7 Schritte der Stahlhelm-Restauration

  • Hallo !!


    Ich habe mir zum ersten Mal einen alten Stahlhelm gekauft (Bodenfund, schwer verrostet) und möchte diesen Restaurieren.

    Mit ist bewusst, dass dies hier im Forum schon thematisiert wurde - allerdings habe ich keinen Eintrag gefunden, bei dem alle Schritte sauer herausgearbeitet wurden.

    Ich habe den Versuch nun gestartet und zu den 7 Schritten habe ich 5 Fragen und würde mich freuen, wenn Ihr mir diese beantworten würdet. Herzlichen Dank!!!

    LG

    Jochen


    1.      Stahlhelm grob vom Rost befreien (Hammer, Drahtbürste, ggf. Bohrmaschine mit Schleifaufsatz)


    2.      Laugenbad: Helm in handelsüblichem Schnell-Entkalker (Zitrone) Bad einlegen, um den Rost vom inneren nach außen zu befördern.

    Frage 1: Das habe ich nur 1-mal gelesen, macht das Sinn? Wie lange muss der Helm in ein solches Bad und wie ist das Mischungsverhältnis Entkalker zu Wasser?


    3.      Mit WC-Reiniger den Helm abbürsten, um weiteren Rost / Dreck zu entfernen

    Frage 2: Ist das sinnvoll / gut für den Helm? Warum WC Reiniger?


    4.      Helm in ein Bad mit Oxalsäure + Wasser (1:10) geben – 2-Mal für jeweils 12 Stunden

    Frage 3: Ist das nicht zu lang? Ich habe auch Videos gesehen, bei denen der Helm nur 2-3 Stunden im Oxalsäurebad war.


    5.      Erneut Abbürsten (Drahtbürste, ggf. Bohrmaschine mit Schleifaufsatz)


    6.      Den Helm nach dem Oxalsäurebad von der Säure neutralisieren (Wasser mit

    Natriumhydrogencarbonat).

    Frage 4: Ist dieser Schritt notwendig?


    7.      Wachs (Parafin-Wachs) auftragen (heiß) und verreiben zum Schutz des Helms

    Frage 5: Reicht normales Wachs einer Kerze oder ist spezielles Wachs sinnvoller?

  • Schritt Nr. 1 ... Zeig Mal die Murmel, ob weitere Schritte überhaupt noch lohnen und leg bloß die rotierende Drahtbürste weg ! Wenn Du damit anfängst kannst du dir deine Schritte 2 bis 6 ersparen. Definiere : Restaurieren. Also, was ist dein Endziel ?

    Bei strenger Pflicht, getreu und schlicht ! Gruss, Achtmal33

  • Also ich habe vor,


    a) einen Helm zu restaurieren (Endziel: Helm in der Substanz erhalten, weiteren Zerfall stoppen, alte Farbe möglichst retten) und

    b) einen anderen Helm auf "neu" zu restaurieren (mit spachteln, Lackieren usw).


    Meine Fragen beziehen sich auf a). Anbei 2 Bilder des M35 Helms, den ich so sanieren möchte

    Einen anderen Helm (mit wenig Rest-Substanz), den ich noch nicht habe, will im Sinne von b) "sanieren".


    Wenn Du Erfahrungen hast, würde ich mich freuen, was Du zu den Fragen zu sagen hast.


    Dank und viele Grüße

    Dateien

  • Also bei dem gezeigten, könnte noch gut Restfarbe zu retten sein. Da müssen die Oxalspezis ran. Bis zu diesem Schritt, leg ihn zunächst im warmes Spülibad ein und lass zunächst jegliche mechanische Bearbeitung.

    Bei strenger Pflicht, getreu und schlicht ! Gruss, Achtmal33

  • Grüss dich.. Wenn du mit entkalker ran gehst holst du alles runter Abzeichen Farbe usw...

    Also auch Finger weg von Zitronensäure.

    Wasser und Spüli erstmal danach fallen grosse Stücke Rost von allein ab.

    MKG Carsten

  • Also das hier

    Hammer, Drahtbürste, ggf. Bohrmaschine mit Schleifaufsatz

    beist sich aber gewaltigen mit dem hier

    Endziel:... alte Farbe möglichst retten


    Ich denke auch das ein Oxalbad hier der erste Schritt sein sollte.

    Suche silberne Verwundetenabzeichen im Etui und Ostmedaillen im sehr guten Zustand. Freue mich über jedes Angebot.

