Ritterkreuzträger und Inhaber der Ehrenschale - Major Hans Sandrock

  • Bevor uns die Unterlagen wieder verlassen, möchte ich den Interessierten an der Phaleristik einen Brief aus dem Jahr 1988 vorstellen:


    Ein mir persönlich nahestehender Mensch hat vor 37 Jahren die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger (OdR, Gründung 1955) angeschreiben und um ein persönlcihes Autogramm von Hans Sandrock gebeten. Da Major Sandrock (gestorben 1995) damals Schatzmeister des OdR war, erhielt der Interessierte eine sehr schnelle Antwort mit Autogrammabzug und Informationen zum Verbleib seiner Ehrenschale. Persönlich finde ich es sehr interessant, dass es Herr Sandrock schaffte, "seine" Ehrenschale aus den Archiven der DDR loszueisen; ich möchte mir kaum vorstellen, welche Stricke dort gezogen werden mussten...


    In dem kleinen Konvolut erhielt der Sammler sodann eine persönlich unterschriebene Karte, einen Abzug (Nummer 734) der Ehrenschale und einen Werdegang mit Unterschrift Major Sandrock. Alle Dateien sind hier angefügt und können eingesehen werden - der Werdegang ist für einen neutralen Beobachter sehr faszinierend... ein Auszug:

    1935 vom Gefreiten bis 1944 zum Major, u.a. übernahm er 1943 das III. (Sturmgesch.)/Fsch. PANZER Reg. Hermann Göhring, welche 1944 eine Abriegelung des russ. Panzerdurchbruchs in Polen schaffte (123 Vernichtungen eingebrochener Fahrzeuge) und zur Ehrenschale führte.


    Der damalige Empfänger wurde meinerseits zwecks Datenschutz geschwärzt.

    Vielleicht gibt es noch weitere Sammler in diesem Forum, welche damals ebenfalls die OdR anschieben, würde mich persönlich doch sehr interessieren.


    Herzliche Sammlergrüße

  • Gehe eher davon aus , dass sich Sandrock eine ungravierte Ehrenschale besorgt hat und diese gravieren lassen.

    Er hoffte wohl, dass er ein sehr gutes Gebot von einem Sammler für die Ehrenschale bekommen würde.

    Ich meine das auch schon einmal gehört zu haben. Auch bei den Veteranen selbst müsste man teilweise auf der Hut sein.

    Suche alles von:


    35. / 198. / 215. ID
    5. / 101. Jägerdiv.
    78. Sturmdiv.


    Jg.Rgt.: 56, 75, 228, 229
    Geb.Jg.Rgt.: 13
    IR: 13, 34, 109, 111, 195, 305, 308, 326, 380, 390, 435
    Sturm-Rgt.: 14, 195, 215
    Art.Rgt.: 5, 25, 35, 85, 215, 235
    Div.Einh.: 5, 25, 35, 85, 101, 178, 235
    MG-Batl.: 4, 5, 11


    Donaueschingen, Esslingen a.N., Ettlingen, Freiburg, Heilbronn, Karlsruhe, Konstanz, Ludwigsburg, Pforzheim, Rastatt, Reutlingen, Schwäbisch Gmünd, Stuttgart, Villingen, Ulm

  • Die Gravierung weicht deutlich von den original gravierten , insbesondere im Bereich des Datum , ab. So wie Sandrock im Schreiben seine Schale hervor hebt, wusste er genau wie er zu dieser Schale kamm.

    Kaum ein Veterane hat seine Auszeichnungen so ins Licht gestellt, wie in diesem Schreiben.

    Die DDR hatte überhaupt kein Interesse an einen Veteranen in der BRD die Auszeichungen zu senden.

    Die SED versuchte u.a. Ende der 40er Jahren Ritterkreuzträger in den Regionen aufzuspüren um

    evtl. Schauprozesse durchzuführen.

  • Das ist ja mal ein Interessantes Thema. Bin gespannt ob da mit der Schale etwas rauskommt.


    Auch interessant ist das Briefe/Autogramme 1988 noch mit HK versendet wurden.

    Bin auf der Suche nach Sächsichen Auszeichnungen sowie Eks

    Immer unter Beachtung von §§ 86+86a StGB

  • Ob die Geschichte von Sandrock stimmt , kann ich nicht sagen. Aber wenn ich richtig gelesen habe, steht da nix von staatlichen Stellen der DDR. Ich kenne selbst einige Fälle, bei denen sich die Veteranen ihre Sachen beim DDR-Besuch von Privatpersonen, in dem Fall Verwandten, abgeholt haben.


    Sorry, Du hättest den Namen unkenntlicher machen sollen. Wenn ich von Ordenshändlern/-sammlern ständig angeschrieben werde, würde ich vllt. auch auf dumme Gedanken kommen.


    Gruß Witte

  • Die Gravierung weicht deutlich von den original gravierten , insbesondere im Bereich des Datum , ab. So wie Sandrock im Schreiben seine Schale hervor hebt, wusste er genau wie er zu dieser Schale kamm.

    Kaum ein Veterane hat seine Auszeichnungen so ins Licht gestellt, wie in diesem Schreiben.

    Die DDR hatte überhaupt kein Interesse an einen Veteranen in der BRD die Auszeichungen zu senden.

    Die SED versuchte u.a. Ende der 40er Jahren Ritterkreuzträger in den Regionen aufzuspüren um

    evtl. Schauprozesse durchzuführen.

