Darstellung Optischer Telegraph um 1810

  • Vor einigen Jahren hatte ich in einer Flohmarktkiste mal ein Buch über die optische Telegraphie nach Claude Chappe entdeckt. Schon beim ersten Blättern war ich total gefesselt. Bis dahin hatte ich von dieser Erfindung noch keine Notiz genommen.


    Eine frühe Form der Datenübermittlung, oder wie es zeitgenössisch hieß, " Der Kunst des schreibens in die Ferne "

    Der Gedanke mittels Zeichen oder Signale Nachrichten zu übermitteln ist ja im Grunde schon uralt. Nehmen wir nur z.B. ein Fackelzeichen. Eine vorher vereinbarte Nachricht wie "Feind naht" wird durch entzünden einer Fackel/Feuer über eine größere Distanz zu einem Empfänger übermittelt was sogar in der Nacht vielleicht noch besser geht. Oder Rauchzeichen uvm.


    Der neue Ansatz welchen Chappe ( und auch Andere vor Ihm ) überlegten war sozusagen ein flexibles und schnelles Nachrichtensystem zu entwickeln. Eines welches ganze Nachrichten über weite Strecken tragen konnte.

    1791 stellte Chappe seinen Semaphorentelegraph der Öffentlichkeit vor und sendete eine Nachricht über 16 Kilometer. Nur drei Jahre später 1794 wurde die erste Telegrafenlinie zwischen Paris und Lille eingerichtet, bei der mit 22 Telegrafenstationen 270 km überbrückt wurden. Ein Zeichen konnte dabei in etwa 2 Minuten übermittelt werden.

    Schon bald sah man auf vielen Kirchtürmen, Rathäusern, aber auch auf eigens errichteten Telegraphenstationen in ganz Frankreich die Semaphoren winken.

    Hier einige zeitgenössischen Bilder.

    Was das ganze mit living history, bzw. Reenactement zu tun hat folgt natürlich...


    Claude-Chappe.jpgsemaphore,1792.jpg

    Dateien

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  • Das interessante an Chappes System war das Codebuch.

    Die Nachrichten wurden verschlüsselt versendet. Nur die Anfangs und Endstation einer Linie hatten ein solches Buch. Alle Zwischenstationen welche, je nach Gelände und Sicht , ca. 5- 7 Km entfernt lagen kopierten lediglich immer die Zeichen der vor Ihnen liegenden Station ohne deren Inhalt zu kennen.


    Es wurden also lediglich Zahlenfolgen telegrafiert. Ein vereinfachtes Beispiel: Die Telegraphennachricht "1234" könnte bedeuten. Nimm Codebuch 1 , blättere zu Sektion 2 , auf Seite 3 Satz 4. Dort stand dann ein fertiger Satz.

    Es gab für verschieden Zwecke bestimmte Codebücher. Militärischer Natur, aber auch für politische Nachrichten und weitere.


    Sollte sich die Nachricht nicht über das Codebuch senden lassen bestand auch die Option der Buchstabenweisen Übermittlung. Dabei stand jede Stellung des Telegraphen für einen Buchstaben. Was natürlich alle Möglichkeiten offen ließ, aber dementsprechend viel länger dauerte.


    Hier Lehrtafeln für die Buchstabenweise Übermittlung. Recht umständlich und bei weitem nicht so effektiv wie Codebücher.


    telegraf 1.jpgtelegraf 6.jpgtelegraf 4.jpg

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  • Zum Test von Strecken, oder für zeitweilige Einsatz zb. von Schlachtfeldern rückwärtig, oder zum schliessen von Lücken bestehender Telegraphenlinen gab es auch einfache Feldtelegraphen. Nur mit einfachen Seilzügen ohne aufwendige Flaschenzugsyteme und Umlenkrollen.


    In meinem zivilen reenactement in der Napoleonik stelle ich eine solchen Telegrapheningenieur dar, mit einer kleinen Feldtelegraphenstrecke.


    LC56Bh48.jpeg.jpg


    N59GExtB.jpeg.jpg

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  • Wie schon geschrieben haben nur die Anfangs und Endstation ein Codebuch. Die Zwischenstationen nicht. Diese haben aber eine kleine Tabelle mit Dienstsignalen um die Funktion der Station zu gewähren.

