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Alt 02.06.2008, 19:50   #1
nimbus0
 
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Standard Lasch-Bunker in Königsberg

Der unterirdische Militärbunker, heute die Filiale des Kaliningrader Museums für Geschichte und Kunst, ist ein historisches Denkmal aus den Zeiten des Zweiten Weltkrieges.

März - April 1945 befand sich in diesem Bunker der Stab des Generals Lasch, der die Festung Königsberg verteidigen, bzw. bis zum letzten Mann halten sollte.

Am 9. April um 9:00 wurde die Kapitulationsurkunde in diesem Bunker unterzeichnen. Das Ringen um Königsberg war zu Ende.

Die Ausstellung ist den Tagen der Einnahme vom 6. bis 9. April gewidmet. In einem der 21 Bunkerräume ist ein genau rekonstruiertes Zimmer des Kommandanten der Festung Königsberg, General Otto Lasch, zu sehen, in welchem die Kapitulationsurkunde unterzeichnet wurde.
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Nimbus
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Alt 02.06.2008, 20:12   #2
nimbus0
 
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Standard Lasch-Bunker in Königsberg

Oberirdisch gibt es logischerweise nicht viel zu erkennen. Ein- bzw. Ausgang sind überdacht.

In der Literatur heißt es manchmal fälschlicherweise, der Stab hätte sich im Keller der Universität aufgehalten. Der Bunker befand sich jedoch VOR der Universität im Königsgarten. In der Mitte des Königsgartens befand sich das Reiterstandbild, welches 1946 noch dort stand. Im linken Teil des Gartens, bzw. darunter befand sich der Bunker.
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Nimbus
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Alt 02.06.2008, 21:54   #3
nimbus0
 
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Standard Lasch-Bunker in Königsberg

Etwas Vorgeschichte (Lasch, H.Schön, W.Paul...)



"..Wer jetzt noch fiel, der war das Lamm, das zuletzt noch erwürgt wurde, und nur die Offenbarung Johannis, an die wenige glaubten, konnte es würdig nennen, "zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob".

Solcher Glaube würde vielleicht den Nachfahren dieser Getöteten helfen, ihnen half er nicht.

Nicht der Fall vieler Städte im Westen des Reiches wurde zum Menetekel, zum Zeichen an der Wand, sondern der Fall Königsbergs.

Für die Eroberung Königsbergs, das sich drei Monate gehalten hatte, wurde ein Drittel der gesamten russischen Luftwaffe zusammengezogen. Die dt. Flak sparte letzte Munition für den Erdkampf. Am Boden etwa 250.000 Angreifer auf 35.000 Verteidiger. 100:1 Panzer, Shermans und amerikanische Flugzeugtypen, Ausrüstung aller Art, sogar eine französische Fliegerstaffel wirkte am Endkampf um Königsberg mit.

Der Großangriff begann am 6. April, an diesem Wochenende überschütteten rund 30 Divisionen und 2 Luftflotten aus Tausenden von Rohren aller Kaliber und Stalinorgeln tagelang und pausenlos die ganze Festung mit ihren Geschossen. Welle auf Welle warfen Kampfgeschwader ihre Last auf die bald in Trümmern liegende, brennende Stadt. Die schwache Festungsartillerie hatte nichts entgegenzusetzen, kein dt. Jäger zeigte sich in der Luft.

Das Frühlingswetter mit wolkenlosem Himmel, der die Festung zu einem leichten Ziel machte, hielt auch die nächsten Tage an. Es befanden sich noch 130.000 Zivilisten in der Stadt. (Als die Bevölkerung 1948 endgültig aus Königsberg vertrieben wurd, sollen es 15.000 gewesen sein).

Lasch beantragt bei Müller, die 5. Panzer-Division von Westen her einzusetzen, nach einer Zusage wird diese am nächsten Tag wieder zurückgenommen. Auf der Lagekarte ist zu erkennen, daß Königsberg von der Straße nach Pillau abgeriegelt werden soll. Die Festung soll abgewürgt werden. Der Würgegriff bedroht am Abend des 7. April den letzten Fluchtweg aus der Stadt.

