Alles über das NSKK (Nationalsozialistische Kraftfahrkorps)

  • Ich rufe hier mal einen Beitrag über das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps, kurz NSKK, ins Leben und würde mich freuen, wenn möglichst viele von euch verschiedene NSKK-Sammlerstücke in diesem Beitrag vorstellen.

    Das kann alles mögliche sein, das etwas mit dem NSKK zu tun hatte, z. B. Kopfbedeckungen, Blankwaffen, Uniformen, Abzeichen, Fahnen, Fotos, Ausweise, Literatur, usw.

    Schön wäre natürlich, etwas näheres über das jeweilige Sammlerstück zu erfahren, sprich eine Beschreibung des Gegenstandes mit Hintergrundinformationen. Das ganze gepaart mit schönen Fotos soll hier einen lehrreichen Beitrag über das NSKK geben.

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  • Zunächst ist es vielleicht hilfreich zu wissen, was das NSKK eigentlich war.


    Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) war eine paramilitärische Unterorganisation der NSDAP mit Sitz in München.


    Der Vorläufer des NSKK war das von Hitler im April 1930 ins Leben gerufene „Nationalsozialistisches Automobilkorps“ (NSAK).


    Hitler erkannte sehr früh, wie wichtig die Motorisierung für die Verbreitung des nationalsozialistischen Gedankenguts und für die moderne Kriegsführung war. Ihm war aus seinen persönlichen Erlebnissen des 1. Weltkriegs sicher in Erinnerung, welchen taktischen Vorteil die Motorisierung in der modernen Kriegsführung spielte. Im späteren „Organisationsbuch der NSDAP“ steht, dass die „Abwehrkraft der Nation“ vom Stande der Motorisierung abhänge. Daher machte sich Hitler sehr früh Gedanken, wie er sich und seine Partei entsprechen „motorisieren“ konnte.


    Die Mitglieder des NSAK (ca. 300 im Jahr 1930) waren in der Regel Parteimitglieder oder Sympathisanten, die gleichzeitig Auto- oder Motorradbesitzer oder Inhaber von Autowerkstätten waren und die ihre Fahrzeuge oder Werkstätten der Partei zur Verfügung stellten. Die „NSAK-Fahrzeuge“ wurden in den „NSAK-Werkstätten“ gewartet und repariert. Die Leitung des NSAK wurde dem obersten SA-Führer Franz von Pfeffer übertragen.

    Im Dezember 1930 ernannte Hitler den ihm vertrauten Adolf Hühnlein zum Chef des Kraftfahrwesens der SA und zum stellvertretenden Korpsführer des NSAK.

    Am 20. April 1931 wurde das NSAK in das „Nationalsozialistische Kraftfahrkorps“ (NSKK) umbenannt. Das NSKK erhielt einen eigenen Dienstweg in der SA neben der weiter bestehenden Motor SA.


    Ende 1931 standen bereits 5000 Kfz zur Verfügung und das NSKK umfasste fast 10.000 Mitglieder.


    Nach der Regierungsübernahme Hilter‘s im Januar 1933 wurde die Kfz-Industrie als Schlüsselindustrie zur Ankurbelung der Wirtschaft eingesetzt.


    Die Automobilclubs der Weimarer Republik wurden im „Deutschen Automobil Club“ (DAC) zusammengefasst. So gab es nun 3 „motorisierte Organisationen“: die Motor SA, das NSKK und den DAC.


    Im Sommer 1934 koppelte Hitler das NSKk von der SA ab und erhielt den Status einer eigenständigen Gliederung in der NSDAP. Die Motor SA trat zum NSKK über und wurde in das NSKK integriert. Hitler unterstellte das NSKK seiner unmittelbaren Führung. Die Mitgliederzahl wuchs in den Jahren von 1934 bis 1940 von 10.000 auf weit über eine halbe Million an. Adolf Hühnlein wurde im August 1934 von Hitler zum „Reichsleiter NSKK“ ernannt und war ausschließlich ihm verantwortlich. Nach Hühnleins Tod im Juni 1942 übernahm Erwin Kraus diesen Posten.

    Im weiteren Verlauf wurden diverse NSKK Schulen im deutschen Reich gebaut, um die Aus- und Weiterbildung zu systematisieren.