    Hallo,


    der Brief ist aus 88. Die Klimmzüge davor könnten also auch aus den 80er Jahren vielleicht aus den 70ern stammen. Fakt ist, mit solchen Sachen hat die klamme DDR sehr viel und Effektiv in den 80ern Geld gemacht. Möglich das er über Umwege vom Besitz der Schale erfahren hat und dann den Kontakt suchte ( wurde offiziell ja sehr geheim gehalten ) und es dann zähe Verhandlungen um Geld gab. Es gab Lagerhallen voll mit den erlesensten Antiqutäten und für den Käufer mit dicker Westgeldtasche und den entsprechenden Verbindungen/Beziehungen ging unendlich viel. Selbst Funde in den 80ern bei Arbeiten an der Autobahn nähe Halbe ( komplette Kisten eines Divisionsstabes mit Unterlagen und Orden ) gingen über solche Kanäle für gutes Geld in den Westen. Widerum gingen bei Westbesuchen so einiges unkontrolliert über die Grenze in den Westen. Ich halte die Geschichte daher für nicht ganz ausgeschlossen.



    Gruß Sammler32

  • Da gebe ich Dir recht. Als nach der Wende in unserer Nachbarstadt ein Lager der KoKo (Kommerzielle Koordinierung) aufgelöst wurde, hat man auch einiges an Orden 3. Reich gefunden. Muß so Anfang/Mitte 1990 gewesen sein. Damals war darüber ein Zeitungsartikel in unserer Regionalzeitung mit Bild der aufgefundenen Orden. In dem Artikel stand ,daß die Orden der Vernichtung zugeführt werden=O. Der Vater eines Freundes war als Kripooffizier daran beteiligt. Auf die Vernichtung angesprochen hat er mich ausgelacht und meinte "Das glaubst Du doch wohl nicht" :D.

  • Hallo,


    Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen und auch die richtige Quelle benannt. Sowas konnte man der Bevölkerung doch nicht vermitteln, alles aus der Zeit verbannen,schlecht machen,einziehen und damit dann noch viel Devisen einbringen. Ein lukratives Geschäftsmodell.



    Gruß Sammler32

  • http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Antikhandel_Pirna


    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kunst_und_Antiquitäten_GmbH


    https://www.spiegel.de/geschic…fried-kath-a-1208030.html


    Bei eBay wurde vor vielen Jahren mal einen Ankauf-Rechnung vom VEB angeboten.
    Wenn ich mich richtig erinnere, so um die 400 DDR-Mark für ein Ritterkreuz.

    Das ging dann sicher auch adhoc Richtung Westen.


    Ich habe von der Witwe Sandrocks einige Fotos ihres Mannes bekommen. Dabei war auch ein Foto der Ehrenschale.

    Soweit ich weiß, hat er diese an einen befreundeten Militaria-Sammler verkauft, der später überfallen und ausgeraubt wurde. Damit verliert sich der Weg der Schale.


    Gruss.

    Suche Fotos / Fotoalben / Urkunden / ganze Nachlässe der schweren Panzerjägerabteilung 560 (Nashorn/Jagdpanther) & KG zbV 323 / Transportgeschwader 5 (Me 323 "Gigant") - norman-bates-motel@web.de

  • Schönen Sonntag zusammen!

    Schön, dass auch "Papierthemen" viel Interesse wecken.

    Ja, wie beschrieben und gelesen, der Brief ist aus 1988 und ich habe den Weg der Schale noch nicht nachverfolgt - danke für den Link sweettree, werde ich dann im persönlichen Interesse nachvollziehen. Seine BILDER und Autogrammkarten werden ja hin und wieder in Auktionen angeboten, soweit sind wir auf dem Aktuellen Stand. Vor einiger Zeit wurde auch bewußt bei Mitgliedern des OdR eingebrochen (man vermutet, dass jemand dort eine Mitgliederliste gestohlen hat) - ich erinnere mich noch an eine Warnung diesbezüglich...


    Witte - ja, da steht nix von staatlichen Stellen; ich glaube auch, dass dort seeeeehr viel mit "Kleingeld" gearbeitet wurde - kenne selbst auch einen alten Offizier aus Ost-Berlin; naja, wenn man das alles glaubt, was er erzählt... puh... und nein, es ist ein ehemaliger Sammler, nicht mein Name - wir haben die Korrespondenz nur erst vor Kurzem erhalten und fanden es einfach zu spannend, als es nur weiterzuverkaufen. Wir wollten es hier im Forum zeigen, um es dann auch für die Interessierten "zugänglich zu archivieren".


    Interessant, wie ein 37-jähriger Brief phaleristische Eindrücke liefern kann. Einfach schön, unser Hobby!

    Ein schönes Rest-Wochenende und Grüße!

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    Meine Leidenschaft ist es, kulturelle und historische Artefakte unter Beachtung der §§86, 86a StGB sowie §14 OrdenG zu analysieren, zu recherchieren und Erkenntnisse Interessenten aufzuzeigen. Hierbei ist es mir ein Anliegen unser aller Wurzeln zu ergründen; diesbezüglich verschreibe ich mich der landesgeschichtlichen und phaleristischen Forschung.

  • Laut ihrer persönlichen Aussage mir gegenüber hat Frau Sandrock seinerzeit selbst die Ehrenschale

    an einen Sammler verkauft, ob es sich hier bei dem o.g. bestohlenen handelt weiss ich nicht.

    Mich persönlich würde die, leider verloren gegangene, Verleihungsurkunde interessieren,

    aber zumindest liegt mir seine Verleihung in Form einer Ehrenliste vor....;)


    Grüße Freikorps