Ein schön-hässlicher Brotbeutelriemen M44

  • Hallo zusammen,

    "M44" Brotbeutelriemen sind an sich nicht häufig zu finden, aber der hier ist wirklich auch noch ziemlich außergewöhnlich.

    Eine Art grober, rauer Jutestoff, dazu unbehandeltes Leder und unlackierte Metallbeschläge.


    Freue mich über Meinungen.


    Viele Grüße,

    Christian

  • Schönes Stück, aber kannst du mich mal aufklären was es damit auf sich hat?

    Bin zwar der Begrifflichkeit schon öfter mal begegnet, habe mich aber nicht damit auseinandergesetzt was dahinter steckt.

    Gibt es da irgendwelche belegte Informationen dazu?


    Gruß,

    Marco

    Sammelschwerpunkt:

    • Zeltbahnen der Wehrmacht
    • Kochgeschirre, Feldflaschen, Rucksäcke, Tornister und weitere Ausrüstung von Herstellern aus Pfalz und Saarland
  • Hallo Christian,

    sicher das der Riemen von einem 44er Brotbeutel stammt ?

    Die Machart des Riemens ähnelt stark den Ersatzriemen aus dem 1.Weltkrieg.

    Gruß

    Markus

  • Also mir sind diese vereinfachten Brotbeutelriemen als von Sammlern sogenannte "M44" Ausführung bekannt.

    Analog zum etwas vereinfachten Brotbeutel mit der aufgesetzten Tasche für das RG34, der wohl ab Oktober 1944 ausgegeben wurde. Ich hoffe ich erinnere die Daten korrekt.


    Hier ein Foto eines solchen M44 Brotbeutels mit einem zugehörigen Trageriemen.

    Ich habe zwei identische baugleiche Sets letztes Jahr direkt vom Auffinder bekommen.

    Wie man sieht hat der Trageriemen die gleich Konfiguration wie der ganz oben gezeigte Riemen, nur dass die Qualität nicht so grottig ist. Wofür, woraus und wann der Riemen hergestellt wurde kann ich nicht sagen. Er wurde ebenfalls mit einem M44 Brotbeutel angeboten, allerdings wurde der Beutel kurz vorher separat verkauft, der Riemen hatte (aus Ahnungslosigkeit?) bis ich daher kam, keinen Käufer gefunden.

    Grüße,

    Christian

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  • ich bin da ehrlich gesagt nicht so recht davon überzeugt das diese Riemen für eine dienstliche,also Wehrmachtsverwendung hergestellt wurden.

    Wäre es so hätte man mit Sicherheit für die befestigung des einen Hakens nicht eine Lederlasche von den D-Ringen verwendet welche auf auf den Deckel befestigt werden.Die brauchte man ja dafür noch!

    Also ist das für mich eien kurz-nach 8.Mai fertigung aus dem was noch in der Fabrik herumlag um die bereits für die WH fertiggestellten(und nicht mehr ausgelieferten) Brotbeutel zivil vermarkten zu können.

  • Das sind schon merkwürdige Teile. Die Erklärung mit, das wurde so gefunden, wie so bei vielen anderen Dingen auch alles andere als ein wirklicher Beleg.

    Lasst uns doch mal weiter analysieren. Angenommen die wurden tatsächlich so zusammen mit dem 44er Brotbeutel Modell ausgegeben, was erreicht man damit?

    Man spart bei der Herstellung des Riemens keine Metallteile. Beide Haken, beide Nieten, die Schnalle und die Schlaufe werden weiterhin benötigt.

    Auch eine Lederersparnis gibt es nicht.

    Das einzige was wegzufallen scheint ist der Stoff für das 20cm lange kurze Stück des Riemens.

    Damit werden aber auch die Riemen 20cm kürzer, war das so gewollt?

    Oder wurde etwa das lange Stück dafür verlängert?

    Kannst du mal nachmessen wie lange er insgesamt ist?


    Gruß,

    Marco

    Sammelschwerpunkt:

    • Zeltbahnen der Wehrmacht
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  • Hallo,

    entschuldigt bitte die späte Antwort. Letzte Woche fand ich keine Zeit mir das Thema nochmal genauer anzusehen.


    Aus der Herstellungsvorschrift für das Brotbeutelband geht hervor, dass das gesamte Brotbeutelband 120cm lang ist. Davon fallen 20cm auf das kurze und 100cm auf das lange Ende.

