Ehrenzeichen, Kopfbedeckungen und Uniformen der k.u.k. Monarchie

  • Danke für die ausführliche Vorstellung! Wollte in jüngeren Jahren, als großer Karl May Fan, auch immer eines haben^^ Finde das Griffmaterial sehr interessant, war der Gebrauch damals üblich oder findet man eher Stücke mit Holz- oder Horngriffen?


    Gruß Jakob

    ...eine gute Frage über die ich mich freue.


    Nahezu jedes Material wurde verwendet. Holz, Horn und sogar Elfenbein. Letzteres ist sehr gesucht, aber vorsichtig sein, der Verkauf historischen Elfenbeines von oder nach außerhalb der EU führt zu Beschlagnahme und Strafverfahren, wenn keine Cites Genehmigung vorliegt. Diese wird seit neuestem in den USA nicht mehr erstellt. Guttapercha kann man gelegentlich finden. Die Robustheit des Materiales, insbesondere Unempfindlichkeit gegen Feuchtigkeit, macht es ideal für ein Gebrauchswerkzeug.


    Interessanterweise sah ich einmal ein Bowie Knife mit Erinoid (Gallalith) Griff, also aus Milchstein. Aufgrund meiner damaligen Unkenntnis habe ich es nicht erworben. :(

    An Heeresdolchen sieht man es gelegentlich.


    Manchmal wurden sogar Griffschalen aus Holz mit Lederbezug hergestellt, ich selbst habe aber noch keines gesehen, was ja nichts heißt.


    Vielen Dank übrigens für die freundlichen Kommentare, das freut dann doch.

    Gruß

    Flyingdutchman

  • Danke für die ausführliche Antwort, finde ich persönlich ein spannendes Thema. Ich habe es mir immer mit Holz- oder Hirschhorngriff vorgestellt, dabei bedenkt man gar nicht welche Vielfalt es da gab. Eine erfrischende Abwechslung, meistens werden ja nur bekannte Stücke vorgestellt, das ist mal was ganz neues^^ Man lernt ja nie aus.


    Ich nehme mal an die ganz frühen Messer (ab 1830) sind sehr selten zu finden? Was muss man den heute für ein gut erhaltenes Stück um 1870-1880 zahlen?


    Gruß Jakob

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  • Jakob,


    Old Surehand:


    …. Noch sehe ich ihn vor mir stehen, lang und überschmal, die Füße im unbeschreiblichen Shuffles und die Beine in uralten Leggins steckend.


    ... im Gürtel das lange Bowiemesser, an den Ohrläppchen schwere Silberringe und in der großen, braunen knochigen Hand die stets glimmende, unvermeidliche Zigarette. Anders hatt ihn wohl selten ein Mensch gesehen….”


    Auch bei Karl May bereits ein laaanges Bowie. Zur Erklärung, nicht Entschuldigung, dessen bedarf es nicht: Der Mann war Literat und nur kurz, nach dem Verfassen seiner Bücher in den USA.


    Zu den Preisen. Ein Bowie Knife wie von mir gezeigt wird man für wenige Hundert Dollar, also nicht umsonst, klar, ersteigern können.


    Die frühen Stücke muss man erstmal erkennen. Bowie Knife wird im Angebot schon geschrieben stehen, auch in Eb@y, die Klingenform ist ja zu eindeutig. Ich würde eine handgeschmiedete Klinge erwarten, alles nicht zu professionell und mit ordentlich Patina. Rostträgen Stahl erwarte ich nicht. Eine Scheide ist entweder nicht dabei, oder nachträglich hinzugekommen.


    Mit anderen Worten: Außer in Museen habe ich bisher nur eines gesehen, in der Sammlung eines Autorenkollegen. Und ich sehe viel. Daher:

    Preis? Keine Ahnung. Wenn man eines erkennt und dann auch wirklich haben will, dann spielt Geld nicht so die Rolex, wobei das kein Hinweis auf den möglichen Preis ist. Man muss aber wissen, dass amerik. Sammler für Ihre Geschichte, mag sie auch recht kurz sein, bereit sind zu zahlen, wirklich zu zahlen.


    Sorry, dass ich hier nicht wirklich etwas sagen kann. Ich würde daher zu einem späteren neigen. Sie stellen wirkliche Geschichte dar, man kann sie historisch zuordnen und vor allem finden.


    Gruß

    Hermann



  • Servus Hermann,


    wieder ein großes Danke für die ausführliche Antwort! Natürlich ist mir auch bekannt, dass das von Karl May geschriebene nicht unbedingt der Wahrheit entspricht und sicher nur zu einem eher geringen Teil auf Fachwissen, und zu einem größeren auf Kreativität beruht. Aber man hat eben seine bildliche Vorstellung von den Stücken, wenn man dann wie ich alle Bücher, Geschichten etc. mehrfach in verscheidenen Ausgaben gelesen hat, bleiben diese Bilder natürlich im Kopf, besonders wenn es im eher jugendlichen Alter geschieht. Das alles natürlich vor meiner Sammeltätigkeit, dementsprechend war das der erste Eindruck von solchen Gegenständen.

    Danke auch für deine preisliche Einschätzung, eventuell werde ich mir dann doch einmal ein zweifelsfreies Stück zulegen, einfach aus Nostalgie und um der lieb gewonnen Erinnerungen willen, die ich mit den Geschichten verknüpfe:)


    Gruß Jakob

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  • moin!danke für den tollen bericht;)

    hatte mal das glück,in einem ungarischen verkaufsportal ein altes bowie zu ergattern.

    hersteller : W.thornhill & co london.das messer stammt aus der victorianischen zeit...bei gelegenheit folgen bilder.

    schönes WE,lir2