Vorstellung kleiner Nachlass 45.ID. Gefecht bei Oleszyce 15-16.09.1939

  • Werte Sammler Kollegen


    Aufgrund meiner derzeitigen Corona Erkrankung und der daraus folgenden Quarantäne habe ich nun endlich Zeit euch einen kleinen aber aber dafür hoch interessanten Nachlass vorzustellen.


    Kurz zu meinem Sammelthema:


    Aufgrund familiärer und geographischer Gegebenheiten ( mein Urgroßvater diente in der Division und Teile wurden wurden in meiner Heimatstadt aufgestellt ) ist die 45. Infanterie Division seit mehrere Jahren eines meiner Sammelgebiete. Der Schwerpunkt besteht hierbei aus Urkunden, Nachlässen und Portraitfotos.

    Wie jeder der genau eine Einheit oder Division sammelt, musste auch ich feststellen wie schwierig und langwierig es ist an gesuchte Stücke zu kommen. Deshalb löst ein einzelnes Portraitfoto oder eine einfache KVK Urkunde schon mal große Freude aus und diese Gruppe ganz besonders.



    Hierbei handelt es sich um die Gruppe des Unteroffizier Roman Lehner welcher im Infanterie Regiment 133 diente und für die Gefechte bei Oleszyce das VwA in schwarz und wahrscheinlich auch das EK 2. Klasse bekam.


    Die Gruppe besteht aus:

    • Verleihungsurkunde Eisernes Kreuz 2.Klasse ausgestellt am 4 Dezember 1939 (Materna Generalleutnant)
    • Vorläufiges Besitzzeugnis Verwundeten Abzeichen in Schwarz ausgestellt am 15.01.1940 für seine am 15.09.1939 erlittene Verwundung (Geiger Oberstleutnant?)


    Leider ist mir bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mehr über diesen Soldaten bekannt, da bis auf die beiden Urkunden nicht mehr dabei war und sich eine weiter Nachforschung als schwierig gestaltet.


    Nichts desto trotz war der Zeitraum rund um den 15 September 1939 maßgebend für die 45.I.D.. Zu diesem Zeitpunkt war sie in die ersten Gefechte im Raum Oleszyce verwickelt und erhielt dort auch ihre Feuertaufe Feuertaufe.


    Aber alles von Anfang an:


    Pünktlich am 1. September 1939 überschritt die 45.ID. im Rahmen der 14. Armee von Tschechien, Friedeck (Frydek-Mistek) kommend die polnische Grenze bei Teschen (Cieszy). Danach bewegte sie sich ohne großen Widerstand nach Bielitz, südlich an Krakau vorbei weiter nach Tarnow . Durch das schnelle vorpreschen der Einheiten des XXII. PzKorps welches bereits am 11.09 den San überquerte, vergrößerte sich der der Abstand zur 45.ID. welche trotz ausdauernder Marschleistung erst bei Rzeszow war. Am 13.09 überquerte die Division ostwärts von Jaroslau den San. Zum jetzigen Zeitpunkt betrug der Abstand zur Panzerspitze schon 70 km. Am 14.09 erreichte die Division mit allen Marschgruppen Oleszye. Aufgrund der Befragung von Gefangen brachte man in Erfahrung das sich in den Wäldern nordwestlich von Oleszyce kampfkräftige feindliche Teile aufhielten. Die Führung ging jedoch von versprengten Teilen aus, was sich nicht bestätigte.


    15. September 1939:


    06:00 Uhr: Griffen die polnischen Teile die Dachnow-Futory-Uszkowce Linie mit voller Kraft an. Dabei war die II./I.R.130 gerade beim Kaffee-Empfang. Zum Glück wurde die Sicherung noch nicht aufgehoben und so konnten die Stöße abgefangen werden. Wäre die Division schon im Marsch, wäre ein Durchbrechen wahrscheinlich geglückt.


    Bei Dachnow lag das I./I.R.130 nun in verbissene Gefechte. Deshalb wurde das II./I.R.130 zur Unterstützung angefordert mit dem Aufgabenbereich in den Wald nördlich von Futory einzudringen und den in Dachnow kämpfenden Truppen Entlastung zu bringen.

    Zwischen Futory und Uszkowce trat das III./I.R. 133 mit nördlicher Stoßrichtung an. Sie mussten dabei offene Wiesenflächen überqueren welches den Polen ein gutes Schussfeld gab. Auch kam es hierbei zu Kämpfen Mann gegen Mann was in Handgranaten Duellen endete.


    Gegen 10:00 Uhr war der Kampf auf ganzer Linie entbrannt und es ergab sich Folgendes Gliederung:


    • Am linken Flügel befand sich das I.R.135
    • In der Mitte der Front das I.R.133
    • Rechts das I.R.130
    • Nördlich von Oleszyce I./A.R.98 / südlich des Ortes I./A.R.99
    • Südlich von Dachnow II./A.R.98

    Am Nachmittag wurden dann das I./I.R.130 und das II./.I.R.133 über Cieszanow nach Platzow dirigiert um zu vermeiden das der zurück gedrängte Feind weiter nördlich einen weiteren Angriff versuchte.


