Mit Sauerstoffmaske, Höhenschutzanzug und Skaphander

  • Moins


    Als ich in einer anderen Rubrik von dem Höhenschutzanzug von S. Jähn las, anmierte es mich ein bissl mal in der Zeitschrift VA zu schauen, ob ich etwas darüber finde. Und siehe da, ich will euch den Text nicht vorenthalten.


    Auf den Weg in die Stratosphäre


    Mit Sauerstoffmaske, Höhenschutzanzug und Skaphander



    Die Lebensfähigkeit des menschlichen Organismus in großen Höhen zu erhalten, ist eines der Probleme, die beim Start zum Flug in den Luft- und Weltraum zu lösen waren. Mit zunehmender Höhe verringern sich bekanntlich Luftdruck, Temperatur und Partialdruck (Teildruck) der einzelnen Gase in der Luft. Dagegen vergrößert sich die Intensität der kosmischen Strahlung. So beträgt der Luftdruck in einer Höhe von 20 km nur noch 40 Torr und bewirkt: Der Siedepunkt des Blutes sinkt auf etwa 37° C, also auf die normale Körpertemperatur des Menschen. Die Lufttemperatur beträgt in 11 km Höhe -56,5°C, und die Intensität der kosmischen Strahlung ist in 28 km Höhe zehnmal größer als in Bodennähe. Ohne besonderen Schutz ist der Mensch dort somit weder arbeits- noch lebensfähig.

    Der für die Tätigkeit des menschlichen Organismus notwendige Sauerstoff wird dem Blut durch die Lungenatmung zugeführt. Obwohl sich der prozentuale Sauerstoffanteil der Luft nicht verändert, tritt mit zunehmender Höhe ein fortschreitender und bis zum Tode führender Sauerstoffmangel im Organismus ein. Die Ursache dafür: Verringert sich der atmosphärische Druck, so fällt auch der Sauerstoffdruck in der Atemluft.


    Bis zu einer Höhe von 4 km wird der verringerte Sauerstoffgehalt im Blut durch den menschlichen Organismus ausgeglichen, indem die Atemtätigkeit und der Blutkreislauf (höhere Herzfrequenz) gesteigert werden. Ab 5 km führt jedoch der Sauerstoffmangel zu vielfältigen Störungen. Diese schränken die Arbeitsfähigkeit des Menschen zunächst stark ein und bringen sie schließlich zum Erliegen. Ab 4 km ist also der Flugzeugführer nur noch arbeitsfähig, wenn die eingeatmete Luft mit Sauerstoffangereichert – also der sich vermindernde Sauerstoffteildruck durch einen höheren prozentualen Sauerstoffanteil in der Atemluft ausgeglichen – wird.

    Die Grenzen dieser Möglichkeit sind bei einer Höhe von 10 bis 12 km erreicht, wo nur noch reiner Sauerstoff eingeatmet wird. Allerdings ist der Flugzeugführer in der Lage, seinen Körper durch ein besonderes Training darauf vorzubereiten, kurzzeitig den Bedingungen größer höhen ausgesetzt zu sein. So erreichte der sowjetische Flieger W.K. Kokkinaki im Jahr 1935 ohne besondere Ausrüstung mit der I-15 eine Rekordhöhe von 14.575 m.


    Die Reservezeit, in welcher der Mensch in der Lage ist, in Höhen über 12 km zu existieren, ist trainingsbedingt verschieden groß und beträgt bei 16 km nur noch einige Sekunden. Allerdings ist es möglich, den Lungen den benötigten Sauerstoffanteil mit Hilfe eines Überdruckes zuzuführen, jedoch wird bei einem bestimmten Überdruck das Ausatmen so schwierig, daß die Atemmuskeln erschlaffen, der Atemrhythmus wird gestört, die Atmung hört völlig auf. Deshalb ist ein längerer Flug in Höhen über 12 km nur noch in hermetischer Kabine oder im Druckanzug möglich. In der hermetischen Kabine wird ein Überdruck erzeugt, der in einer beliebigen Flughöhe nicht kleiner sein darf als der barometrische Druck in 12 km Höhe, um die Atmung von reinem Sauerstoff noch zuverlässig zu gewährleisten.

    Zum Schutz des Flugzeugführers in Havariesituationen (undichte Kanine, Verlassen des Flugzeuges im Notfall) bei Flügen über 12 km Höhe wurden Höhenschutzanzüge entwickelt, welche die erforderliche Überdruckatmung von reinem Sauerstoff sichern. Sie bestehen aus einer Straff sitzenden Kombination (aus Textilgewebe), die zur Entlastung der Atemmuskeln auf Brust und Leib und zum Verhindern von Blutkreislaufstörungen (Erweiterung der Venen) auf die Gliedmaßen einen äußeren Druck ausübt. Außerdem gehört dazu eine Atemmaske oder ein Maskenhelm. Der Höhenschutzanzug (auch als Kompensationsanzug bezeichnet) muß den Körper fest umschließen und wird durch eine Verschnürung angepaßt. Längs der gesamten Kombination sind Gummischläuche eingearbeitet, die beim Zuführen von Druckluft (oder Sauerstoff) als Spannvorrichtung dienen. Sie passen auf den Körper des Flugzeugführers und gleichen so den barometrischen Druck in der entsprechenden Flughöhe aus.

