Gewehr 98 blanke, nicht brünierte Systemhülse

  • Guten Tag liebe Forumsgemeinde,


    meine Frage bezieht sich auf die nicht brünierten Teile deutscher Waffen ( Gewehr 98 Systemhülse, aber auch z.B. Seitengewehre) aus Kaiser's Zeiten.

    Welchen Sinn hatte das nicht brünieren? Vielleicht sehe ich auch nur denn Wald vor lauter Bäumen nicht?

    Diese Frage stelle ich mir schon länger, habe jedoch bis jetzt keine Antwort darauf gefunden. Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen.

    Danke.


    Grüße,


    Hans

  • Hallo,

    Evtl. „Tradition“?

    Wenn man mal bei der preußischen Bewaffnung zurück geht, war das Zündnadelgewehr M/41 noch komplett „blank“ (Vorderlader waren es auch). Mit der Einführung des Zündnadelgewehres M/62 wurde dann der Lauf brüniert, der Verschluss und die Systemhülse aber blank belassen und poliert. Seit dem sind die preußischen (deutschen) Militärgewehre so, dass der Verschluss und das System blank sind und der Lauf, bzw. Laufmantel (Gewehr 88) brüniert sind.

    Dies wurde (zumindest in der Gewehrfabrik Amberg) erst 1917/18? aufgegeben, als fort die Systemhülsen nicht mehr poliert sondern nur noch „gestrahlt“ wurden.

    Grüße

  • Hallo,


    danke für deine Antwort. Interessant das es gar keine sichere Antwort gibt scheinbar.

    Obwohl es ja auffallend ist und nachteile hat. Soll so eventuell auch sofort sichtbar werden ob sich der Soldat gut um seine Waffe kümmert wenn es außen kleine Flugroststellen gibt?

    Für mich eine interessante Frage. In den 20er Jahren wurde diese Praxis ja aufgegeben und die Systemhülsen und Seitengewehre brüniert.

    Vielleicht kommen ja noch andere Beiträge.


    Grüße,


    Hans

  • Nun ja, es gibt auch noch eine andere Erklärung.

    Die Stahllegierung hat sich geändert.

    Rostträger Stahl lässt sich nun mal nicht brünieren. Hat aber den Nachteil von Reflexionen. Und die "Kriegsführung" hat sich ja im 1.Weltkrieg auch geändert. Vor dem Krieg hat man sich um Tarnung noch nicht gekümmert. "Offene Feldschlachten" waren da noch angesagt. Kann man an den französischen Uniformen bis 1914 sehen. Da gab es sogar noch rote Uniformteile.


  • Nun ja, es gibt auch noch eine andere Erklärung.

    Die Stahllegierung hat sich geändert.

    Rostträger Stahl lässt sich nun mal nicht brünieren. Hat aber den Nachteil von Reflexionen. Und die "Kriegsführung" hat sich ja im 1.Weltkrieg auch geändert. Vor dem Krieg hat man sich um Tarnung noch nicht gekümmert. "Offene Feldschlachten" waren da noch angesagt. Kann man an den französischen Uniformen bis 1914 sehen. Da gab es sogar noch rote Uniformteile.

    Theoretisch ja, aber die ganzen Gewehre 98 welche in die Reichswehr übernommen wurden erhielten dann im Laufe der zeit ihre Systemhülsen brünniert. Also ist es in dem Fall der deutschen Gewehre nicht dem Stahl geschuldet, dass sie blank waren.


    Grüße

  • Ende 1917 kam vom preußischen Kriegsministerium die Order die Systemhülsen zu bräunen ( brünieren) .Sie wurden sandgestrahlt und dann gebräunt, diese Änderung sollte kostbaren Schmirgel einsparen.

    L.G

  • Theoretisch ja, aber die ganzen Gewehre 98 welche in die Reichswehr übernommen wurden erhielten dann im Laufe der zeit ihre Systemhülsen brünniert. Also ist es in dem Fall der deutschen Gewehre nicht dem Stahl geschuldet, dass sie blank waren.


    Grüße

    Stimmt, es fällt mir gerade ein das die Türken ihre Gew 98 anscheinend brüniert bezogen haben. Schließlich steht so ein Exemplar in meinem Waffenschrank.😀

  • Stimmt, es fällt mir gerade ein das die Türken ihre Gew 98 anscheinend brüniert bezogen haben. Schließlich steht so ein Exemplar in meinem Waffenschrank.😀

    Die Türken haben so ziemlich jede Waffe mal überarbeitet, die sie hatten ...

  • Blanke Waffenteile entsprachen einfach dem damaligen Zeitgeist - wie ja schon ausführlich dargelegt wurde - und weniger irgendwelchen praktischen Erwägungen hinsichtlich Haltbarkeit bzw. Gebrauchstauglichkeit. Der Militärstaat Preussen legte großen Wert auf eine gewisse Repräsentationsfähigkeit seines Militärs und dazu gehörten auch die Schusswaffen. Das musste bei der Parade blitzen und blinken. Erst ab 1916 wurden die Infanteriegewehre komplett brüniert und das war v.a. Zeit- und Materialersparnisgründen geschuldet - und weniger einer möglicherweise höheren Rostbeständigkeit der brünieren Waffen. 1916 war es schließlich selbst dem größten Optimisten klar, dass ein Gewehr in den Gräben der Westfront eher nicht wegen dem Rost funktionsunfähig werden würde und die durchschnittliche Lebensdauer von Mann und Waffe verm. nur wenige Wochen betrug.