  • Servus, ich richte auch immerwieder mal Bodenfundglocken für mich her. Das wichtigste ist erstmal festzustellen wie die Substanz ist und dann weiteres zu entscheiden. Wenn stark rostnarbig ohne Restfarbe ab in die Elektrolyse. Wenn noch an der rostigen Glocke halbwegs glatte Flächen zu erahnen sind erstmal entsalzen in Dest. Wasser und dann ins Oxalbad. Wenn danach Farbe zum Vorschein kommt gut...wenn nicht ab in die Elektrolyse. Bei Glocken mit Fremdfarbe, erstmal die runter und wenn dann nichts originale zum Vorschein kommt das es wert ist zu retten...mechanisch reinigen oder entpacken per Chemie. Ich versuche immer alles was original ist zu erhalten. Nur bei hoffnungslosen Fällen kommt der Rundumschlag und alles kommt neu.

    Mfg Michi

    suche alles Stabszahlmeister Johann Kestel und seinen Bruder Baptist Kestel betreffend

  • Also bei dem gezeigten, könnte noch gut Restfarbe zu retten sein. Da müssen die Oxalspezis ran. Bis zu diesem Schritt, leg ihn zunächst im warmes Spülibad ein und lass zunächst jegliche mechanische Bearbeitung.

    Alles klar, vielen Dank!


    Also erst einmal nicht mechanisch rangehen, scheinen alle zu sagen :-)

  • Servus, ich richte auch immerwieder mal Bodenfundglocken für mich her. Das wichtigste ist erstmal festzustellen wie die Substanz ist und dann weiteres zu entscheiden. Wenn stark rostnarbig ohne Restfarbe ab in die Elektrolyse. Wenn noch an der rostigen Glocke halbwegs glatte Flächen zu erahnen sind erstmal entsalzen in Dest. Wasser und dann ins Oxalbad. Wenn danach Farbe zum Vorschein kommt gut...wenn nicht ab in die Elektrolyse. Bei Glocken mit Fremdfarbe, erstmal die runter und wenn dann nichts originale zum Vorschein kommt das es wert ist zu retten...mechanisch reinigen oder entpacken per Chemie. Ich versuche immer alles was original ist zu erhalten. Nur bei hoffnungslosen Fällen kommt der Rundumschlag und alles kommt neu.

    Mfg Michi

    Hallo Michi,


    vielen Dank für Deinen guten Beitrag -ich habe Dein Prinzip gut verstanden - passt auch für mich!


    Anbei noch ein paar Detailfragen zum Prozess:


    Vor dem Oxalbad (1:10) in destilliertes Wasser baden. Wie lange würdest den Helm in destilliertn Wasser baden?


    Wie lange soll der Helm im Oxalsäurebad sein? Habe je nach Verrostung oft 2-Mal für jeweils 12 Stunden gelesen.


    Nach der Oxalsäure soll der Helm "neutralisiert" werden. Wieder mit destilliertem Wasser oder? Wie lange?


    Nach dem Oxalsäurebad ... soll der Helm doch noch geschützt werden. Hier habe ich oft folgendes gelesen:

    a) Wachs oder Parafin-Wachs

    b) Zaponlack

    c) Balistol

    d Leinöl

    Hast Du oder jemand anderes hierzu Erfahrungen gesammelt? Was ist die beste Methode, um den Helm zu schützen?


    Viele Grüße


    Jochen

  • Grüss dich.. Wenn du mit entkalker ran gehst holst du alles runter Abzeichen Farbe usw...

    Also auch Finger weg von Zitronensäure.

    Wasser und Spüli erstmal danach fallen grosse Stücke Rost von allein ab.

    Hallo Carsten - alles klar - danke ! VG

  • Hallo

    Zwölf Stunden am Stück halte ich persönlich für zu lange im Oxal,das gibt die unschöne gelbe Schicht auf dem Helm.

    Auch die Mischung von 1/10 ist für meinen Geschmack übertrieben .Das wären ja 1kg auf 10 Liter Wasser 😳

    Ich würde dir erstmal fünf bis sechs gehäufte Esslöffel auf 15 l Wasser empfehlen .

    Den Helm stündlich kontrollieren und mit einer Kunststoff Bürste abbürsten.Aber den Bereich wo Embleme sitzen könnten mit Vorsicht behandeln und nicht mit der Bürste auf den Emblemen schrubben,da dann mit wattestäbchen und Zahnstocher behutsam vorgehen

    Wenn die Mischung zu verschmutzt ist ,erneuern und je nach Zustand mit der Oxal Menge etwas variieren.

    Und auf keinen Fall die Geduld verlieren,gut Ding braucht Weile...


    Gruß

    ______________

  • Genau so gehe ich auch vor. Zum neutralisieren nehme ich wieder dest Wasser und lass den nochmal ein paar Tage drin, bürste ihn aber weiterhin ab. Als Abschluss sprühe ich mit Ballistol ein und mit nem weichen Lappen abwischen. Hab hier noch einen Helm der vom Vorbesitzer mit Parafin eingekocht wurde aber mir persönlich sagt die Methode nicht so zu.