    14:00 Uhr: Dem Divisionskommandeur wurde folgender Befehl mitgeteilt " 45. Division wirft den Feind nach Nordwesten bis an die Waldränder zurück. Die Straße Jaroslau-Cieszanow ist für das XVII. Korps offenzuhalten. "

    16:00 Uhr: Versuch der Polen noch einmal beim III./I.R.133 durchzubrechen weshalb das Bataillon etwas Südlich ausweichen musste. Nachdem das I./I.R.135 zwischen Oleszyce und Uszkowce eine Auffangstellung auf baute, gelang es endlich den feindlichen Stoß aufzuhalten.

    17:30 Uhr: Starkes Gewitter setzte ein welches die Kampfhandlungen aufgrund von Sichteinschränkungen auf beiden Seiten zum erliegen brachte.

    Die Nacht verlief ruhig.


    16. September 1939


    04:55 Uhr: Der Gegenschlag der Division erfolgte in Form eines vernichtenden Artilleriefeuers der gesamten Divisions-Artillerie gegen die polnischen Waldstellungen. Eine Viertelstunde später griffen alle drei Infanterie Regimenter auf ganzer Front den Gegner an. Dieser merkte das hier kein Durchbruch glücken konnte und gab seinen Widerstand langsam auf.

    11:00 Uhr: Ein deutscher Aufklärer stellte allgemeine feindliche Rückzugsbewegungen Richtung Norden fest. Zur Mittagszeit wurde der Nordrand des Waldes erreicht.


    Dieser Sieg trug unter anderem dazu bei, dass es der polnischen Armee nicht gelang ein Ventil Richtung Süden aufzureißen. Darin lag nämlich die Bedeutung dieses Angriffes.


    Obwohl die Gefechte nur kurz andauerten und den Vormarsch der Truppen im allgemeine auch kaum beeinträchtigten, waren es für die 45.ID trotzdem zwei sehr verlustreiche Tage. Insgesamt vielen 7 Offiziere und 117 Unteroffiziere und Mannschaften. Dies hatte zur Folge das der Hauptverbandsplatz, welcher sich in der Schule von Oleszyce befand derart überfüllt wurde das auf die Kirche ausgewichen werden musste.

    Ein weitere Stummer Zeuge dieses Gefechtes ist das Sterbebild des Soldaten Karl Haidinger aus Fischlham (OÖ) stammend welcher die Gefechte nicht überlebte und einer der ersten Gefallenen der Division war. Er starb am 16.09.1939 laut dem Gefallenenregister der Division (laut Sterbebild 15.09?) im Raum Uskowce-Oleszyce an einem Granatsplitter im Rücken. Gut möglich das er Roman Lehner kannte oder die Beiden im Bataillon oder der gleichen Kompanie kämpften.



    Zum Schluss möchte ich mich noch bei demjenigen Sammlerkollegen bedanken, der mir mit dem Kauf dieser Gruppe ermöglichte meine Sammlung wieder um ein weiteres geschichtsträchtiges Stück zu erweitern.


    Hoffe ich treffen den Geschmack der in diesem Unterforum anwesenden Lesern


    Tobias

  • Guten Morgen.


    Mit sehr großem Interesse habe ich Deinen Bericht gelesen. 2 sehr interessante früher Urkunden zeigst Du uns hier.


    Besten Dank und weiterhin viel Erfolg bei der Suche nach Gruppen "Deiner" Division.


    Gruß

    Dirk

    *** Ich suche die Ehrenlisten (Pokal) der Deutschen Luftwaffe vom 26. Oktober 1942 und 12. April 1943 ***

    *** Außerdem die Ehrenlisten (DKiG) der Dt. Luftwaffe vom 27. Juli 1942, 23. November 1942, 1. Februar 1943 und 6. März 1943 ***

  • Hallo,


    interessante Gruppe mit frühen Verleihungen und sehr ausführliche Vorstellung.

    Vielen Dank dafür, man merkt, das Du im Thema stehst.


    Ein paar weitere Infos:

    Roman Lehner wurde am 14.07.1919 in Püchberg (Wels, Oberhaid) geboren.

    Seine EKM hatte die Nr. -539- 4./I.E.Btl.130.

    Im Dezember 1940 wurde aus Teilen der Inf.Rgt. 130, 133 und 135 das Inf.Rgt. 227 der 100. leichten Inf.Div. aufgestellt.

    Roman Lehner kommt in die 3.Kp. des Inf.Rgt. 227 und kämpft mit diesem im Ostfeldzug. Am 06.08.1941 wird er bei Golowanewsk durch ein Artilleriegeschoss am rechten Arm verwundet und wird auf HVPl. 2/100 versorgt.

    Die Verwundung ist jedoch nicht so schwer und er kehrt zum Rgt. zurück.

    Am 05.10.1941 aber verlässt ihn sein Soldatenglück und er fällt durch Kopfschuss in Kotschubejewka/Ukraine, 45 km nordöstlich Poktawa, wo er an der Kirche begraben wird.


    Gruss.


    PS: Alles Gute für Dich.

    Suche Fotos / Fotoalben / Urkunden / ganze Nachlässe der schweren Panzerjägerabteilung 560 (Nashorn/Jagdpanther) & KG zbV 323 / Transportgeschwader 5 (Me 323 "Gigant") - norman-bates-motel@web.de