    Das NSKK hatte ein von der SA abgeleitetes Dienstgradsystem und verwendete die Uniform der früheren Motor-SA. Diese bestand aus dem Braunhemd der NSDAP mit Dienstgradabzeichen und Einheitsbezeichnung auf den Kragenspiegeln, einem braunen Binder sowie schwarzen Reithosen und -stiefeln, dazu ein schwarzes Koppel mit Schulterriemen. Zur Unterscheidung von der SS, deren Traditionsuniform ähnlich aussah, wurde von den Angehörigen des NSKK am linken Unterarm die sogenannte „Kraftfahr-Raute“ (weißes Lenkrad in schwarzem Feld) getragen. Diese Uniform wurde später durch eine braun-grüne Jacke mit schwarzem Stehkragen ergänzt.


    Dem NSKK oblag ab 1934 die Verkehrserziehung der Kraftfahrer und der Jugend. So arbeitete das NSKK auch eng mit dem ADAC zusammen. In diesem Sinne übernahm er nach dem 19. Mai 1943 auch die Aufgaben eines Verkehrshilfsdienstes. Hauptziel des NSKK blieb es, seine Mitglieder in der Bedienung und Wartung von Motorrädern und Personenkraftwagen auszubilden. Das NSKK ersetzte dabei nicht die Fahrschule und konnte keine Führerscheinprüfungen abnehmen.

    Für die Motor-HJ (14–18-jährige Jungen) stellte das NSKK Motorräder, Reparaturwerkstätten, Ausbildungsmaterial und vor allem fachliche Ausbilder zur Verfügung. Mitte der 1930er Jahre arbeitete das NSKK auch als Pannenhilfsdienst. Nach 1939 leisteten nicht voll wehrfähige Männer einen Ersatzwehrdienst in NSKK-Wachmannschaften ab.


    Ab Sommer 1938 wurde dem NSKK, bzw. der zu diesem Zweck gebildeten NSKK-Transport-Gruppe Todt, schrittweise die Verantwortung für das gesamte Fuhrwesen beim Bau des Westwalls übertragen. Im Sommer 1939 wurde die NSKK-Transportbrigade Speer gegründet, um Baumaterial zu den vom Baustab Speer übernommenen Rüstungsbauwerken (u. a. Flugzeugfabriken in Wiener Neustadt und Brünn) und Bauten der Luftwaffe (Flugplätze und Bunker) im Reichsgebiet zu bringen. Ab 1940 war auch der Nachschub für alle Fronteinheiten der Luftwaffe zu leisten. Nach dem Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 folgte das NSKK den vorrückenden deutschen Truppen zur infrastrukturellen Sicherung des Nachschubs.


    Mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 wurde das NSKK durch den Alliierten Kontrollrat verboten und dessen Eigentum beschlagnahmt. Das NSKK-Abzeichen zählt zu den verfassungsfeindlichen Propagandamitteln.

  • Als erstes Sammelobjekt des NSKK möchte ich - wie könnte es bei mir anders sein - den Dolch vorstellen.

    Einen NSKK Dolch erkennt man sehr einfach an der schwarzen Scheide (im Gegensatz zu einem SA Dolch, der eine braune Scheiden hat).


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    Bis 1936 trugen die NSKK Mitglieder den regulären SA Dienstdolch, also mit brauner Scheide.

    Am 19. Mai 1936 erließ Korpsführer Hühnlein den Befehl, dass die NSKK Dolchscheiden ab sofort schwarz sein müssen, nicht mehr braun. Dies diente zur besseren Unterscheidung des NSKK von der SA.

    Die neuen NSKK Dolche wurden dann ab 1936 nur noch mit schwarzer Scheide ausgeliefert .


    Die Mitglieder, die bereits einen Dolch hatten, konnten entweder die braune Scheide schwarz lackieren oder mussten eine neue Scheide kaufen. Vermutlich haben die meisten NSKK Männer die erste Variante gewählt und die braune Scheide schwarz umlackiert.

    Solche umlackierten Dolche erkennt man an der braunen Farbe der Scheide, wenn der darüberliegende schwarze Lack abblättert.


