Warum so viele Thüringer?

  • Nein, diese Frage habe ich nicht mir gestellt, obwohl ich im Laufe der Jahre schon ein paar SA Dolche von Thüringer Herstellern in meiner Sammlung hatte 😁



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    :!:SA gesucht … ich sammle alles von der Sturmabteilung (Kopfbedeckungen, Braunhemden, Kragenspiegel, Achselstücke, Koppelschlösser, Abzeichen, Ausweise, usw.) :!:

  • Die Frage „ Warum so viele Thüringer?“ zielt auf was anderes ab.


    Als ich neulich die beiden Bickel-Brüder vorgestellt habe ...


    Das ist doch der Oberhammer ... 😲


    ... habe ich natürlich ein bisschen über diesen Hersteller recherchiert und dabei ist mir aufgefallen, dass die Thüringer Hersteller die zweitgrößte regionale Gruppe an Dolchherstellern für die Sturmabteilung (SA) und das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) waren.


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  • Im 3. Reich produzierten 1934/35 meines Wissens nach 233 metallverarbeitende Firmen frühe Dolche für die SA und das NSKK.


    Bekanntlich war Solingen aufgrund seiner Historie unangefochten das Weltzentrum der Klingenherstellung und daher ist es kaum verwunderlich, dass der mit Abstand größte Teil der SA/NSKK Dolchproduktion aus Solingen und Umgebung kam: nämlich 198 Unternehmen, was 85% entspricht.


    Warum aber hatte gerade die Region von Thüringen die zweitgrößte Ansammlung von SA/NSKK Dolchherstellern? Nämlich 21 Unternehmen, was immerhin 9% entspricht! Schließlich gab es in Deutschland einige weitere Gegenden, wo es metallverarbeitende Firmen gab. Warum sind diese nicht mit Aufträgen bedacht worden, sondern so viele in der Region Thüringen?


    Hier ein regionaler Überblick der 233 Hersteller (nur frühe SA/NSKK Dolche mit Logo):

    • 200 aus Nordrhein-Westfalen (198 Solingen, 1 Haan, 1 Remscheid)
    • 21 aus Thüringen (3 Brotterode, 1 Herges-Vogtei, 1 Marienthal, 2 Schmalkalden, 1 Schweine, 7 Steinbach, 1 Steinbach-Hallenberg, 3 Suhl, 2 Zella-Mehlis)
    • 7 aus Bayern (1 Muggendorf, 3 München, 1 Bayreuth, 1 Gefrees, 1 Deggendorf)
    • 3 aus Baden-Württemberg (1 Canstatt, 1 Esslingen, 1 Tuttlingen)
    • 1 aus Sachsen (Neustadt)
    • 1 aus Berlin


    Falls das nicht richtig sein sollte, wäre ich für einen Hinweis dankbar 😅

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  • Hier die Auflistung aller mir bekannten Hersteller von frühen SA/NSKK Dolche (mit Firmenlogo) aus Thüringen, alphabetisch sortiert nach Firmensitz. In Klammern steht die Anzahl der Unternehmen pro Stadt.


    Brotterode (3):

    Böhme Nachfolger, Gebrüder

    Münch, Joseph

    Neidhardt & Schmidt


    Herges-Vogtei (1):

    Müller, Gottfried


    Marienthal (1):

    Heller, Gebrüder


    Schmalkalden (2):

    Heller, Gebrüder

    Völker, Adolf


    Schweina (1):

    Reich, Ehrhardt


    Steinbach (7):

    Helbig, F. & A.

    Malsch, August Friedrich Sohn

    Malsch, David

    Malsch, Karl Gustav Sohn

    Malsch & Ambronn

    Malsch-Spitzer, Carl

    Simon, Otto


    Steinbach-Hallenberg (1):

    Bickel, August


    Suhl (3):

    Haenel, C. G.

    Kober & Co., Wilhelm

    Sauer & Söhne, J.P.


    Zella-Mehlis (2):

    Kührt, Carl Fr.

    Melzer & Feller

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  • Die Fa. DGDE GmbH aus Berlin (http://www.dg.de/index.php) hat eine tolle Übersicht aller Herstellerlogos auf ihrer Homepage. Ist wirklich super gemacht 👍

    Hier ist der direkte Link: http://www.dg.de/de/hersteller_liste

    Ich habe daraus dieses Bild aller 21 Thüringer Hersteller-Logos kreiert, was ich nach freundlicher Genehmigung durch DGDE hier veröffentlichen kann.


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  • Es gab also insgesamt 21 Thüringer Hersteller von frühen SA /NSKK Dolchen.


    Bei meinen Recherchen habe ich ein paar interessante Informationen gefunden, welche die Frage zu dieser Ansammlung in Thüringen eventuell beantworten können.


