Beiträge von Stucki

    Covenant, den meisten hier wohl bekannt (obschon abtrünnig geworden…J), sagte mir einmal, aus seiner Sicht sei Zubehör in einer Waffensammlung das "Salz in der Suppe". Dem kann ich nur zustimmen: Ohne Anleitungen und Reglemente, Patronen und Munitionspackungen, Putz- und anderes Werkzeug etc. stellt eine Sammlung meines Erachtens nur eine recht fade Ansammlung von Waffen dar.


    Da in der Schweiz militärische Handfeuerwaffen immer auch zum Sportschiessen genutzt wurden, sind Kornschieber ein typisches Waffenzubehör für eine Schweizer Ordonnanzwaffensammlung. Kornschieben sind in der Schweiz deshalb häufig anzutreffen, für Gewehre und Pistolen. Es gibt eine Vielzahl von Varianten und Ausführungen, wobei die Hersteller in der Regel unbekannt sind. Auch die Datierung beruht meistens auf Vermutungen. In der Waffenliteratur finden Kornschieber keine oder nur am Rande Erwähnung.


    Ich möchte hier vier verschiedene Kornschieber für Schweizer Parabellum-Pistolen vorgestellt. Diese passen selbstverständlich auch für andere Parbellum-Modelle mit derselben Laufmündung. Von keinem dieser Kornschieber ist bekannt, wann und vom wem er hergestellt wurde. Im Standard-Werk von Görtz und Sturgess zur Parabellum-Pistole findet die Abbildung eines Kornschiebers, der weitgehend einem der hier vorgestellten entspricht (Nr.2) . Dieser ist markiert mit "Hoffmann Neuchâtel". Vermutlich handelt es sich hier aber um eine Angabe zum Händler und nicht zum Hersteller (Görtz Joachim und Sturgess Geoffrey L., The Borchardt & Luger Automatic Pistol, Bd. I,II,III, Galesburg und Egg 2011, S.1626).


    Kommentare und Ergänzungen und vor allem das Vorstellen weiterer Kornschieber für Parabellum-Pistolen (nicht nur schweizerischer Provenienz) wäre sehr willkommen.


    Stucki


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    Die Pistolenpatrone 03 (Pist Pat 03) ist die 7,65mm Para der Schweizer Armee. Im Verlauf der über 100jährigen Produktionszeit hat die Patrone verschiedene Entwicklungen durchlaufen.


    Am 13.1.1955 wurde der Geschossmantel Tombak plattiert und das Zündhütchen blau eingefärbt. Das zur besseren Unterscheidung von der Pist Pat 41 (9mm Para der Schweizer Armee). Um 1971 erhielt die Patrone wieder ein Kupfernickel plattiertes Geschoss und Ende 1982 ging man zurück zu den blanken Zündhütchen. Das ist unter Sammlern soweit bekannt.


    Neu für mich ist, dass in den 1970er Jahren vorübergehend Pist Pat 03 mit Kupfernickel plattierten Geschossen und blanken Zündhütchen produziert wurden. Mir bekannt sind solche Patronen mit Hülsen Produktionsjahr 1977 und 1979 (Bodenstempel 77 und 79 auf Position 6 Uhr). Auf den beiliegenden Bildern ist das jeweils die Patrone in der Mitte.


    Falls jemand in seinem Fundus Pist Pat 03 aus den 1970er Jahren hat, wäre ich dazu an folgenden Informationen interessiert:


    • Bodenstempel, v.a. Position 12 Uhr (Herstellungsmonat) und 6 Uhr (Herstellungsjahr),
    • Geschossfarbe (Tombak oder Kupfernickel)
    • blaues oder blankes Zündhütchen


    besten Dank für jede Rückmeldung!


    Alexander

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    hast Du die Masse einer solchen Patrone? Die Abmessungen meiner Patrone sind m.E. recht weit von der 7,92x57mm entfernt: Hülse unten 11,9mm - "Geschossdurchmessser": 7,2mm -7,3mm - Länge über alles 78,9mm

    Kann mir jemand sagen, worum es sich bei dieser "Patrone " handelt. Diese schwarze "Patrone" ist aus Stahl gefertigt und entspricht hinsichtlich der äusseren Abmessungen ziemlich genau einer Schweizer 7,5mm Gewehrpatrone GP 1890. Länge stimmt genau, der Durchmesser ist im Bereich der Hülse und des Geschosses leicht geringen als bei der GP 1890.


    Stucki

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    Das ist ein Original der 17. Auflage von 1940. Die Ausgaben aus der 1950er Jahren sind aber keine Nachdrucke, sondern lediglich neue, aufdatierte Auflagen. In der 20. Auflage von 1952 finden wir z.B. auch die SIG P210-4 des BGS.


    M.E. ist das Waffentechnische Unterrichtsbuch von Schmitt nicht so selten. Unter ZVAB sind derzeit gerade 3 Exemplare aus den 1950 Jahren (45-95 Euro) und eines von 1929 (120 Euro) zu finden.

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    m.W. ist das ein interner Abnahme- „oder-was-auch-immer“-Stempel von Mauser. Der findet sich auf verschieden Waffen an unterschiedlichen Stellen. Es scheint, dass dieser Stempel während der Produktion für die Franzosen bei den HSc als Abnahmestempel diente.

    Der Stempel findet sich recht häufig auf Mauser-Waffen. Fast alle „französischen“ HSc weisen diesen Stempel an dieser Stelle auf (manchmal auch noch auf dem Lauf) - für diese Pistole also völlig korrekt.

    Besten Dank für die Glückwünsche - hatte meine alte Liebe zu den Mauser Taschenpistolen in letzter Zeit etwas vernachlässigt - hier konnte aber ich einfach nicht widerstehen...