Das Schloßteichufer wird zu einer neuen Verteidigungslinie, von dort wird unaufhörlich über das Dach des Krankenhauses geschossen. Graf Lehndorf stellt fest, daß im Krankenhaus einige Menschen im Tiefschlaf liegen. Um der Ansteckungsgefahr des Selbstmordes, einer Krankheit, die jetzt ausgebrochen ist, entgegenzuwirken, hält er im Operationssaal iene Ansprache über das Bibelwort "Fürchtet euch nicht vor denen, die nur den Leib töten, aber nicht die Seele töten können..."

Lasch beantragt bei Müller die Genehmigung zum Ausbruch der Festungsbesatzung nach Westen, wobei die Zivilbevölkerung mitgenommen werden soll, das AOK in Pillau lehnt in schärfster Form ab, obwohl es der Festung nicht helfen kann.

Befehl, 8. April, General Müller, 20:00: Festung Königsberg hält. Stoßtrupps stellen Verbindung zur 561. VGD her. Diese greift von Westen mit Teilen 5. Pz.-Div an. Zwischen den Relaisketten der Stoßtrupps ist die Zivilbevölkerung durchzuschleusen.

Man befürchtet, daß ein größerer Ausbruch die Samlandfront mit in den Untergang Königsbergs reißen könnte.

Ohne Gen. Lasch zu informieren, wird der Bevölkerung befohlen, sich zum Ausbruch eine halbe Stunde nach Mitternacht auf der Ausfallstraße nach Westen zu sammeln. Das war fatal, nun konnte die
gegnerische Aufklärung die Absicht der Festungsbesatzung erkennen. Der Entsatzangriff sollte um 23:00 beginnen, um 4:00 soll die 5. PD gegen den Einschließungsring von außen vorstoßen. Der Angriff gelingt zuerst, dann bleibt er stecken. Die Zivilbevölkerung marschiert Arm in Arm auf der Ausfallstraße nach Westen, russisches Artilleriefeuer sperrt die Straße, der Führer des Ausbruches, Generalmajor Sudau, fällt, ebenso der Gauleiter-Stellvertreter (Koch war ja schon weg).

Nun fluten Zivilbevölkerung und Soldaten führungslos in die Stadt zurück. Major Lewinski bleibt mit wenigen Männern bei den Getreidespeichern liegen. "Am Tage sahen wir hinter uns die sterbende Stadt. Eingehüllt in einen Mantel von Rauch und Feuer, in den sich immer wieder die Feuerbahnen der schweren Werfergeschosse hineinfraßen. Im Abenddunkel des 9. April wölbten sich die von vielen Bränden rot angeleuchteten, schwarzen Rauchwolken über der toten Stadt. Die Festung Königsberg war untergegangen, und mit ihr die Grenadierregimenter 171 und 192 der 56. ID", schreibt Lewinski, dem es in der folgenden Nacht mit seinen Männern gelingt, die deutschen Linien westlich der Stadt zu erreichen.

In der Festung, die Lewinski hinter sich läßt, löste sich am 9. April alles in Einzelkämpfe auf, man sieht fast nur noch Einzelkämpfer, die mit ihren Handfeuerwaffen den einsickernden Gegner bekämpfen.

Die ins Krankenhaus eingedrungenen Russen raffen zusammen, was sie suchen, Uhren, Frauen, Stiefel, die Stadt ist zur Plünderung freigegeben. Am 9. April läßt Lasch an das OKH funken, daß der Kampf um Königsberg beendet sei, da Munition verschossen, Verpflegung ausgebrannt seien. Die Truppe erhält den Befehl sich einzuigeln. Am Abend wird die Kapitulation unter den Bedingungen, der vormals durch die Russen Angebotenen Aufgabe abgeschlossen. Am 10. April beginnt für die Truppe der Marsch in die Gefangenschaft.

Aus dem Wehrmachtsbericht, der den Fall Königsbergs bekannt gibt, erfahren die Deutschen, daß General Lasch zum Tode durch den Strang wegen Aufgabe der Festung verurteilt worden sei.
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Nimbus

Geändert von nimbus0 (03.06.2008 um 00:01 Uhr)
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Alt 02.06.2008, 23:10   #4
nimbus0
 
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Standard Lasch-Bunker in Königsberg

Bleibt noch zu erwähnen, daß das Todesurteil nicht mehr vollstreckt werden konnte. Lasch kam 1955 aus russ. Kriegsgefangenschaft zurück und hat seine Erlebnisse in Königsberg niedergeschrieben. Das Buch zur KGF "Zuckerbrot und Peitsche" ist relativ bekannt.