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    Das Gehänge am NSKK Dolch war bis 1936 braun, wie beim SA Dolch. Ab 1936 wurden nur noch schwarze Hänger ausgegeben. Daher sind beide Varianten an NSKK Dolchen zu finden.


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  • Ich kann zum Thema NSKK folgende Bücher empfehlen:

    Wilhelm P.B.R. Saris
    „Headgear of Hitler‘s Germany
    Volume 4: SS, NSAK, NSKK
    Erschienen im R. James Bender Verla
    Anmerkung: ist in englisch und umfasst speziell das Thema Kopfbedeckungen

    John R. Angolia & David Littlejohn
    NSKK & NSFK Uniforms, Organisation & History“
    Erschienen im R. James Bender Verlag
    Anmerkung: sehr umfangreiche Informationen zum NSKK allgemein (Organisationsstruktur, Uniformen, Abzeichen, Ausrüstungsgegenstände, Kopfbedeckungen, Fahnen, usw.)

    Gruppenführer Oppermann
    „Unter den Sturmstandern des NSKK“
    Als zeitgenössisches Buch 1936 erschienen (selten) und 2016 neu aufgelegt
    Anmerkung: eine Beschreibung über die Entstehung und Entwicklung des NSKK mit sehr vielen zeitgenössischen Fotos

    Wer noch weitere gute Buchtipps über das NSKK hat, bitte sehr gerne hier posten.

  • Ein weiterer typischer NSKK Gegenstand war der Sturzhelm.


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    Vermutlich hat sich der Sturzhelm aus Pilotenhelmen des 1. Weltkriegs entwickelt.


    In den Anfängen der Motor SA war der Helm noch braun, dann vermutlich ab 1931 schwarz. Ab 1934 wurde der Helm nach Vorgaben der Reichszeugmeisterei (RZM) hergestellt und wurde mit einem entsprechenden RZM-Etikett versehen.


    Der Sturzhelm ist üblicherweise aus Rindsleder, das außen schwarz gefärbt wurde. Später gab es auch noch Helme aus Vulkanfiber, die man jedoch eher selten findet. Vulkanfiber ist ein Verbundstoff auf Basis von Baumwoll- oder Zellulosefasern (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Vulkanfiber).


    Der Helm besteht aus einer Glocke mit Schirm. Um die Helmglocke verläuft seitlich der „Bandwulst“ sowie über den Kopf der „Kammwulst“. Beide Wülste sind mit Schafleder überzogen und sollen im Falle eines Sturzes zusammen mit dem Innenteil des Helmes eine stoßdämpfende und somit für den Kopf schützende Wirkung entfalten. Als weiterer Wetterschutz waren am Helm zwei Ohrenklappen und eine Nackenschürze aus Schafsleder angenäht. Der Sturzhelm wurde mit einem Kinnriemen fixiert. Vorne am Helm ist ein silberner Helm-Adler mit Splinten fixiert.


    Laut RZM-Unterlagen von 1935 wurden 11 Firmen mit der Herstellung solcher Helme autorisiert. Die Zahl veränderte sich im Laufe der Jahre. Der RZM-Code war L6 (L für Leder), gefolgt von der zugeteilten Nummer für den jeweiligen Hersteller, z.B. L6/1 ist Hans Römer aus Ulm. Insgesamt können heute 15 RZM-Codes mit Herstellernummer einem konkreten Hersteller zugeordnet werden.


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    Der Sturzhelm wurde anfangs nur während der Fahrdienstes getragen, später auch zu Paraden und bei festlichen Anlässen.


    Es gibt 2 Ausführungen von NSKK Sturzhelmen: die 1. (frühe) Ausführung vor 1939 und die 2. (späte) Ausführung nach 1939, die man sehr einfach am Helm-Adler unterscheiden kann. Die Adlerform wurde im Sommer 1939 umgestellt.


    Das 1. Adlermodell war ein „natürlicher“ aussehender Adler aus Blech, der ein in ein Kranz gefaßtes Hakenkreuz in seinen Fängen hält.