    Zunächst war sicherlich ein Grund die Kompetenz in der Metallverarbeitung. Im 14. Jahrhundert wurde an der Südseite des Thüringer Waldes Eisen- und Kupfererz entdeckt. Der Wald mit seinem Holz sowie die Flüsse mit ihrem Wasser begünstigten die Ansiedlung von Bergbau und später auch Eisenverarbeitung. Ende des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung und fabrikmäßige metallverarbeitende Massenproduktion, die von weiteren Geschehnissen und Entwicklungen gefördert wurde, wie der Gründung des deutschen Reichs (1871), dem Bau einer Eisenbahnverbindung von Schmalkalden über Steinbach-Hallenberg nach Zella (1889 - 1891), dem Anschluss dieser Thüringer Region an das Elektrizitätsnetz, die Gasversorgung sowie dem Ausbau des Straßenverkehrsnetz.


    Aber wie gesagt, es gab noch einige weitere Regionen in Deutschland, auf welche dies sicherlich auch zutraf.


    Vermutlich war daher ein entscheidender Grund für die Auftragsvergabe der Beitritt der Ortsgruppe „Völkische Freiheitsbewegung“ aus Steinbach-Hallenberg im Jahre 1925 in die NSDAP. Sie unterstützte in den folgenden Jahren in ganz Thüringen den Aufbau der nationalsozialistischen Bewegung. Es soll laut einer Ortschronik über Steinbach-Hallenberg ein Schreiben von Adolf Hitler vom 4. Februar 1927 geben, in welchem er der Ortsgruppe Steinbach-Hallenberg seine Anerkennung für die unermüdliche Unterstützung seines Wahlkampfs in Thüringen ausspricht. Steinbach-Hallenberg wurde Sitz der Kreisleitung der NSDAP und der Kreisleiter war gleichzeitig Landrat des Landkreises Schmalkalden sowie Abgeordneter des Wahlkreises Schmalkalden im nationalsozialistischen Reichstag. Vermutlich haben diese Umstände der frühen Unterstützung der NSDAP und die dadurch sicherlich gute Kontaktsituation zur Partei die Auftragsvergabe an Unternehmen aus Thüringen zur Herstellung von SA und NSKK Dolchen begünstigt.


    Vielleicht hat ja jemand noch weitere Informationen oder eine andere Vermutung?

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  • Aber zurück zu den SA und NSKK Dolchen. Die Thüringer Dolche sind qualitativ meist sehr hochwertig gefertigt und haben teilweise einzigartige Besonderheiten, wie die berühmte „Suhler Stufe“ bei den Suhler Herstellern Haenel, Kober und Sauer.


    Für alle, die den Begriff „Suhler Stufe“ nicht kennen, hier eine kurze Erklärung. Bei der Suhler Stufe sind sowohl die Parierstange als auch der Holzgriff wesentlich flacher ausgeprägt, was man deutlich am flacheren Übergang beider Dolchteile ineinander sieht. Auf dem Foto wird der Unterschied deutlich.


    Warum das so ist, kann bis heute nicht eindeutig belegt werden.


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  • Es gibt das schöne Sprichwort „Ausnahmen bestätigen die Regel!“ Denn auch bei der Suhler Stufe gibt es Ausnahmen.


    Ausnahme 1)


    Nicht alle Suhler Dolche haben eine Suhler Stufe. Es gibt auch Suhler Dolche mit einer „normal“ hohen Stufe. Hier ein Beispiel von Haenel.


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  • Ausnahme 2)


    Und es gibt einen Solinger Hersteller, bei dem man vereinzelt auch eine Suhler Stufe findet: Friedrich Wilhelm Backhaus.


    Hier ein solch seltenes Exemplar, das ich vor einigen Jahren in diesem Beitrag vorgestellt habe:


    Da brat´ mir doch einer einen Storch ... ein SA mit Suhler Stufe, aber kein Suhler!


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  • So, das war der kleine Exkurs über die Thüringer Hersteller von frühen SA Dolchen. Meinungen und weitere Infos zu diesem Thema herzlich willkommen 😀


    Vielleicht schaffen wir es ja, in diesem Beitrag die Logos alle Thüringer Hersteller von frühen SA/NSKK Dolchen zu zeigen?

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  • So, wer hat noch einen oder mehrer schöne frühe Thüringer Hersteller zu zeigen?


    Die Malsch‘s aus Steinbach wäre klasse.

    Oder Joseph Münch sowie Neidhardt & Schmidt aus Brotterode.

    Ein Erhardt Reich aus Schweina wäre super.

    Oder ein Carl Fr. Kührt aus Zella-Mehlis.

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