    Ich habe selbst mal bei einigen regulären frühen und späten Riemen nachgemessen und komme da +- ein paar Zentimenter auch immer hin.

    Die 105 gemessenen cm am langen Ende von Christian sehe ich da auch noch völlig in der Toleranz.

    Also ist klar, dass der gezeigte vereinfachte Brotbeutelriemen kürzer ist als vorgesehen.

    Da das kurze Band 20cm lang und 3cm breit war und vorschriftsmäßig 4 lagig gefertigt wurde hatte man dadurch ein Stück Brotbeutelstoff von etwa 12cm x 20cm eingespart.

    Nun gehen wir mal zur Anordnung der Oberkommandos der Wehrmacht zur Änderung des Brotbeutels aus dem Jahr 1944.

    Dort steht geschrieben:


    "Um Rohstoffe zu sparen und die Fertigung zu vereinfachen, wird der Brotbeutel wie folgt geändert:.........."

    Die Änderungen die vorgenommen wurden sind uns allen bekannt. Kurz nochmal zusammengefasst:

    - Tragestrippen als feste Schlaufen ohne Knöpfe

    - Hakenstrippe als Schlaufe in halber Breite

    - Tasche für Gewehrreinigungsgerät gefertigt aus Stoffabfällen


    Zu dieser Anordnung hatte der Unternehmer Gustav Schiele aus Loburg gegenüber dem Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion zusammengefasst folgendes anzumerken:


    Zu den geänderten Strippen:


    - Materialeinsparung an Stoff durch Veränderung der Strippen nicht vorhanden

    - Eingespartes Garn der Knopflöcher wird für andere Verarbeitung gebraucht

    - Keine nennenswerte Arbeitserleichterung

    - Vernähung der Strippen nur noch mit schweren Maschinen möglich, kann nicht mehr in Heimarbeit erledigt werden

    - Einsparung von 2 Knöpfen, einem Niet mit Unterlage und einem Brotbeutelhaken.


    Zu der Tasche für das RG34:


    - Kann nicht aus Stoffabfällen gefertigt werden, es werden gesonderte Stoffzuteilungen benötigt


    Vom Oberkommando der Wehrmacht kam darauf die kurze aber eindeutige Antwort, dass auf die Tasche nicht verzichtet werden kann und wenn nicht genügend Stoffabfälle vorhanden sind, Mehrverbrauch an Stoff in Kauf genommen werden muss.



    Dieser im Bundesarchiv nur Bruchstückhaft erhaltene Schriftverkehr bietet uns nur einen klitzekleinen Einblick in die damaligen Abläufe.


    Man wollte etwas zum Wohle der Truppe verbessern (Tasche für RG34), musste aber gleichzeitig versuchen möglichst Material zu sparen (Vereinfachung der Schlaufen). Dabei heraus kommt etwas was zwar auf der einen Seite dem Truppenwunsch nach der separaten Tasche entspricht, auf der anderen Seite die Verwendung des Brotbeutels aber stark erschwert, da er vom Koppel nur noch nach Abnahme der Patronentaschen entfernt werden kann.

    Eine gewünschte Rohstoffeinsparung ist nicht wirklich vorhanden und die Fertigung wird eher erschwert denn vereinfacht.

    Nichts desto Trotz muss das so gemacht werden.


    Es ist anzunehmen dass im Nachhinein tatsächlich noch versucht wurde den Materialmehrbedarf zu minimieren.

    Eine Kürzung des Brotbeutelriemens, die eben den benötigten Stoff für die Tasche einspart halte ich da gar nicht für unwahrscheinlich.

    Auffällig ist auch, dass diese vereinfachten Brotbeutelriemen scheinbar gar nicht mehr aus Brotbeutelstoff gefertigt wurden, sondern auf andere Materialen zurückgegriffen wurde. Das heist es wurde sogar noch mehr Stoff eingespart als benötigt wurde.


    Dies kann nicht als Beleg für die Fertigung des sogenannten M44 Brotbeutelriemen gelten, aber rückt meiner Meinung nach, dessen Existenz durchaus in den Bereich des möglichen.


    Gruß,

    Marco

    Sammelschwerpunkt:

    • Zeltbahnen der Wehrmacht
    • Kochgeschirre, Feldflaschen, Rucksäcke, Tornister und weitere Ausrüstung von Herstellern aus Pfalz und Saarland

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