Meines Wissens ist Lasch hoch anzurechnen, daß er sich immer wieder darum bemüht hat, die Zivilisten aus Königsberg zu evakuieren, so wurde aus dem bereits Januar / Februar eingekesseltem Königsberg eine Schneise nach Pillau mit gesicherten Flanken geschlagen, um die Zivilisten zu evakuieren. In Pillau wurden über 600.000 Menschen per Seeweg abtransportiert.

Ja und halt auch weil er nicht den "Mit allen Mitteln, bis zum Letzten Blutstropfen", wie sich das für eine zur Festung erklärten Stadt gehört und wie Koch das aus der Ferne gern gehabt hätte, der danach zum AH gereist ist."

Mit dem Kapitulationsdatum auf wikipedia bin ich mir nicht so sicher.

http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Lasch
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Nimbus

Geändert von nimbus0 (02.06.2008 um 23:23 Uhr)
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Alt 02.06.2008, 23:19   #5
nimbus0
 
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Standard Lasch-Bunker in Königsberg

Hinab in den Bunker, bzw. in die Ausstellung, die hauptsächlich aus Glasvitrinen mit Dokumenten und fotos, sowie Dioramen besteht, sie soll im Jahr rund 20.000 Besucher zählen.

Die Museen haben Montags meist geschlossen
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Alt 02.06.2008, 23:20   #6
nimbus0
 
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Standard Lasch-Bunker in Königsberg

"Fluchtweg"...


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Nimbus
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Alt 02.06.2008, 23:30   #7
PK-Mann
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Standard Lasch-Bunker in Königsberg

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... toller Beitrag - danke !

Erzähl' doch mal, wie du von dieser Bunkeranlage, dem Museum, etc. erfahren hast ... bzw. wann du dort gewesen bist ... usw. und so fort

... ist von mir gerade einmal 1117 km in einer Richtung. deshalb werde ich mir den Bunker wahrscheinlich nie ansehen können ... aber man weiß ja nie, wo's einen mal hin verschlägt ...


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Alt 02.06.2008, 23:42   #8
KRAvT
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Standard Lasch-Bunker in Königsberg

Fahr ruhig mal hin, PK -Mann ..
Informativ und spannend !

Hier noch ein paar " Knipser " von mir ..
Im Bunker brennt immer Licht ..
Soll wohl heißen : Seit auf der Wacht, Russen !


Gruß
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DEN KOPF HOCH UND NICHT DIE HÄNDE !
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Alt 02.06.2008, 23:48   #9
nimbus0
 
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Zitat:
Zitat von PK-Mann Beitrag anzeigen
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... toller Beitrag - danke !


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Wenn sowas von Dir kommt, dann mach ich gerne weiter, dann ist das erst der Anfang.

Der Grund, bzw. die Basis ist diese:

http://militaria-fundforum.de/showth...i+2008&page=43
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Gruß:

Nimbus
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Alt 03.06.2008, 00:01   #10
PK-Mann
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Ahhh, das war eure Motorrad-Tour ... naja von Berlin aus sind's ja nur ca. 610 km (lt. Routenplaner)

Von mir weg ist's halt doppelt so viel ... nicht daß das meine 12er Bandit nicht machen würde, bloß die Hauptrichtung kennt sie noch nicht. Spanien, Portugal, England, Irland ... sind ihre gewohnten Ziele. Natürlich ist's nicht sooo spannend, durch zivilisierte Länder zu gurken, bloß meine Lust ... ohne Moped nach Hause zu tippeln, hält sich ein wenig in Grenzen

2004 hatte ich 150 km südlich von Turin nen kapitalen Motorschaden ... da kam sie erst drei Wochen später wieder per ÖAMTC-Schutzbrief nach Hause. Nicht auszudenken, was wie's ihr wohl in den ehem. Staaten des Warschauer Paktes ergangen wäre ... wenn überhaupt, hätt' ich wohl nur mehr ein Gerippe zurück bekommen

... ganz ehrlich, ich trau' den Brüdern nicht !

Sinnvollste Lösung wär' wohl per Fly & Drive ... wenn sie mir den Miet-Hobel klauen, wär's mir eher egal ... da wär' ich eher happig auf meine Fotoausrüstung ...
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