Sterbebild und Fotos eines Fliegers aus Ludwigshafen und ein kurzer Teil seiner Geschichte

  • Heute nutze ich den Tag, um mal ein Sterbebild näher vorzustellen, das ich in einem Nachlaß gefunden habe. Ich muß dazu sagen, daß ich diese kleinen "Zettelchen" nicht wirklich sammel, mich aber die Geschichte und das Schicksal dahinter interessierte. Als ich auch noch drei Portraitfotos entdeckte, die offensichtlich die gleiche Person zeigen, habe ich mal etwas nachgeforscht.

    Bei Ergänzungen und/oder Korrekturen wie immer gerne melden!


    Wie dem Sterbebild zu entnehmen ist, wurde der Unteroffizier Heinz Heidenreich am 10.6.1922 in Ludwigshafen am Rhein geboren und verunglückte am 23.9.1942 tödlich bei einem Blindflug. Doch was kann man sonst über ihn und sein viel zu kurzes Leben sagen? Mit Hilfe der Fotos und etwas Recherche kam zumindest etwas Licht ins Dunkel.

  • Das erste Portrait zeigt Heinz in HJ-Uniform und wurde in einem Fotostudio in Bad Dürkheim aufgenommen. Zu sehen ist der junge Mann in der Dienststellung eines Scharführers, zu erkennen an der wohl grünen Führerschnur. Er dürfte dem Bann 317 Ludwigshafen / West Saarpfalz angehört haben.

    Sehr interessant ist das Goldene HJ-Ehrenzeichen, Heidenreich war also schon vor dem 2.10.1932 Mitglied in der HJ bzw. des DJ. Weiter ist er stolzer Träger des Ehrenzeichens für Kreis-, Gau- oder sogar Reichssieger im Reichsberufswettkampf 1938 oder 39! Die Aufnahme wird kurz nach der Auszeichnung entstanden sein.

  • Auf dem zweiten Bild trägt Heidenreich bereits Fliegersonderbekleidung. Fotografiert in Crailsheim, wurde es am 18.9.1941 mit einer persönlichen Widmung versehen und diente später als Vorlage für das Sterbebild. Die baden-württembergische Stadt war Standort der Flugzeugführerschule A/B 43 und des Flieger-Ausbildungs-Regiments 43.


    Von der dritten und letzten Aufnahme sind weder Zeit, noch Ort der Entstehung bekannt. Auf ihr sieht man Heinz Heidenreich als Gefreiten mit Fliegerschützenabzeichen aus Stoff, den Borddolch kann man gerade noch in seiner linken Hand erkennen.


    Über den weiteren Lebenslauf kann ich anhand des wenigen vorhandenen Materials leider nichts sagen. Erst das traurige Schicksal des so früh verstorbenen Fliegers ist wieder bekannt.

  • An jenem verhängnisvollen 23.9. des Jahres 1942 war Heinz bei der Blindflugschule 3 in Prag-Rusin. Der Flughafen Praha-Ruzyně wurde 1937 eröffnet und erst 2012 in Václav-Havel-Flughafen Prag umbenannt (---> siehe Karte 1).

    Eine siebenköpfige Besatzung, unter ihr Heinz Heidenreich, fand sich zu einem Blindflug mit einer Ju 52 zusammen. Die Maschine des Typs Ju 52/3mg8e mit der Kennung PH+OG und der Werk-Nr. 3223 war eine bei ATG / Allgemeine Transportanlagen GmbH in Leipzig produzierte ehemalige Maschine der K.Gr. z.b.V. 102, wo sie von März bis Juni im Einsatz stand.

    Bei Glatz in Niederschlesien (---> siehe Karte 2) kam es zu einer unfreiwilligen Bodenberührung mit anschließendem Aufschlagbrand, wobei das Flugzeug vollständig zerstört wurde. Die Besatzung kam dabei ums Leben. Es waren dies


    FF Ofw. Herbert Ernst

    BF Uffz. Heinrich Rietz

    BF Ofw. Hans Witte

    SCH Uffz. Hans Stieler

    SCH Gefr. Hans Batthes

    SCH Uffz. Hans Stöler

    SCH Gefr. Heinz Heidenreich


    Heinz wurde zurück in die Heimat überführt und ruht auf dem Hauptfriedhof Mannheim.

  • Moien,

    eines von unzähligen Fliegerschicksalen, die Verluste durch tödliche Unfälle während der Ausbildung waren höher als an der Fronet.

    h.

  • Interessante Vorstellung.


    Noch einige Ergänzungen:

    Heinz Heidenreich war Angehöriger der Schülerkompanie der Blindflugschule 3.

    Nummer der Erkennungsmarke - 1234 - 2./Fliegerausbildungsregiment 43.

    Die Maschine stürzte bei einem Ausbildungsflugbuch in Wölfelsgrund, Kreis Habelschwerdt, am Glatzer Schneeberg ab.

    Sein Grab befindet/befand sich auf dem Ehrenfeld des Mannheimer Hauptfriedhofs, links vom Denkmal, 3.Reihe Grab 8.

    Sein Vater hieß Karl und wohnte zu dieser Zeit in Mannheim, Parkring 25a.


    Gruss.


    Glatzer Schneeberg


    https://de.m.wikipedia.org/wik…tain_(southern_side).jpeg

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  • Ui, vielen Dank! Hätte nicht gedacht, daß noch so viele Informationen kommen!

    Darf ich nach Deinen Quellen fragen?


    Viele Grüße!