Wie die Pistole Sauer & Sohn Modell H durch die Wehrmacht an Offiziere verkauft wurde

  • Sauer_H_327187_Rechnung_01_1366.jpg


    Moin,



    kürzlich konnte ich einen äußerst interessanten Beleg erwerben, nämlich eine Rechnung der Heeresstandortkasse Mainz vom 3. April 1942 über eine Sauer Modell H:


    Rechnung_Sauer-H_03April1942_Hauptmann-Peter_FS_CR-DE_1366.jpg


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    Das ist die erste Wehrmachts-Rechnung über eine Pistole überhaupt, die ich zu Gesicht bekommen habe. An der Rechnung sind mehrere Dinge bemerkenswert, u.a. die Preise:



    Pistole, Reservemagazin, Putzstock und Tasche: 31,20 RM



    Kommen noch die Umsatzsteuer von 78 Pfennig (übrigens: 2,5% - das waren Zeiten!) und eine Verpackungspauschale von 20 Pfennig on Top.



    Vergleicht man den Preis von Pistole nebst Zubehör von 31,20 RM mal mit der Sauer-Preisliste vom November 1940:


    Preisliste_57_1stApril1938_Nov1940_07_854.jpg


    dann stehen sich dort folgende Endkunden-Preise gegenüber:



    Pistole: 40,- RM


    Reservemagazin: 2,25 RM


    Tasche: 4,30 RM



    Summe: 46,55 RM



    Die Preise des Heeres waren also um einiges günstiger - ich gehe davon aus, dass dem Hauptmann Peter lediglich der Einkaufspreis weiterberechnet wurde.



    An der Rechnung ist weiter der Hinweis auf „A. H. M. 41 Ziffer 1192“ interessant. Mit „A. H. M.“ sind die „Allgemeinen Heeresmitteilungen“ (im Folgenden: AHM) gemeint, welche vollständig digitalisiert hier abrufbar sind:



    https://invenio.bundesarchiv.d…5-4536-9358-606a3c4b4ecd/



    Hinweis: um die einzelnen Jahrgänge einsehen zu können, muss man vorher den Popup-Blocker des Browsers deaktivieren.



    Auf S. 631 des Jahrgangs 1941 findet sich dann die erwähnte Ziffer 1192:



    AHM_1941_S631_Ziff1192_854.jpg


    Demnach wurden ab Dezember 1941 monatlich 600 Stück der Pistole Sauer & Sohn, Modell H an Offiziere abgebgeben - zum festgesetzten Preis von 31,20 RM. Zuständig war ausschließlich das Feldzeugkommando XII (Wiesbaden), zu dem auch die Heeresstandortkasse Mainz gehörte.



    Doch bereits im Januar 1942 ruderte man stark zurück, wie sich aus Ziffer 99 der AHM 1942, S. 70 ergibt:


    AHM_1942_S70_Ziff99_854.jpg


    Die Pistolen Sauer Modell H wurden nun nicht mehr an Offiziere des Ersatzheeres abgegeben, sondern nur noch an Offiziere des Feldheeres. Am Rande interessant: die Verpackungspauschale wurde auf 5 Pfennige festgesetzt - da hat Mainz im April 1942 doch glatt den vierfachen Betrag in Rechnung gestellt…



    Im Juli 1942 wurde der Verkauf von „Behelfspistolen“ dann komplett eingestellt - AHM 1942, S. 312, Ziffer 615:


    AHM_1942_S312_Ziff615_854.jpg


    So interessant diese Dokumente auch sind - sie werfen zwei Fragen auf:



    1. Warum geht es ausschließlich um Sauer-Pistolen? Es gibt ja genügend Soldbücher, in welchen Pistolen anderer Hersteller „aus Heeresbeständen erworben“ eingetragen wurden, insbesondere von Mauser, Walther und CZ.



    2. Warum wurde die Verkaufsaktion sehr schnell sang- und klanglos eingestellt? Auch der Verkauf von Pistolen „aus Heeresbeständen“ zu späteren Zeitpunkten ist ja durch Soldbücher belegbar.



    Jedenfalls konnte sich Hauptmann Peter von der Feldpostnummer 18435 (= 2. Kranken-Kraftwagen-Zug 205 bzw. Kranken-Kraftwagen-Kompanie 205) glücklich schätzen, dass er zu den Wenigen gehörte, die eine solche „Sonderauktion“-Sauer zu einem sehr attraktiven Preis erwerben konnte - auch wenn er 15 Pfennige mehr zahlen musste, als offiziell festgelegt.



    Gruß



    sauerfan

  • Hallo Günter,


    schön, mal wieder was von Dir zu hören!


    Zu 1: ja, ich habe ich alle in Betracht kommenden Jahrgänge der AHM durchgeforstet - ansonsten kein einziger Eintrag bzgl. des Verkaufs von Pistolen.


    Zu 2: na, ich weiß nicht so recht. Dafür gibt es einfach zu viele Soldbuch-Einträge, sogar als Stempel oder mit vorgefertigten Einkleber, Text:



    „Inhaber hat am ….. 1942


    1 (Mauser, Walther, Sauer und Sohn) Pistole Kal. …. vollst. Nr. …..


    Käuflich aus Heeresbeständen erworben.


    Die Pistole ist Eigentum des Inhabers.“



    Bei dem mir vorliegenden Bild eines solchen Aufklebers ist lautet das Datum 19. September 1942, die Namen „Mauser, Walther“ wurden gestrichen, das Kaliber mit „7,65“ angegeben und natürlich die SN der Pistole eingetragen.


    Gruß



    Martin