Wehrmachtsspind, Hersteller Gustav Kopka 1937, Restaurierungsobjekt

  • Tach auch,


    ich berichte von einem Wehrmachtsspind, der zu mir gekommen ist wie die Jungfrau zum Kinde.


    Ich bin trotz meiner 54 Lenze immer noch als Reservist (zumindest bei spaßbringenden DVags) aktiv und benötige deshalb regelmäßig meine Unfiformen und Ausrüstung. Einmal im Monat findet unser RK-Abend in der altehrwürdigen Theodor-Körner-Kaserne zu Lüneburg in genehmigtem Flecktarn. Das bedeutete bisher: mindestens einmal im Monat die Dachbodentreppe ausklappen und in irgendwelchen miefigen Taschen oder Seesäcken den Fummel zusammen zu suchen, was insbesondere dadurch erschwert wurde, das mein 19-jähriger Sohn ebenfalls mit zum RK-Abend kommt und seine Ausrüstung direkt neben meiner platziert hat. Ja, man kann auch mit 19 schon Veteran sein (er ist rechts unten auf meinem Avatar zu sehen). Aber das nur am Rande.

    Um ein bisschen Ordnung ins Chaos zu bringen, habe ich bei eay-Kleinanzeigen nach einem Spind gesucht und hatte dabei einen alten Metallspind aus einer Firma oder einem Sportverein im Sinn.

    Vorher habe ich noch nie nach Spinden gesucht. Und jetzt finde ich wenige Kilometer von mir entfernt eine Anzeige mit der Überschrift: "Militärspind, at, nur für Selbstabholer"

    Die Bilder zeigten einen Holzschrank, der überwiegend blau gestrichen war, bei dem aber noch andere ältere Farbschichten durchschimmerten. Nach einem kurzen Telefonat habe ich mich in meinen Auto gesetzt und bin mit rechtem Fuß in der Ölwanne die 20 km gefahren. Der Verkäufer war froh, ohne zu handeln die ausgelobten 80,-EUR dafür zu bekommen, denn der Spind war schon seit knapp zwei Monaten online, ohne dass ihn jemand kaufen wollte.


    Zu Hause angekommen, habe ich ihn erstmal so auf die Auffahrt gestellt:



    Spind 01.JPG


    Und auf der Rückseite sah er so aus:


    Spind 03.JPG



    Spind 04verpixelt.JPG



    Zwei deutlich sichtbare Brandstempel, einmal der Wehrmachtsadler, einmal das Herstellerzeichen "Gustav Kopka Herford 1937".

    Ich habe ein bisschen geforscht und herausgefunden, dass Gustav Kopka ein Pionier der seriellen Möbelherstellung war. Er hat sein Unternehmen 1859 gegründet, 1952 ist es erloschen. Er wird auf irgendeiner website als Ikea des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Das hat er wirklich nicht verdient, denn ein vergleichbarer Ikea-Schrank wäre spätestens nach 3 Umzügen so instabil, dass er vermutlich in sich zusammen gefallen wäre. Dieses Exemplar hier für das tausendjährige Reich hat eindeutig noch 918 glückliche Jahre vor sich.


    Da ich den Spind für meine Bundeswehr-Ausrüstung nutzen will, mussten die vier Farbschichten runter. Die Arbeit hat mich fast eine ganze Woche gekostet. Beim Abbeizen hat sich immer nur eine Farbschicht gelöst. Dann die Nachbearbeitung mit dem Heißluftfön und Spachtel bzw. Metallschaber. Meine Frau hat sich riesig gefreut, konnte es nur nicht so zeigen.


    Spind 02.JPG


    Wie man sieht, trägt der Spind unter den oberen Farbschichten weitere Namen von Vorbesitzern. Hier ist "S/Sgt" sowie ein Name zu lesen. Ich denke, es handelt sich um einen Staff-Sergeant der britischen Besatzungstruppen. Ein wirklich interessantes Stück militärischer Sozialgeschichte. Das ist auch der Grund, warum sich meine Frau so langsam arrangiert bzw. angefreundet hat. Zunächst wollte sich gar nicht, dass dieser stinkende Holzkasten überhaupt ins Haus kommt.


    Ganz nackig sah der Spind dann so aus:


    Spind7a.JPG



    Auf der linken Seite war er ein wenig umgebaut. Es fehlten die Schubladen und das Privat- und Essenfach. Dafür war eine Kleiderstange verbaut worden. Mein Plan war, den Spind wir so mit Fächern auszustatten, dass er wieder halbwegs original aussieht und dass alle Teile wirklich alt sind. Auf dem Flohmarkt haben wir alte Beschläge und Scharniere sowie ein altes Vorhängeschloss gefunden, so dass ich das Privatfach wieder herstellen konnte.


    Spind 09.JPG


    Zum Schluss habe ich den Spind zweimal mit Leinölfirnis gestrichen. Damit kann man die alte Holzstruktur wieder sehr schön herausstellen.


    Spind 07.JPG




    Spind 08.JPG



    IMG_6079.JPG



    Das "Verbringen" des Spinden in den ersten Stock unseres Hauses hat vier erwachsene Männer gefordert, die dafür wie die Galeerensträflinge geschuftet haben. Es hat sich aber gelohnt!



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    Im September erfolgte dann die feierliche Wiederindienststellung. Im Moment ist er noch so eine Art Hybridspind. Er ist gefüllt mit meiner Bundeswehr-Ausrüstung und Teilen meiner Sammlung. Kann sein, dass ich irgendwann einen zweiten brauchen, einen für BW, den anderen für Wehrmacht.


    Grüße


    DirkSpind 12.JPG



    Spind 13.JPG




    2019-11-04 17.24.14.jpg

  • hi

    Tolles Teil:thumbup:

    PS:in der Theodor Körner Kaserne habe ich meine Grundausbildung 1980 gemacht.;)

    gruß ulane5

    ich suche immer manschaftsschulterklappen des:Niederreinischen Füsilier Reg.Nr.39 Düsseldorf und des Reserve Infantrie Regiment Nr.211 sowie SG-Troddeln 1.Weltkrieg und Dienstliche Kurze Seitengewehre 98(KS98) Danke , Ich bin immer am Tausch [email]interessiert.-Auch bei den Sachen,die im Verkauf sind.

  • Hallo,

    ganz Klasse gemacht!!

    Zum Glück wurde der Spind nicht zu Brennholz verarbeitet...

    Hier bei mir schräg über die Straße wurde im Sommer auch ein WH-Spind entsorgt...

    Dabei wurde der super erhaltene Spind dermaßen zerdroschen,daß ich nur noch Kleinteile retten konnte<X:cursing::cursing:...

    Einen Tipp hätte ich noch...

    Tausche doch die Kreuzschlitzschrauben,wenn möglich,aus8o...


    Gruß Wolf