Beiträge von matthias_AC

    Schöne kleine Gruppe. Ich bin nicht groß an der Historie anderer Schlachtfelder außer der späten Westfront interessiert, aber Cassino bildet da eine Ausnahme, solche Papiere haben einen festen Platz in meiner Sammlung. Absolut beeindruckend, besonders wenn man selber mal vor Ort war und sich die geographisch-topographischen Gegebenheiten angeschaut hat.


    Interessant auch die extrem späte Verwundung, die buchstäblich in "letzter Minute" am Monte Cassino erfolgt sein dürfte.


    Die gestempelte Heidrich-Unterschrift ist typisch für den Zeitraum, bis ca. Ende 43 hat er noch von Hand unterschrieben. Auch alle meiner Cassino-EK-Urkunden tragen diesen Stempel.

    Hallo zusammen,


    nach Monaten der Abstinenz habe ich am Wochenende endlich mal wieder ein Soldbuch erhalten, dessen Vorstellung sich wirklich lohnt und das wie die berühmte Faust aufs Auge in meine Sammlung passt. Ich habe die sonntägliche Ruhe genutzt, um ein wenig zu recherhieren und meine Ergebnisse in einem kleinen, hoffentlich ansprechenden Text zu präsentieren. Leider kommt ich heute erst zum Einstellen.


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    Heinz Franzen wurde am 2. Januar 1926 in Nierenhof bei Essen geboren. Kurz nach seinem 18. Geburtstag wurde er zur Kriegsmarine eingezogen und der 3. Kompanie der 19. Schiffsstammabteilung zugeteilt, die interessanterweise nicht an der Küste, sondern in Diedenhofen (Elsass) stationiert war. Das Foto im Soldbuch zeigt Franzen in der Uniform der Kriegsmarine.


    Das Schicksal sah für Franzen jedoch weder den Einsatz auf einem U-Boot noch auf einem anderen schwimmfähigen Untersatz vor. Der Kriegsverlauf und die bedrohliche Lage der Landstreitkräfte in Ost und West, insbesondere der schwer geschlagenen Infanterie-Divisionen, zwangen die militärische Führung, Personal von den ohnehin fast obsolet gewordenen Teilstreitkräften Kriegsmarine und Luftwaffe abzuziehen und den Fronttruppen des Heeres, hier insbesondere den neu gebildeten Volksgrenadier-Divisionen, zuzuteilen. Franzen war Teil dieser als „Dönitz-Spende“ bekannt gewordenen Aktion.


    Sein Weg führte ihn jedoch nicht auf direktem Wege zur einer der Volksgrenadier-Divisionen. Zunächst erhielt er eine infanteristische Ausbildung beim Grenadier Ersatz Bataillon 72 in Pardubitz (heute Tschechien), bevor er der 1. Kompanie des Festungs MG Bataillon 54 zugeteilt und mit dieser Einheit im Herbst 1944 an die Westfront geschickt wurde.


    Leider ist mir über das Festungs MG Bataillon 54 nicht viel bekannt, die anfänglichen Einsätze liegen völlig im Dunkeln. Ich vermute aber, dass die Einheit von Beginn an in der Umgebung von Aachen stand und kämpfte, denn sicher belegbar ist die Eingliederung des Bataillons in die 246. Volksgrenadier-Division, die in der 2. Aachen-Schlacht so schwer geschlagen wurde, dass sie ohne die Zuführung anderer Einheiten nicht einmal mehr zur Abwehr geeignet gewesen wäre. Divisionen absorbierten in der Regel kleinere Einheiten, die in ihrer unmittelbaren Umgebung eingesetzt waren. Dass das Festungs MG Bataillon 54 in der 246. VGD aufging, belegt ein Zeitschriften-Artikel aus der Nachkriegszeit von Oberst Gerhard Wilck, der bis zu seiner Gefangennahme nach der Kapitulation von Aachen Kommandeur der 246. VGD war. Wilck schreibt:


    „In die neue 246. Division werden […] in dieser Zeit folgende Resteinheiten eingegliedert: […] und ab 5. November MG-Batl. 54.“


    Interessant sind auch Wilcks Ausführungen zur Kampfstärke der eingegliederten Einheiten:


    „Die einzelnen Gruppen sind nicht mehr voll kriegsverwendungsfähig. So ist das Durchschnittsalter des MG-Batl. 54 über 40 Jahre. Zahlenmäßig entsprechen die als ,Bataillon´ bezeichneten Formationen im Durchschnitt etwa einer kriegsstarken Kompanie.“


    Dieser These folgend, dürfte das MG Bataillon 54 damit eine sogenannte „Eintopf“-Einheit gewesen sein, wie es im damaligen Landser-Jargon hieß: „altes Fleisch und junges Gemüse“. Der 18-jährige Heinz Franzen wird wohl einer der jüngsten seiner Einheit gewesen sein.


    Nachdem die 246. Volksgrenadier-Division aus der Innenstadt von Aachen herausgedrängt worden war, zog sie sich kämpfend in Richtung Köln zurück, verteidigte aber fast den kompletten November über die östlichen Vororte von Aachen unweit der Rur. Diese Gegend sollte auch Heinz Franzens Schicksalsort werden: Am 17. November 1944 fiel der junge Matrose/Grenadier, als seine Einheit die Linie Puffendorf – Setterich – Bettendorf nordöstlich von Baesweiler hielt.


    Oberst a. D. Wilck berichtet über Franzens Todestag:


    „Am 17. November setzte der Feind seinen Großangriff seit 6.30 Uhr früh pausenlos unter Fliederunterstützung mit Schwerpunkt bei der 246. Division fort. Im Nordabschnitt wird um Setterich hart gerungen. Nachdem es sechsmal den Besitzer gewechselt hat, geht es am 19. November endgültig verloren. […] Am 17. November können die Einbruchstellen überall abgeriegelt, die HKL im großen gehalten werden. Im ganzen werden neun starke Panzerangriffe abgeschlagen. Sieben Einbrüche in die HKL werden im Nahkampf bereinigt. In den späten Abendstunden dieses Tages rollt der Feind, nach einstündigem Trommelfeuer aus Höngen nach Norden mit Infanterie und Panzern auf Bettendorf vorstoßend einen Teil der HKL auf. Ein aus Schleiden auf Höngen angesetzter Gegenstoß bricht im Feindfeuer zusammen.“



    Starb Franzen im mörderischen Artillerie-Trommelfeuer der Amerikaner, im brutalen Häuserkampf Mann gegen Mann oder war er Teil der Gruppe, die den Gegenstoß auf Bettendorf führte? Es wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben, welche dieser Ereignisse das Leben des schüchtern dreinblickenden Jungen aus dem Ruhrgebiet beendete.


    Heinz Franzen ruht heute auf dem Ehrenfriedhof Ysselsteyn, dem einzigen deutschen Militärfriedhof der Niederlande, neben beinahe 32.000 Kameraden, die dasselbe schreckliche Schicksal teilten.


    Dem Soldbuch lag als eindrücklicher Zeuge Franzens halbe Erkennungsmarke bei, deren Nummer identisch ist mit der im Soldbuch eingetragenen. Die andere Hälfte wird beim Toten verblieben sein.



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    Ein kleiner Nachlass, der nachdenklich-bescheiden macht und mir tatsächlich beim ersten Betrachten einen Schauer über den Rücken jagte.



    Viele Grüße,



    Matthias

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    Hallo,


    diese Büste stammt aus demselben Haushalt wie die beiden Reservistenkrüge, die ich vorhin eingestellt habe. Auch hier habe ich wieder kaum Plan und würde gerne die Meinung der Kenner hören.


