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Alt 01.10.2007, 08:07   #1
tague
MFF Experte für Pistolen der Wehrmacht
 
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Standard vz.24 - CZ24 - P.24(t)

Habe ich zwar schon etwas länger zu Hause, verschwand aber damals gleich im Tresor und feierte erst gestern wieder seine Auferstehung.

Die vz.24 wie sie die Tschechen nannten hat eine bewegte Entwicklungsgeschichte hinter sich. Jedem wird schon mal die Ähnlichkeit mit einer Mauser 1910/14, 1934 aufgefallen sein. Dies kommt nicht von ungefähr.
Die junge tschechische Regierung wollte eigene Waffen, hergestellt in der Tschechaslowakei, für ihre Truppen haben. Es wurden Verhandlungen mit der Fa. Mauser aufgenommen um eine eigene Produktionslinie für das Mauser System 98 zu installieren. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten konnten sich die beiden Parteien einig werden und eine komplette Fertigungslinie sollte geliefert werden. Der Montage- und Inbetriebnahmeleiter von Seiten Mauser war Josef Nickl.
Nickl, der selbst auch Waffen konstruierte, hatte schon früher die Idee aus der Mauser 1914 eine 9 Para Version mit Hilfe des Verschlußsystem des rotierenden Laufs, sowie er in der Steyr Hahn gebräuchlich war, zu bauen. Bei Mauser fand er mit dieser Idee jedoch keine Fürsprecher, hatte aber quasi einen Freibrief um damit "hausieren" zu gehen.
Bis zur vollständigen Inbetriebnahme der K98 Linie, hatte er Zeit, einige Prototypen dieser Pistole herzustellen. Er nahm damit auch an einer Ausschreibung der Regierung für eine Faustfeuerwaffe für die jungen Streitkräfte teil. Sein Entwurf war der brauchbarste und wurde mit einigen Modifikationen, unter anderem einer Kaliberänderung auf die 9mm Pistolenpatrone vz.22, einer Variante der 9mm kurz, angenommen. Am 19. April 1922 wurden 19.000 dieser Nickl-Pistole mit der Bezeichnung "Armadni Pistole vz.22" (Armee Pistole Modell 22) bestellt.
Bevor die Produkiton richtig in die Gänge kam, war auch die K98 Linie soweit, die Produktion voll aufzunehmen und so musste anstelle des bisherigen Standorts bei der Ceskoslovenske Zavody na Vyrobu Zbrani in Brünn, ein neuer gefunden werden. Die Wahl fiel auf die Ceska Zbrojovka (CZ) in Strakonice. Die ersten 18.000 Stück kamen noch aus Brünn, wurden eingeführt und noch einmal modifiziert und an die neuen Produkitonsgegebenheiten in Brünn angepasst. Dies war die Geburtsstunde der vz.24.
Folgende Kontrakte kamen mit der tschechischen Regierung zu Stande. Dies dürfte im Groben auch die Gesamtprduktionszahl gewesen sein, da nur einige tausend Stück am zivilen Markt verkauft wurden oder in den Export gingen.

vz.22 1922-1925 18.000 (Brünn)
vz.24 1925-1931 100.000 (Strakonice)
vz.24 1935 1.400 (Strakonice)
vz.24 1936 (bis 1938 geliefert) 70.000 (Strakonice)

Die vz.24 war nicht ohne Fehler und bedurfte einer Überarbeitung. Vor allem, das Verschlußsystem, das eigentlich für eine 9 Para ausgelegt war, war für die 9mm kurz Patrone nicht notwendig. Aus dieser Modifikation resultierte die vz.27, womit dieses Kapitel abgeschlossen wäre.