    Es sind einzelne Zeichen wie z.B. "Fehler, wiederhole" ,"Nebel, keine Sicht" , "oder Station ausser Betrieb"


    Dieses Dienstsignal bedeutet zum Beispiel "Ende der Übertragung "

    SAM_3810.JPG

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  • 20140705_133016.jpgDas ziehen an den Strippen ist ( gerade bei Wind ) recht mühsam, vor allen Dingen wenn man weit ausladende Zeichen über längere Zeit halten muß. Das gestellte Zeichen darf immer erst aufgelöst werden wenn die nachfolgende Station mein Zeichen kopiert hat, das ist gleichzeitig meine Bestätigung das die Nachbarstation empfangen hat. Der Telegraph fixiert mit dem Fernrohr den nächsten Semaphorenmast und gib Nachricht wenn er das kopierte Zeichen sieht. Dann kann die Mannschaft das nächste Symbol stellen.

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  • Hallo, freut mich wenn Dir das Thema gefällt. Die Feldtelegraphen standen nicht mitten auf dem Feld sondern z.B an den Rändern auf Hügeln und Bergen. Da, wie Eingangs erwähnt, mit einem Codebuch gearbeitet wurde konnte mit wenigen Zeichen lange Informationen übermittelt werden, und das in einer ( für die Strecke ) erstaunlichen Geschwindigkeit. Einzig die Sicht und völliger Ausfall bei Dunkelheit waren ein wirkliches Problem.


    Telegraphenstationen waren beliebte Ziele von Angriffen und Attacken. Es gibt zeitgenössische Abbildungen wo ganze Sektionen um einen Feldtelegraphen campieren um diesen zu sichern.


    Beste Grüße

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  • Nein, das ging schon auch, aber in erster linie arbeitete man mit Codebüchern und kurzen Zahlenfolgen. Lies mal am Anfang meines Beitrages, da erkläre ich es.


    Beste Grüße

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  • Guden,..


    wieder mal ein mega interessantes Thema von Dir, Danke Dir !


    Gruß de Tober

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    ERWIN KREßMANN
    URKUNDE DEUTSCHES KREUZ IN GOLD // DEMJANSKSCHILD URKUNDE

  • Weiter geht es Freunde der optischen Telegraphie... ;- )


    Einige Jahre lang war diese Art der Nachrichtenübermittlung der Kracher in Frankreich und die Strecken wurden ausgebaut. In Preussen wurden Versuchs und kleinere Anlagen gebaut, aber so richtig konnte sich die Erfindung nicht durchsetzen. Man hatte dort die Nummer mit dem Codebuch nicht wirklich verfolgt und sich an der Buchstabenweisen Übermittlung festgebissen. Dadurch waren die Übertragungsrate dementsprechend langsam.


    Jahre später wird sich in Preussen ein weites Netz mit optischen Telegraphen in einer etwas aufwendigeren Version und mehreren Winken etablieren.Dafür werden extra Türme errichtet und kleine Häuser daneben in denen der Telegraphist mit seiner Familie wohnen kann.


    Hier ein Eindruck eines preussischen Telegraphen um 1830

    Die preussischen Telegraphen waren militärische Einrichtungen und unterstanden der Armee. Auf einer Station versahen zwei Telegraphisten Ihren Dienst.

    preussischer-optischer-telegraph.jpg


    Telegraph.jpg

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  • ...aber wieder zurück in die Zeit um 1810... ;-)


    Die Feldtelegraphen mussten leicht zu warten sein, kleiner Reparaturen mussten damals von der Bedienungsmannschaft selbst erledigt werden.

    Im wirklichen Einsatz im living history Hobby waren ein gerissene Seile und ausgeleierte Bohrungen an den Gelenken bisher der größte Verschleiß. Auch die Indikatorenbretter mussten wir schon ersetzen und den Mast, wegen schlechter Sicht verlängern.


    Daher haben wir immer Werkzeug dabei und können den Apparat jederzeit in Stand setzen. Auch für das aufstellen der Masten braucht man Werkzeug, wie Pickel und Spaten.




    SAM_3786.JPG


    SAM_3787.JPG


    SAM_3788.JPG


    SAM_3789.JPG

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