    Das Ding ist wiegt aufs Gramm genau ungeschmeidige 16 Kilogramm und ist 47cm hoch. Was auch immer das Kernmaterial ist, es ist ummantelt mit einer Art Gips (oder etwas anderem, das bei Kratzen mit dem Fingernagel zu Pulver zerfällt. Insgesamt ist die Qualität der Arbeit meiner Meinung nach so schlecht, dass ich als Laie auch hier von einer höchstens semi-professionellen Arbeit ausgehe. Der Wert dürfte wohl dementsprechend gering sein.


    Meinung gerne gelesen!



    Gruß,



    Matthias

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    Gut, dann schränke ich ein: Das WAF stirbt streckenweise. Ich treibe mich in aller Regel nur in den Papier-Unterforen herum, und da fällt mir seit geraumer Zeit auf, dass kaum noch gepostet wird und die Beteiligung an den wenigen Threads im Vergleich zu früher mehr als mager ist. Das WAF hatte monatelang massive Softwareprobleme, die sicher für viele User ein Abturner waren. Auch die neue Software dürfte nicht ganz unschuldig sein (siehe die Diskussionen damals hier im Forum nach Einführung der neuen Nutzeroberfläche).

    Hallo,


    diese beiden Reservistenkrüge stammen aus der Haushaltsauflösung der Eltern eines Freundes. Da ich absolut keine Ahnung von der Materie habe, würde ich sie gerne bestimmen lassen.


    Beide sollen laut Aussage des Vaters meines Freundes aus Belgien stammen, wo er sie als Jugendlicher (50er/60er Jahre) erworben haben will. Ob das stimmt, ist nicht mehr nachprüfbar. Da beide Krüge identisches Dekor und Machart aufweisen, könnten sie aus derselben Quelle (oder besser: Fälscherwerkstatt) stammen, was für mich deutlich auf Kopien hinweist. Auch die Tatsache, dass beide dasselbe Bodenbild haben, spricht meiner Meinung nach für Kopien. Aber abschließend würde ich trotzdem gerne die Meinung der Experten hören.


    Vielen Dank vorab!



    Matthias

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    Spar dir die 35€... das Forum liegt meines Erachtens nach in den letzten Zügen.


    Falls du doch in eine Leiche investieren willst: Kontaktiere Dave Suter, er wird dir eine PayPal Adresse geben, an die du das Geld transferieren kannst.

    Name, Anschrift, Telefonnummer und eMail-Adresse


    Dazu vielleicht noch die Körbchengröße meiner Freundin...

    Zeige und beweis mir mal, wie Ihr den Datenschutz gewährleisten wollt ?!

    Ich unterstelle nichts, aber jetzt wird es langsam zu viel !!!

    Völlig vermessen, hier jemanden, der einfach die behördlichen Auflagen umsetzt und damit die Veranstaltung überhaupt erst möglich macht, derart anzugehen... bleib doch zuhause, wenns dir nicht passt.


    Ich würde gerne dabei sein, könnte aber beruflich bedingt erst Samstag einreiten, und da ist erfahrungsgemäß der Ofen schon mehr als aus.

    Sehr spannend, vielen Dank fürs Zeigen! Das ist in der Tat eine Rarität!


    Mir sind zwei kleine Soldbuch-Gruppen von Soldaten des Grenadier-Ersatz-Bataillons 473 bekannt, denen am selben Tag das Infanterie-Sturmabzeichen verliehen wurde (beide Gruppen mit Urkunde zum ISA). Leider nicht in meiner Sammlung...

    Weiter geht's!


    Aus aktuellem Anlass suche ich momentan auch:


    - Wehrpässe und Papiere mit starkem Belgien-Bezug (1940)


    - Soldbücher/Wehrpässe Westfront 1944/45 mit eingetragenen Nahkampftagen (auch Einheiten, die in Post #1 nicht genannt sind, Hauptsache Westfront)


    - Soldbücher, Wehrpässe und Gruppen mit starkem Bezug zu Holland 1944/45