    Mfg Michi

    suche alles Stabszahlmeister Johann Kestel und seinen Bruder Baptist Kestel betreffend

  • Genau so gehe ich auch vor. Zum neutralisieren nehme ich wieder dest Wasser und lass den nochmal ein paar Tage drin, bürste ihn aber weiterhin ab. Als Abschluss sprühe ich mit Ballistol ein und mit nem weichen Lappen abwischen. Hab hier noch einen Helm der vom Vorbesitzer mit Parafin eingekocht wurde aber mir persönlich sagt die Methode nicht so zu.

    Mfg Michi

    Hallo Michi,


    ok, klasse - ich gehe genauso vor. Darf ich abschließend noch fragen, was gegen Parafin spricht? Der hohe Aufwand oder spricht etwas gegen das Material?


    VG


    Jochen

  • Halo !


    perfekt - danke für die ausführlichen Antworten - das hat mir sehr geholfen. Ich liefere in ein paar Wochen "vorher - nachher-Bilder".


    Viele Grüße


    Jochen

  • Hallo,


    würde Ihn so wie er ist 12 Stunden in eine 1/10 Mischung legen.


    Ich habe die Erfahrung gemacht das man mit warmem Wasser die besten Ergebnisse erzielt.

    Am besten mehrmals alle paar Stunden mit einer weichen Bürste abbürsten.


    Das Abzeichen kannst du falls es weiter zum Vorschein kommt mit Wachs abdecken.


    Am Ende gut trocknen lassen und anschließend Ballistol drauf.


    Hier noch ein Beispiel eines Helmes den ich mal „hergerichtet“ habe.


    Gruß

    Kevistol

  • Hallo Jochen,

    bei dem einen Helm der mit Parafin behandelt wurde und den ich schon so bekommen habe brösel die nicht entfernten Rostpocken runter und wenn man den in die Hand nimmt langt er sich an wie eine Kerze. Die Helme die ich selber mit Ballistol hinterher behandelt habe fassen sich m.M.n. einfach besser an. Auch entferne ich alle Rostpocken wenn nötig und möglich. Aber das ist sicherlich Geschmacksache und auch eine Frage des Helmzustandes.

    Mfg Michi

    suche alles Stabszahlmeister Johann Kestel und seinen Bruder Baptist Kestel betreffend

  • Schritt 1 - FALSCH - NIEMALS MIT EINER DRAHTBÜRSTE/Hammer/Bohrmaschine EINEN HELM ABBÜRSTEN/bearbeiten !!!


    Einfach eine normale Plastikbürste nehmen und den Drecke enfernen. Besser den Helm eine Woche lang in Regenwasser oder in normale Wasser "einweichen lassen" und einmal am Tag mit Plastikbürste abbürsten.


    Schritt 2: unnötig



    Schritt 3: Nach einer Woche im Wasserbad, den Helm abbürsten und ins Oxalbad - Mischverhältnis z.B. 2 esslöffel gehäuft auf 10 Liter am Anfang


    - etwa 3-6h - danach kontrollieren - da jeder Helm anders reagiert - egal ob vorher viel Rost dran war oder wenig - und abbürsten - dann solange wiederholen bis der Helm einem gefällt und jeden Tag das Wasser wechseln um Gelbfärbung zu vermeiden. Evtl. die Stärke der Mischhung verändern je nach Ergebniss



    Schritt 4: Helm schön abspülen und langsam trocknen lassen. Wenn er trocken ist in den Backofen 50 Grad für ne Stunde


    Dann sollte der Helm fertig sein und auch nicht mehr rosten.vManche ölen den Helm ein - ist Geschmackssache.


    Alles andere ist überflüssig und kann deinem Helm schaden. Wenn du es trotzdem versuchen willst, besorg dir kaputte Helme in schlechtem Zustand, dann ist es nicht schade drum.

  • Ich habe fast Helme so gereinigt, keiner hat angefangen zu rosten, bei keinem haben sich die Abzeichen verabschiedet oder sind später abgefallen. Oder sonst irgendwelche negativen Folgen gehabt. Öl kann man draufmachen, aber wenn man die Helme nicht im Keller oder draußen lagert ist es eigentlich nicht nötig. Ist halt Geschmackssache.

  • Hallo Kevistol!


    Dein restaurierter Helm sehen klasse aus! Danke für die Hinweise!


    VG


    Jochen

  • Ich habe fast Helme so gereinigt, keiner hat angefangen zu rosten, bei keinem haben sich die Abzeichen verabschiedet oder sind später abgefallen. Oder sonst irgendwelche negativen Folgen gehabt. Öl kann man draufmachen, aber wenn man die Helme nicht im Keller oder draußen lagert ist es eigentlich nicht nötig. Ist halt Geschmackssache.

    Herzlichen Dank für die ausführlichen Tipps und Beschreibungen !!!