Daten der hier vorgestellten Pistole:

Hersteller: Ceska Zbrojovka (CZ) in Strakonice
Modell: vz.24
Kaliber: 9mm kurz
konkrete Seriennummer: 165073
Fertigung: 1937
Variante: ---
Beschriftung oben am Schlitten: CESKA ZBROJOVKA A.S. v PRAZE
linke/rechte Schlittenseite: ----
Seriennummer: 6-stellig am Griffstück, Schlitten und am Lauf
Beschußstempel: tschchischer Löwe am Griffstück, Schlitten und am Lauf
Allgemeines/Besonderheiten: Diese Pistolen wurden nach der Besetzung der Tschechaslowakei durch die Deutschen als Beutewaffen weiter verwendet und erhielten die Bezeichnung P.24(t).

Hier nun einige Bilder:
Das letzte Bild zeigt die Waffenfabrik in Strakonice
Angehängte Grafiken
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Dateityp: jpg Resize of CZ24 165073 links.JPG (127.3 KB, 69x aufgerufen)
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Alt 01.10.2007, 19:53   #2
armandvis
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Dank für diese ausführlichen Informationen, Günter.

Es bleibt noch anzumerken, dass die Waffen aus dem Seriennummernbereich etwa von 185000 - 195500 unter deutscher Regie montiert worden sind.
Allerdings findet man nur äußerst selten CZ24 der gesamten Produktion mit einem deutschen Abnahmestempel, wobei sich entweder nur ein kleiner Adler-Stempel auf dem Abzugsbügel bzw. auf dem Lauf im Auswurffenster befindet oder der Lauf wie bei # 195324 mit einem WaA-Stempel versehen wurde.
Einige der letzten Pistolen deutscher Produktion weisen weder Serienummern noch einen Beschuss auf, lediglich die Läufe sind mit dem für CZ üblichen WaA 76 Stempel abgenommen.
Die kleinen Adler-Stempel befinden sich wahrscheinlich nur auf Pistolen, die einer nachträglichen Revision bzw. Reparatur unterzogen worden sind.
In den USA sind einige wenige CZ24 mit Marineabnahme bekannt geworden, aber auch nur dort ??!
Alle anderen deutschen Stempelungen sind wahrscheinlich Fantasieprodukte.

Auf dem Foto ist die Seriennummer unkenntlich gemacht worden!

armandvis
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Alt 03.10.2007, 11:47   #3
Fridspeed
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Hallo armandvis,

wurde mal etwas über deutsche Pistolentaschen zur P 24 bekannt?
Ich kenne nur die tschechische Tasche, die auch von der Wehrmacht übernommen wurde.

Gruß

Fridspeed
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Alt 03.10.2007, 18:52   #4
armandvis
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Hallo Fridspeeed,

ja, es hat eine Tasche unbekannten Herstellers ausschließlich für die Luftwaffe gegeben.

Seltsamerweise weist sie das Logo HK im Kreis auf = Krieghoff. Diese Firma hat aber nie Lederwaren produziert. Offensichtlich hat man in diesem besonderen Fall lediglich den Vertrieb mit übernommen.
Alle Taschen dieser Bauart weisen neben dem HK-Stempel noch eine Datierung ( 40 / 41 ) und einen Abnahmestempel des Luftflottenkommandos Nr. 2 auf.
Die beigefügten Bilder stammen von einer Auktion. Leider konnte ich diese Tasche nicht in meine Sammlung einreihen.

Gruß

armandvis
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Alt 03.10.2007, 19:10   #5
armandvis
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Hier noch eine Nahaufnahme einer Stempelung ähnlicher Art auf einer anderen Tasche.
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Alt 03.10.2007, 19:53   #6
Fridspeed
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Hallo armandvis,

vielen Dank für die Bilder.

Die Tasche ähnelt sehr stark der Tasche der bulgarischen Armee aus dem II. WK für die P 24. Nach der gesamten Machart müsste es sich auch um eine bulgarische Tasche handeln.

Gruß

Fridspeed
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Alt 16.08.2008, 18:49   #7
sarsaparilla
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Frage

Hallo tague,
und Hallo an Alle,

mein Vater hatte als Offizier der Luft-Nachrichtentruppe eine P 24 (t) als Dienstwaffe.
In seinem Tagebuch fand ich im Bereich Oktober `44 den Eintrag "Noch ein volles Ersatzmagazin für meine P 24".