    Die Atmung im Schutzanzug ist erschwert und erfordert bestimmte Fertigkeiten, die durch intensives Training erworben werden müssen. Außerdem ist natürlich die Bewegungsfreiheit im gespannten Schutzanzug wesentlich eingeschränkt. Um die Lebensfunktionen des Menschen in allen Höhen für viele Stunden zu erhalten, wurden Skaphander entwickelt.


    Im Prinzip ist der Skaphander eine hermetische Mini-Kabine, die den Flugzeugführer vollständig von der Außenatmosphäre trennt. Die Skaphanderhülle besteht aus festem, gummiimprägnierten oder anderem Material. Der Helm ist abnehmbar. Im Skaphander wird erst bei entthermetisierter Kabine ein Überdruck erzeugt, der einer Flughöhe von weniger als 12 km entspricht. Dadurch bläht sich der Skaphander auf und setzt die Bewegungsfreiheit des Flugzeugführers beträchtlich herab. Zusätzliche Versteifungen wirken dem entgegen. Sehr aufwendig war es, dem Flugzeugführer im Skaphander ausreichende Arbeitsbedingungen zu schaffen. Bei anstrengender Arbeit scheidet der Mensch über die Atemluft und den Schweiß bis zu 2 Kg Wasser in einer Stunde aus. Damit sich nun diese Feuchtigkeit nicht unter der Skaphanderhülle ansammelt, ist eine ununterbrochene Luftventilation erforderlich. Nach Art der Luftventilation werden Ventilations- und Regenerierungsskaphander unterschieden. Dem Ventilationsskaphander wird die zur Ventilation und zum Aufrechterhalten des erforderlichen Überdruckes notwendige Luft vom Triebwerk des Flugzeuges zugeführt. Den zur Atmung benötigten Sauerstoff erhält der Flugzeugführer vom Sauerstoffdruckbehältern. Die Atmungsprodukte werden über ein in den Skaphander eingebautes Überdruckventil nach außen geleitet.


    Die spezielle Ausrüstung eines Regenerierungsskaphanders ist in der Lage, die von Druckbehältern zugeführte und verbrauchte Luft zu erneuern, so daß sie ständig im wiederkehrend um Atmungs- und Ventilationsprozeß zu verwenden.

    Regenerierungsskaphander sind auch als Raumanzüge der Kosmonauten bekannt geworden. Ursprünglich war die zum Regenerieren der Luft erforderliche Ausrüstung im Raumschiff untergebracht. Dadurch war z.B. der Kosmonaut Leonow bei seinem Ausstieg in den Weltraum noch über eine „Nabelschnur“ mit dem Raumschiff verbunden. Die heutigen Kosmonauten sind darauf nicht mehr angewiesen: Das autonome Ventilations-, Temperatur- und Versorgungssystem wurde im Skaphander untergebracht. Weitere auffallende Verbesserungen dieses Raumanzuges sind die große Flexibilität und Fertigkeit, die ein Aufblähen verhindern und den Kosmonauten einen Aufenthalt im Weltraum von mehreren Stunden ermöglicht.



    Oberstleutnant Ernst Engel



    Quelle: VA 25/78 S. 8


    Ich fand den Artikel wieder mal sehr interessant und er hat meine Kenntnis ein wenig über das Thema erweitert. Ich hoffe es geht euch auch so. Vielleicht kann der ein oder andere User sogar Bilder (Anzug, Stiefel/Schuhe, Helm usw.) zu diesem Beitrag hinzufügen.

  • Ein Thema, womit ich mich überhaupt noch nicht beschäftigt habe. Sehr informativ und kurzweilig , danke Olaf !

  • Hallo,

    ein interessanter Beitrag. Ich hoffe die Bilder passen dazu.

    Gruß PutziDSCI0980.JPGDSCI0982.JPG

    Vielen Dank Putzi.


    Leider kann ich die Bilder nicht einsehen, da ich kein Supporter bin. Aber ich werde einen Weg finden, um mir sie anzuschauen.


    Grüße Marschallsdolch

  • Klasse Beleg ! Kannst du die Unterschriften nachvollziehen, alles aus deiner Dienstzeit ?

  • Nein leider nicht, habe bloß in Laage als Reservist Wache geschoben. Wurde mir mal zum Kauf angeboten.