    Schnäppchen beim lokalen Büchsenmacher: recht frühe Mauser 1914 (SN 23071) mit der üblichen militärischen Abnahmen, Holster und Reservemagazin. Die Tasche weist einen schlecht lesbaren Stempel auf (real noch besser zu lesen als auf dem Bild). Oberste Zeile "WUNDERLICH" und dann folgen noch einige unlesbare Buchstaben, darunter "BERLIN" und zuunterst "1915".


    Waffe und Tasche in recht gutem Originalzustand, scheint zusammengehörig zu sein.


    Da ich von Lederwaren nur wenig verstehe, könnte sich jemand zur Tasche äussern:

    • Ist das eine übliche militärische Tasche aus dem Weltkrieg?
    • Meines Wissens gab es einen Hersteller von Pistolentaschen mit Name Wunderlich in Berlin, was aber könnte auf dem Stempel hinter dem Namen Wunderlich stehen bzw. gestanden haben?

    Stucki


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    Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs führte die Schweizer Armee Gewehrgranaten (Gefechtskopf mit Hohlladung) zur Panzerbekämpfung ein. Die (Panzerwurfgranate 44 (Pz-WG 44) und das Nachfolgemodell von 1948 (PZ-WG 48) wurden ab Karabiner 11 und 31 verschossen. Nötig waren dazu ein Schiessbecher und ein spezielles Magazin. Später kam noch eine Gewehr-Nebelgranate dazu. Zu Übungszwecken standen wiederverwendbare Exerzierwurfgranaten zur Verfügung (zwei verschiedene Modelle). Angetrieben wurden die Gewehrgranaten von einer speziellen Patrone, der Gewehr-Treibpatrone 44 (Gw Trieb-Pat 44).

    Zusammen mit dem Sturmgewehr 57 führte die Schweizer Armee eine neue Generation von Gewehrgranaten ein: Hohl-Panzergranate 58 (Hohlladung zur Panzerbekämpfung), Stahlgranate 58 (Splitterwirkung) und Nebelgranate 58. Dazu kamen Übungsgranaten (UG 58) sowie ein Gewehr-Schnur- und Kabelwurfgeschoss (Leinen- bzw. Kabelwurfgerät auf der Basis der UG 58). Die Gewehrgranaten 58 verfügten im Gegensatz zu den Panzerwurfgranaten 44 und 48 über einen Raketenantrieb (sogenannter Zusatzantrieb). Die Treibpatrone 44 diente nur noch der Zündung des Raketenantriebs. Durch Einführung eines speziellen Zapfens konnte die Zündung des Raketenantriebs verhindert werden und die Granate wurde nur noch durch die Treibpatrone angetrieben. Praktische Bedeutung hatte das vor allem für die Ausbildung. Zu Übungszwecken stand eine wiederverwendbare UG 58 ohne Zusatzantrieb zur Verfügung.


    Im Folgenden möchte ich die verschiedenen Gw Treib-Pat 44 und einige Packungen kurz vorstellen.

    Die ersten Ausführungen aus dem Jahr 1944 hatten noch dieselbe Länge wie Gewehrpatrone11 (GP 11). Davon gibt es zwei verschiedene Ausführungen, die erste ohne Würgung im oberen Hülsenbereich ist sehr selten. Vermutlich befürchtete man Verwechslungen mit der GP 11 und machte deshalb die Patrone etwas kürzer. Die Magazine wurden inwendig entsprechend angepasst, so dass sie keine GP 11 mehr aufnehmen konnten. Diese verkürzte Ausführung blieb bis zur Ausserdienststellung der Gewehrgarnten 58 unverändert im Einsatz. Es gibt Gw Treib-Pat 44 mit einem blauen Ring; hier handelt es sich vermutlich um Patronen für den Einsatz des Gewehr-Schnur- und Kabelwurfgeschosses (dieses gehörte zur Kategorie der Hilfsmunition, die Kennfarbe der Hilfsmunition ist blau). Warum diese Patronen speziell gekennzeichnet wurden, ist mir nicht bekannt. Zum Üben der Manipulationen gab es noch eine spezielle Manipuliertreibpatrone. Auch inerte Patronen wurden hergestellt.


    Patronen von links nach rechts: frühe Ausführung ohne Würgung (Februar 1944), frühe Ausführung mit Würgung (Juli 1944), Standardausführung (August 1978), Patrone für Kabelwurfgeschoss (September 1979), Manipulierpatrone, inerte Patrone (Juli 1965)


    Die hier abgebildeten Packungen beinhalten alle die kurze Standardausführung der GW Treib-Pat 44.


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    dieser Absatz ist mir noch gar nie aufgefallen - eine unentschuldbare Nachlässigkeit... :)


    Bei meinen Sidelatches fehlt er nur bei den beiden frühen Varianten (SN 198 und 1410).


    Beiliegend noch eine grüne Sidelatch-Schachtel mit Goldaufschrift.


    Alexander


    PS: eine Sidelatch-Anleitung fehlt mir noch, wer eine zuviel kann sich ja bei mir melden :)

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    nur damit keine Missverständnisse entstehen - die SN 14 ist nicht Teil meiner Sammlung. Meines Wissen gehört sie zu jenen Waffen, die nach der Auflösung der Sammlung Sturgess in Europa verblieben und nicht bei Julia Auctions versteigert wurden.


    Das "Röllchen" ist die sogenannte Rückstosspufferfeder, ein Konstruktionselement des Modells 1909, das dann bei den Waffen aus der Serienproduktion (Modell 1910) wegfiel.