Die Frage, die ich mir daraufhin gekommen ist; wurde die Munition Cal. `38 Auto, oder eben 9mmk im ehemaligen deutschen Reichgebiet überhaupt produziert, oder wurde sie aus dem Ausland "importiert", bzw. griff man auf Fremd-Fertigung zurück?

Vielleicht ist das `ne ganz blöde Frage :bum, aber zu meinen "Wald-Buddel-Zeiten" (vor round about 20 Jahren) hab´ ich eigentlich alles an Klein-Munition gefunden, was man sich nur vorstellen kann, einschliedlich russischer Degtjaref-Maschinengewehr-Munition (Reichswald/Westgrenze zu Holland!), aber 9mmk ist mir nie begegnet...

Wär´ sehr lieb, wenn mir jemand von Euch die Frage beantworten kann.

Schöne Grüße vom Nordende Westwall

Roland
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Alt 17.08.2008, 12:12   #8
Fridspeed
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Hallo Roland,

zunächst ein herzliches willkommen im Forum.

Patronen im Kaliber 9 mm kurz waren keine Seltenheit und wurden in Deutschland hergestellt. Die Patrone wurde auch in geringem Umfang dienstlich gebraucht, überwiegend war es aber eine Patrone die für den zivilen Markt produziert wurde.
In Deutschland waren offizielle Pistolen im Kaliber 9 mm k z.B. die Walther PP und die Astra 300. Letztere wurde bewusst im Kaliber 9 mm k bestellt.
Fast alle deutschen Munitionsfabriken haben diese Munition hergestellt.
Ende 1944 könnte sich die Nachschubsituation verändert haben.
Die deutschen Munitionsfabriken haben vorrangig nur noch Kriegsmunition hergestellt, wozu die 9 mm k nicht mehr gehörte.
Da das Kaliber in einigen anderen Ländern als offizielles Kaliber für Militär und Polizei benutzt wurde, standen die Bestände der Wehrmacht zur Verfügung. In der Tschechoslowakei war es die Patrone für die P 24 und P 39. Weiter fand die Patrone in Belgien, Holland, Ungarn, Jugoslawien, Griechenland, Bulgarien und Italien militärische Verwendung. Auf die Bestände dieser Länder hatte man 1944 Zugriff.
Dennoch wurden Pistolen im Kaliber 9 mm k während des Krieges wenn möglich durch Pistolen im Kaliber 7,65 mm ersetzt.
Wenige Monate vor Kriegsende konnte man sich diesen Aufwand nicht mehr leisten.

Gruß

Fridspeed
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Alt 18.08.2008, 16:13   #9
sarsaparilla
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Beiträge: n/a
Daumen hoch

Hi Fridspeed,

vielen herzlichen Dank für die freundliche Aufnahme UND die vielen Info´s, mit denen ich so umfangreich nicht gerechnet habe.
Auf jeden Fall hab´ ich jetzt den besseren Durchblick...

Schöne Grüße an alle

Roland

Geändert von sarsaparilla (18.08.2008 um 16:13 Uhr)
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Alt 18.08.2008, 16:42   #10
sauerfan
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Zitat:
Zitat von sarsaparilla Beitrag anzeigen

Die Frage, die ich mir daraufhin gekommen ist; wurde die Munition Cal. `38 Auto, oder eben 9mmk im ehemaligen deutschen Reichgebiet überhaupt produziert, oder wurde sie aus dem Ausland "importiert", bzw. griff man auf Fremd-Fertigung zurück?
Hallo Roland,

hier


http://www.wehrmacht-awards.com/foru...d.php?t=306314

kann man eine schöne Schachtel Originalmunition 9 mm kurz zusammen mit der CZ 24 sehen. Schachtel ist beschriftet mit "9mm kurz für belgisches Polizeimodell" (= FN 1910/22 in 9mm kurz) und mit der Herstellerangabe "FN Herstal 1942".

Gruß

Martin
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