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    Das 2. Modell ist ein größerer und stilisiert wirkender Adler aus Aluminium, der ebenfalls das Hakenkreuz im Kranz in seinen Fängen hält, darüberhinaus aber noch den NSKK-Schriftzug über seinem Kopf trägt. Es ist dokumentiert, dass die zweite Adlerform aufgrund des „wirkungsvolleren“ Aussehens eingeführt wurde.


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    Von den Helmen gibt es verschiedene Varianten, z.B.


    ... bei den Lüftungslöchern (ohne, mit, mit einem großen, mit mehreren Lüftungslöchern).


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    In den Anfängen der Motor SA war der Helm noch braun, dann vermutlich ab 1931 schwarz. Ab 1934 wurde der Helm nach Vorgaben der Reichszeugmeisterei (RZM) hergestellt und wurde mit einem entsprechenden RZM-Etikett versehen.


    Der Sturzhelm wurde anfangs nur während der Fahrdienstes getragen, später auch zu Paraden und bei festlichen Anlässen.


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    Ein schöner NSKK Sturzhelm sollte in keiner NSKK Sammlung fehlen.

    Einmal editiert, zuletzt von ivbaust ()

  • Eine weitere typische Kopfbedeckung des NSKK war die schwarze Feldmütze, die 1935 von Korpsführer Hühnlein eingeführt wurde.

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    Die Feldmütze ist aus schwarzem Stoff und hat vorne zwei silberne Knöpfe. Ganz frühe Feldmützen hatten nur einen Knopf. Auf der Vorderseite des Knopfes ist das Hoheitsabzeichen (Adler) zu sehen in einem Rad mit Speichen.


    Auf der linken, vorderen Seite der Feldmütze war ein Dreieck mit Hoheitsabzeichen in der Farbe der jeweiligen Motor-Brigade angebracht (nahezu identisch mit den SA Gruppenfarben).

    Den Mitgliedern der NSKK Gruppe Hochland war es gestattet, ein Edelweiß auf der linken, hinteren Seite der Feldmütze zu tragen.

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    Es gab 2 Varianten dieser Feldmütze: das 1. Modell mit herunterklappbarem Ohren- und Kinnschutz. Und das 2. Modell, bei dem dies nicht mehr möglich war (vermutlich aufgrund von Sparmassnahmen in den Kriegsjahren). Beim zweiten Modell ist der Stoff leichter und am Stück vernäht.

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    Im Jahr 1939 wurde verordnet, auch den Dienstgrad an der Feldmütze abzubilden. Die nachfolgende Grafik zeigt die Systematik der Dienstgrade an der Feldmütze.

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    Wie bei vielen Kopfbedeckungen war das meiste durch die Reichszeugmeisterei geregelt. Daher findet man in den Feldmützen auch das RZM-Etikett. Interessanterweise wird dort die Kopfbedeckung zum Teil auch als Dienstmütze bezeichnet.

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  • Toller Thread :):thumbup:und schöne Sachen die du da vorstellst!

    Sehr interessant und mit viel liebe gemacht,bin gespannt was noch hübsches kommt;)

    Viele grüße

    saralina

  • Ein interessantes Thema, zumal der Opa meiner Frau zu seiner Zeit beim NSKK Dresden war.

    Danke für die tollen Bilder und das Infomaterial!

    Außer 2 Fotos habe ich leider nichts was ich hier im Beitrag zeigen könnte.


    gr

  • Tolles Thema,

    leider kann ich nichts dazu beitragen. Aber mach bitte weiter.

    ...wenns klappt gibts ne halbe Flasche Bier für jeden !
    ....Anblasen.....!

  • Also gut dann fange ich mal an ,hab leider nur was kleines :)Diese Plakette mit der Darstellung des Sachsen Herzogs Wittekind musste ich einfach haben ,fand sie so schön heroisch .

    Wurden diese von den Teilnehmern der jeweiligen Fahrten20191007_180344.jpg20191007_180350.jpg20191007_180407.jpg20191007_180416.jpg selbst gekauft oder ausgegeben-ich weiß es nicht ,aber vielleicht kennt sich jemand aus dem Forum ein bisschen besser dazu aus...

    Viele grüße ;)

  • Hier zwei Plaketten aus meiner Heimatsammlung.

    Dateien

    KLAGT NICHT;KÄMPFT!:KL
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